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Alltagsdeutsch – Podcast

Migranten im Ehrenamt

Ohne die unbezahlte Arbeit von Freiwilligen würden in Deutschland viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens nicht funktionieren. Zunehmend engagieren sich auch Migranten ehrenamtlich – nicht nur für andere Migranten.

Shaha A. (l-r, Syrien), Iman Azzaoui, FWZ-Praktikantin, Adul D. (Iran), Bettina Künzel, Kursleiterin des Frauenprojekts der Caritas Aachen, Ganimede S. (Kosovo) und die ehrenamtliche Helferin Hannelore Dockhorn besprechen in einer Frauengruppe im Freiwilligen-Zentrum (FWZ) in Aachen das Alltagsthema Ernährung

Ehrenamtliche tauschen sich über ihre Erfahrungen aus

Sprecherin:
Bei der Freiwilligen Feuerwehr, in der Kirchengemeinde oder im Fußballverein – überall dort engagieren sich Bürger ehrenamtlich. Was wenig bekannt ist: Auch viele Migranten bekleiden inzwischen Ehrenämter. In der bayerischen Hauptstadt München unterstützt die Freiwilligen-Agentur Tatendrang diese Ehrenamtlichen und vermittelt sie an soziale Einrichtungen. Die 61-jährige gebürtige Inderin Mehr Syed ist eine von ihnen. Sie arbeitet für Tatendrang als ehrenamtliche Energieberaterin. Sie sitzt gerade in der Wohnküche der Studentin Vera und ihres Partners und versucht beiden klar zu machen, dass in einer Wohnung von 60 Quadratmetern im Winter mindestens zwei Räume die gleiche Temperatur haben müssen. Ansonsten könnten die Wände feucht werden und sich sogenannte Schimmelpilze bilden. Die entstehen, wenn die Luftfeuchtigkeit sich an kalten Wänden absetzt und in der Wohnung nicht genug gelüftet wird.

Mehr Syed:
"Mindestens sind so 60 Quadratmeter, zwei Räume, in einer gleichen Temperatur lassen tagsüber, im Winter. Und damit die ganze Wohnung Wärme hat und Luftfeuchtigkeit, nur Luftfeuchtigkeit 50 Prozent zu halten. Und sonst auch, und Wände werden feucht und Schimmelpilze bilden sich. "

Sprecherin:
Vera und ihr Partner Gil heizen aus Kostengründen nur die Wohnküche. Die meisten Möbel hat das junge Pärchen von Freunden geschenkt bekommen oder gebraucht gekauft. Seit der Geburt ihrer Tochter Letizia müssen der junge Physiotherapeut und seine Freundin sparen. Denn Vera darf noch nicht arbeiten gehen. Sie ist im gesetzlichen Mutterschutz. Laut diesem Gesetz müssen Mütter, die in einem Arbeitsverhältnis stehen, sechs Wochen vor der Geburt zu Hause bleiben. Nach der Geburt dürfen sie erst nach mindestens acht Wochen wieder arbeiten.

Vera:
"Jetzt liegt mein ganzes Studium auf Eis und [ich] bin im Mutterschutz und kann nicht arbeiten gehen. Da ist natürlich jede gesparte Energie ist praktisch auch gespartes Geld."

Sprecherin:
Bei Vera kommt zusätzlich noch dazu, dass sie erst einmal wegen des Säuglings keine Vorlesungen an der Universität besuchen kann. Ihr Studium liegt auf Eis. Sie ist froh, dass Mehr Syed gekommen ist. Die gebürtige Inderin hatte in ihrem Heimatland Literatur, Philosophie und Psychologie studiert. Als sie vor 33 Jahren nach Deutschland kam, wurden ihre Abschlüsse hier nicht anerkannt. Sie arbeitete als Verkäuferin und als Aushilfe, bis sie mit 57 Jahren plötzlich arbeitslos wurde. Sie war auch vorher ehrenamtlich bei sozialen Projekten engagiert und stieß dann zufällig auf die Freiwilligen-Agentur Tatendrang. Darüber ist sie heute sehr froh. Denn sie berät nicht nur, wie man richtig Energie spart, sondern hat auch ein offenes Ohr für die Probleme ihrer Kunden. Sie hat anschließend das Gefühl, etwas Gutes getan und anderen geholfen zu haben.

Mehr Syed:
"Wenn ich Energieberatung mache, dann höre ich den Menschen zu, und das tut ihnen gut – und mir auch. Ich komme mit Zufriedenheit [nach Hause], ich habe etwas Gutes getan. Außer Energieberatung [zu machen] habe auch noch etwas getan für [die] Menschen."

Sprecherin:
Im Jahr 2011 hatten zehn Prozent der jährlich weitervermittelten Freiwilligen bei Tatendrang einen Migrationshintergrund. Doch die Agentur möchte noch mehr von ihnen in sozialen Einrichtungen unterbringen. 2011 wurde das Projekt InterEsse abgeschlossen, dessen Motto lautete: "Integration durch Engagement". Hier arbeitete die Agentur mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammen. Ziel war, sich besser kennenzulernen und den Migranten die ehrenamtliche Arbeit näher zu bringen. Die Freiwilligenorganisation möchte selbst auch interkulturelle Erfahrungen sammeln, um die eigene Beratungsarbeit verbessern und Migranten leichter weitervermitteln zu können. Die ehrenamtliche Projektleiterin Behare, deren Eltern aus dem Kosovo stammen, sagt, dass gerade Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund die deutsche Gesellschaft bereichern können – nicht nur durch ihre Mehrsprachigkeit. Sie könnten anderen Migranten auch ein Vorbild sein und so die Integration erleichtern.

Behare:
"Migranten können natürlich auch im Bereich zum Beispiel Schülerhilfe Migranten aus ihren Herkunftsländern unterstützen und da auch als Vorbildfunktion fungieren. Es gibt aber auch Migranten, die in ganz anderen Bereichen tätigen werden wollen, wie zum Beispiel im Umweltbereich."

Sprecherin:
Das sind Freiwillige wie Mehr Syed. In einer Stadt wie München – mit einem hohen Ausländeranteil – ist die Beratung, die sie anbietet, notwendig. Neben Migranten und Studenten hilft sie vor allem armen Rentnern, Arbeitslosen und alleinerziehenden Müttern. Sie hat eine Aufgabe gefunden, die ihrem Leben Sinn gibt, Kontakt zu anderen Menschen schafft und sie aus der Isolation einer Arbeitslosen herausholt.

Fragen zum Text

Schimmelpilze an der Wand entstehen, wenn …

1. schmutzige Luft ins Zimmer kommt.
2. Schimmelkäse viele Tage offen liegt.
3. sich Feuchtigkeit in kalten Räumen bildet.

Die beiden Studenten heizen nicht ausreichend, weil …
1. die Heizkörper kaputt sind.
2. sie Geld sparen wollen.
3. ihr Baby die Kälte mag.

Die gebürtige Inderin Mehr Syed …
1. bekommt einen Stundenlohn.
2. arbeitet ohne Bezahlung.
3. ist bei der Agentur Tatendrang angestellt.


Arbeitsauftrag
Lies dir die Agenturmeldung zum fünften Integrationsgipfel der Bundesregierung durch. Formuliere eine Schlagzeile, die den Inhalt zusammenfasst. Anschließend schreibe eine Nachrichtenmeldung von maximal 15 Zeilen, die die wichtigsten Fakten enthält. Dabei kannst du dich an die Beantwortung der sechs W-Fragen halten: Was geschah? Wer war beteiligt? Wo geschah es? Wann geschah es? Warum geschah es? Wie waren die Reaktionen?

Autorinnen: Anja Seiler; Beatrice Warken
Redaktion: Ingo Pickel

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