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Filme

Migration und Armut auf der Leinwand

Das Kinderfilmfest bei der Berlinale überzeugt: Nicht mit Klamauk und schnellem Entertainment, sondern mit anspruchsvollen und künstlerisch hochwertigen Produktionen.

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I have a dream: Der dänische Berlinale-Beitrag "Der Traum" von Niels Arden Oplev

Hunderte von Filmen aus aller Welt schauen sich Kinderfilmfestchef Thomas Hailer und sein Team in den Wochen vor Beginn der Berlinale an. Es wird diskutiert und diskutiert und abgewogen und ausgewählt und irgendwann steht schließlich das Programm. Und immer dann, sagt Thomas Hailer, geschieht etwas Erstaunliches: Plötzlich fangen die Filme nämlich an, miteinander zu kommunizieren und ihre thematische Nähe zu offenbaren.

Zurück in die Familie

Im letzten Jahr dominierten Krieg und Kinder im Krieg, in diesem kehren die Filme thematisch in die Familien zurück: "Wir haben ein ganz starkes Thema: Familie als Experimentierfeld für gesellschaftliche Veränderungsprozesse. Der Zustand der Welt ist nicht wirklich besser geworden, es gibt Kriege, in denen müssen junge Leute weltweit aufwachsen."

So widmet sich der philippinische Regisseur Auraeus Solto dem Alltag eines Jungen, der sich mitten in Manilas Kleinkrimellen-Milieu hingebungsvoll um Vater und Bruder kümmert. Beide akzeptieren mit großer Selbstverständlichkeit die Homosexualität des Jungen, werden aber nervös, als der Zwölfjährige sich für einen Polizisten zu interessieren beginnt.

In dem dänischen Film "Drömmen" ("Der Traum") erzählt Niels Arden Oplev die Geschichte eines Schülers, der aus einer verkratzten Schallplatte mit Martin Luther Kings legendärer Rede "I have a dream" die Kraft zur Rebellion gegen einen prügelnden Lehrer bezieht und damit im Dänemark der ausgehenden 1960er-Jahre Zivilcourage zeigt.

Keine leichten Themen

In dem halbdokumentarischen Roadmovie "Milch und Opium" aus Indien folgt ein zwölfjähriger Musiker seinem unstillbaren Fernweh. Seine beschwerliche Reise von Rajastan nach Delhi mündet in einem Selbstfindungsprozess, gibt dem Zuschauer aber zugleich faszinierende Einblicke in die Lebenswirklichkeiten des Landes.

Der erschütterndste Beitrag des diesjährigen Kinderfilmfestes ist zweifellos der stille, in braunstichigen Bildern fotografierte polnische Film "Yestem" ("Ich bin"), der vom Überlebenskampf eines vereinsamten und verwahrlosten Jungen erzählt.

Traurige Märchen von heute

Berlinale Kinderfilmfest Hänsel und Gretel

Szenefoto aus "Hänsel und Gretel" von Anne Wild

Märchenhafter geben sich hingegen die drei deutschsprachigen Beiträge, Wolfgang Murnbergers magische Begegnung eines Mädchens mit einem Jungen aus der Steinzeit, die turbulente Verfilmung des Kasperlestücks "Der Räuber Hotzenplotz" und Anne Wilds Spielfilm-Adapation von Grimms Märchen "Hänsel und Gretel": "Vor ein paar Wochen ist der Armutsbericht für Deutschland veröffentlicht worden, mit erschreckenden Zahlen über die soziale Realität von Kindern hier im Land. Der Film erzählt die Geschichte von einem Vater, der sich entscheiden muss, ob er seine kranke Frau oder die Kinder ernähren kann. Er schickt die Kinder dann in den Wald, auf dass sie niemals wieder kommen. Diese Geschichte - Märchen hin oder her - spiegelt die Realität, wie sie Kinder hier erleben, in einer ganz

beeindruckenden Weise wider."

Die Frage, ob und wie unterschiedliche Generationen jetzt und in Zukunft zusammenleben können, zieht sich als thematischer Bogen nicht nur durch viele Kinderfilme, sondern ist auch im Jugendprogramm "14 plus" allgegenwärtig.

Das globalisierte Miteinander

So erzählt etwa der chinesische Film "You and me", wie eine junge Untermieterin das Leben einer alten Dame verändert. In dem schwedischen Beitrag "Four weeks in June" entwickelt sich in einem Abrisshaus eine spröde Freundschaft zwischen einer jungen Straftäterin und einer alten Querulantin.

Auffällig viele Filmemacher würden sich für das Thema Migration interessieren, berichtet Programmchef Haider: "Es geht um Migration, wie sich Migration auf junge Leute auswirkt und wie Migration zurückspiegelt in die Familien."

Das Berlinale-Programm für junge Kinogänger erfreut sich seit Jahren eines lebhaften Zuspruchs. Tatsächlich wissen Berliner Kinder und Jugendliche diese eindringlichen und anspruchsvollen Einblicke in die Lebenswirklichkeit von Altersgenossen in aller Welt wirklich zu schätzen. Warum sonst sollten so viele nach den Vorstellungen nicht gleich das Weite suchen, sondern Filmemachern und Darstellern mit großer Ernsthaftigkeit Fragen stellen?

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