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Deutschland

Migranten sind karrierebewusster als Deutsche

Bildungsferne, fehlender beruflicher Ehrgeiz und ein traditionelles Rollenverständnis zwischen den Geschlechtern - damit werden Migranten in Deutschland häufig assoziiert. Eine neue Umfrage belegt nun aber das Gegenteil.

Junge Frauen mit Migrationshintergrund, deren Eltern aus Kenia, Marokko, Pakistan, Russland und Eritrea stammen (Archivfoto: dpa)

Migranten sind karriereorientierter und nicht weniger emanzipiert als Deutschstämmige

Menschen mit ausländischen Wurzeln sind in Deutschland deutlich besser integriert als bisher angenommen. Das geht aus einer Emnid-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervor, die am Mittwoch (22.12.2010) in Gütersloh vorgestellt wurde. "Diese Ergebnisse widerlegen Vorurteile über Menschen aus anderen Herkunftsländern in der deutschen Gesellschaft", sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Liz Mohn.

Danach sind Migranten zum Beispiel karriereorientierter als Deutsche ohne Migrationshintergrund. Vor allem junge Menschen ausländischer Herkunft bezeichnen sich selbst als "besonders erfolgs- und leistungsorientiert". Während neun von zehn Befragten mit Migrationshintergrund angaben, beruflich weiterkommen zu wollen, legen gerade einmal 45 Prozent der Deutschstämmigen Wert auf ihr berufliches Weiterkommen.

Kein traditionelles Rollenverständnis

Eine Frau steht in den Nachkriegsjahren am Herd, davor eine Propangasflasche (Archivfoto: dpa)

Die Vorstellung vom Heimchen am Herd: Migranten sind nicht konservativer als Deutsche

Ähnlich sieht es bei der Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern im Haushalt aus: 41 Prozent der Männer mit Migrationshintergrund betrachten Putzen, Kochen und Kindergroßziehen als gemeinsame Aufgabe von Paaren. Bei den Befragten ohne Migrationshintergrund sehen das nur etwa ein Drittel der Männer, nämlich 35 Prozent, so.

Was die Berufstätigkeit von Frauen angeht, so lehnen gut dreiviertel der Migranten (74 Prozent) die Vorstellung vom "Heimchen am Herd" ab. Entgegen gängigen Klischees erteilen laut Studie auch 70 Prozent der Bürger aus muslimisch geprägten Ländern einem solchen Mutterbild eine klare Absage. Sie sind damit nicht konservativer als die Deutschen.

Dagegen ist die Hälfte der Befragten - sowohl mit als auch ohne Migrationshintergrund - der Meinung, dass Mütter ihre beruflichen Ziele zurückstellen sollen, um mehr Zeit für Familie und Kinder zu haben.

Kindergartenpflicht für Dreijährige gewünscht

Bei der Frage nach der Kinderbetreuung gab es weniger Unterschiede aufgrund der Herkunft der Befragten, stattdessen "liege der Unterschied zwischen Männern und Frauen", sagte die Expertin der Bertelsmann-Stiftung, Barbara von Würzen. Während jede zweite Frau ihre Kinder in einen Kindergarten geben würde, wäre nur jeder dritte Mann dazu bereit. Diese sehen die Betreuung eher als Aufgabe ihrer Partnerin.

Die Mehrheit der Migranten wünscht sich kostenlose Kindergärten und ist sogar dafür, eine Kita-Pflicht für Dreijährige einzuführen. Die meisten Befragten wollten ihre Kinder am liebsten im Kindergarten oder in der Ganztagsschule betreuen lassen.

Für die Umfrage der Bertelsmann-Stiftung wurden vom 9. November bis 3. Dezember knapp 900 Menschen mit deutschen Wurzeln und rund 1000 Personen mit ausländischer Herkunft befragt, um ihre Einstellungen zu den Themen Familie und Beruf miteinander vergleichen zu können.

Autor: Bachir Amroune (dapd, epd, afp)
Redaktion: Ursula Kissel

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