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Sport

Mieses Zwischenzeugnis für Moskau

Halbzeit in Moskau. Bisher präsentiert die Leichtathletik-WM leere Ränge, mangelnde Organisation und enttäuschte Sportler. Ist Russland für große Sportereignisse bereit?

Der Wettbewerb um die olympische Kernsportart läuft zwar noch bis Sonntag (18.08.2013), wird aber jetzt schon nicht unter den unvergesslichen Sportveranstaltungen eingestuft. Schlechte Organisation, leere Ränge und maue Stimmung trüben den Alltag der Sportler im Moskauer Luschniki-Stadion.

Dabei sollte die Weltmeisterschaft - 33 Jahre nach den Boykott-Spielen von Moskau - der glanzvolle Auftakt zu einer neuen Ära von Großveranstaltungen in Russland sein. Nächstes Jahr finden die Olympischen Winterspiele in Sotschi statt, vier Jahre später ist Russland Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft.

Russische Offiziere sitzen im Stadion (Foto: dpa)

Wie in alten Zeiten: Russische Offiziere sitzen im Stadion und mischen sich unters Publikum

Dennoch steht jetzt die Großmacht im Osten unter dem Verdacht, sportliche Großereignisse nicht stemmen zu können. Bei der Eröffnungsfeier durfte Präsident Wladimir Putin weniger als 20.000 Besucher willkommen heißen. Das 81.000-Zuschauer-Stadion war nur halbvoll, als Weltstar Usain Bolt sein sechstes WM-Gold holte. Und nicht einmal Russlands Liebling Jelena Issinbajewa konnte mit ihrem dritten WM-Titel im Stabhochsprung das Stadion füllen.

"Man schläft ja ein"

In den Vormittags-Vorläufen ist das Interesse noch geringer. "Bis zum Hochsprung dachte ich, das wäre eine Trainingseinheit. Da waren vielleicht 20 Leute und es wurde kaum geklatscht", sagte Zehnkämpfer und Silber-Gewinner Michael Schrader. Wettkampf-Kollege und Europameister Pascal Behrenbruch formulierte es drastischer: "Die Stimmung ist scheiße. Man schläft ja ein. Es kann nicht sein, dass eine WM in ein Land vergeben wird, das nicht hinter der Leichtathletik steht. Vielleicht muss man öfter dasselbe Land auswählen."

Dabei hatten die russischen Veranstalter kurz vor dem WM-Start noch verkündet, 80 Prozent der Tickets verkauft zu haben. Doch aus den Kreisen des Internationalen Weltverbands (IAAF) war in dieser Woche zu hören, dass gerade mal 100.000 Eintrittskarten für die neun Wettkampftage wirklich verkauft wurden - die billigste Karte kostet umgerechnet circa drei Euro. Und laut russischer Tageszeitung "Kommersant" hat die Verwaltung der Stadt Moskau rund 240.000 Karten an Sponsoren verschenkt. Trotzdem bleibt das Stadion leer.

Jelena Issinbaweja i Wettkampf (Foto: picture alliance)

Auch Russlands Liebling Issinbajewa bekommt, trotz WM-Titel, nicht die Ränge voll

Da ist selbst der schönste Moment eines Athleten unvollkommen. "Es war etwas schade, dass im Stadion nur fünf Leute und drei Hunde die Siegerehrung mitbekommen haben", meinte Christina Schwanitz, die WM-Silber im Kugelstoßen gewann.

Hilflose Volunteers und rekordlose Wettkämpfe

Doch letztendlich ist die miese Stimmung nicht nur auf den Rängen zu finden. Die Athleten beklagen sich über unfreundliches Personal, dass meistens keine Ahnung von der Infrastruktur hat und sich oft nur mit Händen und Füßen verständlich machen kann.

"Die Organisation ist schrecklich. Ich verstehe die Menschen nicht, und wenn mir in den Stadionkatakomben jemand Anweisungen geben möchte, und ich ihn bitte, Englisch zu sprechen, redet er einfach auf Russisch weiter. Da fühlt man sich total bescheuert", schimpfte der deutsche Zehnkämpfer Rico Freimuth. Immerhin funktionieren die Technik, die Wettkampfabläufe und der Shuttledienst durchaus gut.

Raphael Holzdeppe (Foto: dpa)

Holte Gold: Raphael Holzdeppe

Sportlich hat die Weltmeisterschaft in Moskau auch wenig zu bieten. Bisher ist noch kein einziger Weltrekord gebrochen worden. Und schlicht acht Jahresbestleistungen.

Bis auf die Glanzvorstellung des deutschen Stabhochspringers Raphael Holzdeppe, sind bei der Moskauer Weltmeisterschaft auch große Überraschungen ausgeblieben. Usain Bolt ist der Schnellste, Jelena Issinbajewa springt am höchsten, der Brite Mohamed Farah bleibt König beim 10.000 Meter-Lauf und Robert Harting wirft den Diskus am weitesten.

Deutschland hat derzeit fünf Medaillen auf dem Konto und belegt den dritten Platz im Medaillen-Spiegel, hinter den Topfavoriten USA (10 Medaillen) und Gastgeber Russland (7 Medaillen).