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Wirtschaft

Milchpulverskandal in China dramatischer als erwartet

Der Skandal in China um verseuchtes Milchpulver weitet sich aus. Binnen eines Tages verfünffachte sich die Zahl der Krankheitsfälle. Inzwischen sind mehr als 6000 Kinder erkrankt, drei Babys starben an Nierenversagen.

Mutter sitzt am Krankenbett ihres Babys, das ein Opfer des Milchpulverskandals ist (16.9.2008, Quelle: AP)

Mutter sitzt am Krankenbett ihres Babys, das ein Opfer des Milchpulverskandals ist

Die chinesischen Behörden üben Selbstkritik. Bei der Überwachung der Milchindustrie seien Fehler gemacht worden, räumte die Lebensmittelaufsicht ein. Die bisher zu laschen Kontrollen müssten verbessert und ausgebaut werden. Angekündigt wurde eine strenge Kontrolle aller chinesischen Milchproduzenten und ihrer Produkte. Es sollen nun nicht nur Milchpulver auf Melamin überprüft werden, sondern alle Milchprodukte. Rund 1.400 Teams mit insgesamt 5.000 Inspekteuren sollen im Land ausschwärmen, um eine verbesserte Kontrolle zu gewährleisten.

Bauern und Betriebe wollten höheren Proteingehalt der Milch vortäuschen

Die chemische Substanz Melamin ist die Ursache der Erkrankungen der Babys. Es wird eigentlich zur Herstellung von Plastik und Klebstoffen verwendet. Bauern und Betriebe fügen das Pulver jedoch auch verdünnter Milch zu. Damit soll ein höherer Proteingehalt vorgetäuscht werden. Die Chemikalie kann die Bildung von Nierensteinen verursachen, die bei Babys eigentlich höchst selten vorkommen.

Erste Festnahmen von Milchpulver-Produzenten und Amtsträgern

Die Polizei nahm unterdessen nach Berichten der chinesischen Staatsmedien die Chefin des Milchpulver-Produzenten Sanlu fest. Die Firma hatte wochenlang wissentlich das mit Melamin verseuchte Pulver verkauft und sich erst nach Berichten über mehrere erkrankte Babys zum Rückruf entschlossen. Melamin wurde inzwischen in Produkten von mehr als 20 Firmen nachgewiesen. Einige davon sollen ihre Erzeugnisse auch ins Ausland exportiert haben – vorwiegend in asiatische und afrikanische Länder, hieß es. Personelle Konsequenzen gibt es nicht nur auf Unternehmensebene, sondern auch bei Politikern. In Shijiazhuang, wo der Milchpulver-Produzent Sanlu seinen Sitz hat, wurde der Bürgermeister entlassen. Auch Beamte von Aufsichtsbehörden verloren ihren Job.

Entwarnung für Deutschland

In Zusammenhang mit dem Milchpulver-Skandal in China hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Braunschweig eine Entwarnung für Deutschland ausgesprochen. Nach Angaben eines Behördensprechers stellt der Milchpulver-Skandal keine Gefahr dar. Die deutsche Gesetzeslage verbiete grundsätzlich, Milch- und Milchpulverprodukte aus China in die Europäische Union einzuführen. (la)

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