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Reise

Mies van der Rohes Meisterstück

Im mährischen Brünn steht das erste moderne Wohnhaus des Architekten Ludwig Mies van der Rohe, die "Villa Tugendhat". Sie wurde jetzt in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen, im Frühjahr wird sie restauriert.

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Der Architekt Ludwig Mies van der Rohe

Die Kunsthistorikerin Daniela Hammer-Tugendhat kannte das Haus lange nur aus den Erzählungen ihrer Eltern. Denn als Daniela als jüngstes Kind der Industriellenfamilie Tugendhat zur Welt kam, da war der Krieg schon vorbei, die Eltern längst geflohen aus der Tschechoslowakei. Zurücklassen mussten sie jenes Haus, das nach ihren Wünschen und Vorstellungen in Brünn gebaut worden war. "Sie haben leidenschaftlich gerne in diesem haus gewohnt", erzählt die Unternehmertochter. "Sie haben das Haus geliebt. Sie haben sich total mit diesem Haus identifiziert. Sie haben sich befreit gefühlt, in keinster Weise beengt." Die Eltern wohnten dort mit drei kleinen Kindern, die sehr viel Freiheit genossen, weil sie oben auf der Terrasse immer gespielt haben und diesen riesigen Garten nutzen konnten.

Revolution in der Geschichte des Bauens

In dem Brünner Villenviertel ist das Haus Tugendhat bis heute einmalig. Von der Straße her ein unscheinbarer weißer Kasten, zum Garten hin aber öffnet es sich: ein Manifest der modernen Architektur mit einem rundum verglasten offenen Wohnbereich. Fertig gestellt 1930, war die Villa Tugendhat das erste wirklich moderne Meisterstück des Berliner Architekten Ludwig Mies van der Rohe.

Jetzt ist die Villa - nach langen Diskussionen - in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden, als einer von ganz wenigen Bauten der modernen Architektur. Zum ersten Mal - so die Begründung der UNESCO - habe Mies van der Rohe hier in Brünn seine radikal andere Formensprache verwirklichen können, eine Revolution in der Geschichte des Bauens.

Der Traum vom Haus dauerte nur wenige Jahre

Voraussetzung dafür war die ästhetische Offenheit der Familie Tugendhat und natürlich auch das nötige Kleingeld. Purer Luxus, wie Raumteiler aus edlen Hölzern und Steinen, im Boden versenkbare Fenster und ein Lift, mit dem das Frühstück aus der Küche direkt ins Schlafzimmer der Ehefrau gelangte - all das konnten sich die Tugendhats leisten. "Meine Eltern haben beide eine sicher ganz außergewöhnliche Beziehung zu Architektur und überhaupt zu Kunst gehabt," sagt Daniela Hammer-Tugendhat. "Das ist, denke ich mir, ein seltener Glücksfall."

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