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Fokus Südosteuropa

Migranten verlassen Griechenland

Für viele Albaner war Griechenland das gelobte Land. Sie fanden dort Arbeit und wanderten aus. Doch die Finanz- und Wirtschaftskrise treibt sie nun zurück in die Heimat, wo ihnen wieder die Arbeitslosigkeit droht.

Skender Meta aus Albanien steht vor einem Schuldenberg (Foto: Jannis Papadimitriou)

Skender Meta aus Albanien steht vor einem Schuldenberg

Skender Meta hat schon alles versucht, um mit ehrlicher Arbeit genügend Geld zu verdienen und seine Familie ernähren zu können. Seit zwanzig Jahren verdingt sich der Albaner in Griechenland als Kuhmelker, Gebäudereiniger, Obstpflücker oder Bauarbeiter. Vor allem als Fliesenleger hatte er Freude an seiner Arbeit und dazu auch noch ein ordentliches Einkommen auf der einstigen Großbaustelle Athen. Βis die große Krise ausbrach: Seit 2009 konnte der Familienvater nur noch sporadisch arbeiten.

"Das Baugewerbe ist am Ende. Wenn überhaupt, arbeitest du zum Billiglohn und ohne Versicherungsschutz", sagt Skender Meta. Als Fliesenleger bekomme er nur noch einen Tagessatz von fünfzig Euro - und es sei nicht einmal sicher, ob der Lohn wirklich ausgezahlt wird. "Es ist nämlich oft vorgekommen, dass ein Auftraggeber mit Verspätung oder überhaupt nicht zahlt."

Hochverschuldete Arbeiter aus Albanien

Heute steht Meta vor einem Schuldenberg: "Insgesamt sind es 15.000 Euro, allein meiner Bank schulde ich 4.000. Ich habe die Leute bei der Bank um eine Umschuldung gebeten und die meinten, meine Schulden würden in diesem Fall wegen der Zinsen auf über 6.000 Euro steigen", sagt der albanische Arbeiter.

Über 70 Prozent der albanischen Einwanderer in Griechenland würden am liebsten vor der Krise fliehen und in ihre Heimat zurückkehren, glaubt Skender Meta. Aus eigener Erfahrung weiß er aber auch: Auch das Leben dort steckt voller Schwierigkeiten. In den vergangenen Jahren habe er schon zweimal die Heimreise angetreten, wenn seine Situation in Griechenland schwierig war. Doch er sah sich immer wieder gezwungen, nach Athen zurückzukommen, um der Arbeitslosigkeit zu Hause zu entfliehen.

Einwanderer werden zu Opfern der Krise

"Ich würde am liebsten zurückkehren, aber die wirtschaftliche Situation bei uns im Dorf ist sehr schwierig", meint der 39-Jährige. Das alte Haus der Familie ist baufällig, also müsste er auch in der Heimat eine Wohnung mieten - genau wie im Ausland. Wenn es mit Griechenland nicht bald wieder bergauf geht, sieht er nur noch eine Möglichkeit: "Die Kinder bleiben bei den Schwiegereltern in Albanien und ich mache mich auf den Weg in Richtung Westeuropa, am liebsten nach England".

Auf der Suche nach Arbeit sind in den vergangenen Jahren über 700.000 Menschen aus Albanien nach Griechenland gekommen. Zu Wohlstandszeiten konnten Arbeiter aus dem Ausland zusammen bis zu eine Milliarde Euro pro Jahr aus Griechenland in die Heimat überweisen. Tausende von Albanern haben sich in Athen selbstständig gemacht und selbst neue Arbeitsplätze geschaffen.

Doch die Krise macht den Einwanderern immer mehr zu schaffen. Nach einer Studie des Athener Think-Tanks ELIAMEP haben 10 Prozent der einst in Griechenland lebenden Migranten aus Mangel an Perspektiven das Land wieder verlassen. Wegen der geographischen Nähe stellt sich für die Albaner eine Frage besonders dringlich: In Griechenland bleiben und einfach auf bessere Zeiten hoffen oder lieber gleich über die Grenze und zurück in die Heimat?

Keine Einreisepapiere für andere EU-Länder

Auch Liliána ringt um eine Entscheidung. Die junge Mutter aus Lusnia im Westen Albaniens lebt seit zwölf Jahren in Athen und verdient ihr Geld als Teilzeitkraft in einem Café. In den letzten Monaten arbeitet sie seltener, da der Cafébesitzer über sinkende Umsätze klagt und überall sparen muss.

"Mein Mann und ich überlegen, ob wir nicht zurück in die Heimat gehen oder auch woanders hin, wo wir bessere Chancen hätten", sagt die 30-Jährige. Aber das sei gar nicht so einfach für die beiden. Für andere EU-Länder fehlten ihnen die notwendigen Einreisepapiere. Und in Albanien würden sie sich fremd fühlen nach so vielen Jahren im Ausland. "Es wäre aber ein guter Anfang, wenn wir einen Job in der Heimat finden würden - und zwar bevor wir umziehen", wünscht sich Liliána.

Loni Nikolli pendelt zwischen Griechenland und Albanien (Foto: Jannis Papadimitriou)

Loni Nikolli pendelt zwischen Griechenland und Albanien

Für eine Rückkehr auf Raten hat sich der Schreiner Loni Nikolli entschieden. Seine Frau und die beiden Kinder sind bereits in seine Heimatstadt Permeti im Süden Albaniens gezogen und leben dort bei den Großeltern. Die Zwillinge wurden dort gerade eingeschult. Nikolli selbst bleibt vorerst in Athen, und bemüht sich weiter um Aufträge.

"Arbeit bekommt man in Griechenland über Freunde"

"Ich kenne hier immerhin ein paar Leute, die mich unterstützen, etwa dadurch, dass sie mich weiterempfehlen", sagt Nikolli. Arbeit bekomme man in Griechenland nur über Freunde und Bekannte. Aber das Geschäft werde immer schwieriger, heute verdiene ein Bauarbeiter nur die Hälfte von dem, was vor fünf Jahren üblich war. "Wenn es so weiter geht, werde ich Griechenland bald verlassen müssen", sagt Nikolli.

Zum Glück kann der junge Familienvater öfters nach Permeti pendeln und dort seine Familie besuchen. Nur dreißig Euro kostet die Hin- und Rückreise mit einem albanischen Busunternehmen. Traurig wird es nur, wenn die Kinder zu Hause wieder mal zu viele Wünsche äußern: "Die beiden sind erst sieben und sehen natürlich die Welt durch eine rosarote Brille. Wenn sie etwas haben möchten, dann sagen wir ihnen, dass es dafür kein Geld gibt. So einfach ist das: Keine Arbeit, kein Geld."