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Wirtschaft

Microsoft setzt sechs Milliarden in den Sand

Der Software-Konzern aus Redmond hat mit einem teuren Zukauft versucht, dem Platzhirsch Google das Geschäft mit Online-Werbung streitig zu machen - und sich dabei eine blutige Nase geholt.

Microsoft Logos auf der CES in La Vegas (Foto: Reuters)

Microsoft Messe Las Vegas

Der Deal sollte den Anschluss an Google im Online-Geschäft bringen und wurde zum finanziellen Desaster: Microsoft muss nach eigenen Angaben Kosten in Höhe von 6,2 Milliarden Dollar auffangen, weil die Übernahme des Werbedienstes aQuantive nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat. Der Kauf im Jahr 2007 war der bis dahin größte in der Unternehmensgeschichte. Nun könnte er dem US-Konzern den ersten Quartalsverlust seit 20 Jahren bescheren.

Die Übernahme von aQuantive habe die Erwartungen nicht erfüllt, teilte Microsoft am Montag an seinem Hauptsitz in Redmond mit. 6,3 Milliarden Dollar hatte sich der US-Softwarekonzern den Zukauf damals kosten lassen. Übertroffen wurde das Geschäft nur vom Zukauf des Internet-Telefonieanbieters Skype für 8,5 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr.

Seit der Übernahme von aQuantive verbuchte Microsofts Online-Sparte Verluste in Höhe von fast neun Milliarden Dollar. Der Umsatz in dem hart umkämpften Geschäftsbereich konnte bis 2011 gegenüber dem Jahr 2007 nur um 54 Millionen Dollar auf 2,5 Milliarden Dollar gesteigert werden. Auch wenn es im Online-Geschäft im vergangenen Jahr etwas besser gelaufen sei, "sind die Erwartungen des Unternehmens bezüglich zukünftigen Wachstums und Profitabilität geringer als in früheren Schätzungen", erklärte Microsoft am Montag.

Google hatte mehr Glück

Die Demütigung des Windows-Herstellers im Online-Bereich wird durch den Erfolg des Rivalen in diesem Segment noch verstärkt: Kurz nach der aQuantive-Übernahme durch Microsoft kaufte Google für 3,2 Milliarden Dollar den Konkurrenten DoubleClick. Seitdem haben sich die jährlichen Gewinne und die Werbeeinnahmen des kalifornischen Suchmaschinenanbieters mehr als verdoppelt - im vergangenen Jahr verdiente Google 9,7 Milliarden Dollar und nahm über Werbung 36,5 Milliarden Dollar ein.

Für Microsoft könnte der Rückschlag um aQuantive unmittelbare Folgen für die Bilanz haben: Für das vierte Geschäftsquartal, das im Juni zu Ende ging, hatten Analysten eigentlich mit einem Gewinn von etwa 5,3 Milliarden Dollar gerechnet. Dieser könnte nun vollständig von der notwendig gewordenen Abschreibung aufgefressen werden. Die Quartalsergebnisse werden am 19. Juli bekannt gegeben.

"aQuantive hat nicht funktioniert"

Nachhaltigen Schaden für Microsoft erwartet der Analyst Colin Gillis von der Gesellschaft BGP Financial Partners trotz allem nicht. Der Enthusiasmus der Investoren angesichts der bevorstehenden Veröffentlichung von Windows 8 werde dadurch nicht gedämpft, sagte er. Das Betriebssystem bringe dem Konzern auch bei zunehmender Bedeutung des Online-Geschäfts weiter die größten Einnahmen.

Die Veröffentlichung von Windows 8 wird noch in diesem Herbst erwartet und könnte den Verkauf von PCs ankurbeln und Microsoft zugleich als wichtigen Player im Tablet-Markt etablieren. "aQuantive hat nicht funktioniert, aber das hat im Grunde bereits jeder gewusst", sagte Gillis. "Jetzt müssen sie eben aufräumen."