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Afrika

Migranten fairbinden

Unter dem Motto "Engagement fairbindet" haben sich am Freitag etwa 2000 Teilnehmer in Bonn getroffen, darunter auch engagierte Migranten. Das Ziel: eine bessere Entwicklungszusammenarbeit.

Der Afghanische Musiker Farhad Darya auf der Veranstaltung Engagement fairbindet (Foto: DW)

Der Afghanische Musiker Farhad Darya

Den Teilnehmern an der Veranstaltung "Engagement fairbindet" bietet sich im Park des ehemaligen Kanzleramtes in Bonn ein ungewöhnliches Schauspiel. Zu afghanischen Klängen füllt ein zierlich gebauter Sänger die Bühne mit seiner Präsenz. Die Zuschauer wiegen sich im Takt. Farhad Darya ist einer der bekanntesten afghanischen Sänger der Gegenwart. Er engagiert sich für die Opfer des Krieges in seinem Land - über Benefizkonzerte und andere Projekte. Wie die übrigen prominenten Teilnehmer tritt er für die Veranstaltung "Engagement fairbindet" ohne Gage auf. Farhad Darya ist zwar der prominenteste engagierte Migrant, der an der Veranstaltung teilnimmt. Der einzige ist er jedoch nicht.

Richard Nawezi zum Beispiel stammt aus der Demokratischen Republik Kongo und lebt seit 1985 in Deutschland. Weil Kinder unter dem Krieg in seiner Heimat am meisten zu leiden haben, gründete er im Jahre 2000 den Verein Mutoto. Der Verein unterstützte zunächst drei Heime, um Straßenkindern zu helfen. Später gründete der Verein ein Kinderdorf mit Internat, Bäckerei und Radiostudio.

Zunehmendes Engagement

Der Kongolese Richard Nawezi engagiert sich für Straßenkinder. (Foto: DW)

Der Kongolese Richard Nawezi

Das Engagement von Migranten in der Entwicklungszusammenarbeit ist für Richard Nawezi wichtig. Früher, so Nawezi, seien wenig Migranten in entwicklungspolitischen Projekten vertreten gewesen. Mittlerweile habe sich die Situation aber positiv entwickelt. Aber es sei immer noch nicht genug: Erst wenn sich viel mehr Migranten in der Entwicklungszusammenarbeit engagierten, könnten sie ihre Rolle als Brückenbauer in ihre Heimatländer richtig wahrnehmen. Und das könnte dem entwicklungspolitischen Bereich in Deutschland ein neues Gesicht geben, hofft Nawezi.

Für ihre Heimat engagiert haben sich Migranten schon immer. In der Regel allerdings individuell. Die meisten von ihnen haben jahrzehntelang einen Großteil ihrer Ersparnisse an die Daheimgebliebenen überwiesen. Diese Unterstützung, fast dreimal so hoch wie die öffentliche staatliche Entwicklungshilfe, ist für viele ärmere Länder die Haupteinnahmequelle für Devisen.

Unterstützung durch die Politik

Mittlerweile hat aber auch die Politik erkannt, dass Migranten für eine erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit unerlässlich sind. So stellte Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel in seiner Eröffnungsrede fest, dass es unmöglich sei, ein Partnerland gänzlich von außen zu entwickeln.

Deshalb unterstützt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gemeinnützige Projekte von Migrantenorganisationen. Neben einer finanziellen Förderung sieht diese Unterstützung vor, dass die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) mit Migrantenorganisationen nachhaltige Projekte erarbeitet.

Bessere Problemdiagnose

Der Afghane Sabur Achtari bringt Strom in afghanische Dörfer. (Foto: DW)

Der Afghane Sabur Achtari

Eines dieser Projekte kommt zwölf afghanischen Dörfern zugute. Angefangen hat es mit dem Afghan Bedmoschk Solar Center, das der aus Afghanistan stammende und in Deutschland lebende Ingenieur Sabur Achtari gegründet hat. Nutznießer war zunächst das abgelegene und stromlose Dorf Bedmoschk. Weil die Elektrifizierung des Dorfes mit erneuerbaren Energien so erfolgreich ist, übertrug Achtari mit Unterstützung der GTZ das Modell auf zwölf weitere Dörfer. Die Versorgung mit Strom hilft vor allem Frauen.

Viele Frauen in Afghanistan, so Achtari, litten unter extrem harten Arbeitsbedingungen. In ländlichen Gebieten müssten sie zum Beispiel jeden Tag vier Stunden schwere Lehmkrüge schütteln, um ein Kilo Butter herzustellen. Achtari entwickelte deshalb ein Gerät, das mit Solarenergie betrieben wird und das Butter innerhalb von sieben Minuten herstellt. Die dadurch gesparte Zeit könnten Frauen dann für ihre Bildung nutzen. Und gebildete Frauen seien besser in der Lage, ihre Rechte wahrzunehmen, so Achtari.

Effektivere Entwicklungszusammenarbeit

Richard Nawezi und Sabur Achtari sind sich einig: Die wirklichen Bedürfnisse einer Bevölkerung könnten am besten die Menschen erkennen, die dort ihren kulturellen Hintergrund haben. Migranten, die sich für ihre Heimatländer engagieren, könnten sich zudem überall frei bewegen. Sie beherrschten die Landessprache und würden von der Bevölkerung offener empfangen. Engagierte Migranten sollten deshalb ernst genommen und unterstützt werden. "Da sie mit mindestens zwei Welten vertraut sind, sind sie die idealen Brückenbauer - für eine zwischen ihrem Aufenthaltsort und ihrer Heimat".

Autor: Bachir Amroune

Redaktion: Klaudia Pape

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