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Wirtschaft

Microsoft kauft Karrierenetzwerk LinkedIn

Neuer Mega-Deal in der IT-Branche: Microsoft übernimmt für 26,2 Milliarden Dollar das Online-Karrierenetzwerk LinkedIn. Der US-Technologieriese will seinen bisher größten Deal mit Bargeld stemmen.

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Microsoft übernimmt LinkedIn

Geplant ist, den Deal noch in diesem Jahr über die Bühne zu bringen. "Zusammen können wir das Wachstum von LinkedIn beschleunigen", sagte Microsoft-Chef Satya Nadella am Montag. Er sieht auch Potenzial für die Verbindung von Microsofts Cloud- und Office-Diensten mit dem Internet-Netzwerk. LinkedIn-Chairman Reid Hoffman betonte: "LinkedIn wird heute noch einmal neu gegründet." Microsoft bietet 196 Dollar je LinkedIn-Aktie - ein ungewöhnlich hoher Aufschlag von 49,5 Prozent auf den Schlusskurs von Freitag.

LinkedIn soll eine eigene, unabhängige Marke bleiben und Unternehmenschef Jeff Weiner seinen Posten behalten, wie der weltgrößte Softwarekonzern mitteilte. Das Management will den Kauf über eine höhere Verschuldung finanzieren. Während die LinkedIn-Aktie um 47 Prozent auf 193,35 Dollar in die Höhe schnellte, verloren Microsoft-Papiere 2,7 Prozent auf rund 50 Dollar. Bei Microsoft spiegelt sich darin der hohe Kaufpreis und die zuletzt schwache Bilanz mit Firmenkäufen wider. Der deutsche LinkedIn-Rivale Xing legte um etwa sieben Prozent zu.

Wenig Glück mit Zukäufen

2014 hatte Microsoft die Handy-Sparte von Nokia übernommen, um im boomenden Geschäft mit Smartphones mitzumischen. Der Kauf entpuppte sich jedoch schon bald als Fiasko, weil Apple und Samsung zu dominant waren. Allein auf diese Sparte verbuchte der Konzern 2015 Abschreibungen von 7,5 Milliarden Dollar - mehr als der Kaufpreis von 7,2 Milliarden. Zudem wurden im vergangenen Jahr 7800 Jobs gestrichen.

"Ich hatte schon immer große Bewunderung für LinkedIn", sagte Nadella in einem Video auf der Microsoft-Internetseite. "Ich habe mit Reid und Jeff seit einiger Zeit geredet." Es sei fantastisch, dass man nun zusammengekommen sei. "Aber ich habe schon seit langem darüber nachgedacht." Microsoft signalisierte, die Bezahlangebote von LinkedIn zu verstärken und mehr gezielte Werbung einzusetzen.

LinkedIn startete 2002 im Wohnzimmer von Mitgründer Hoffman, offiziell ging der Dienst am 5. Mai 2003 an den Start. Nach einem Monat hatte das Netzwerk bereits 4.500 Mitglieder, heute sind es rund 433 Millionen, davon etwa acht Millionen im deutschsprachigen Raum. Der Konzern mit Hauptsitz im kalifornischen Mountain View beschäftigt rund 9.700 Vollzeitmitarbeiter. Nutzer können in dem Netzwerk berufliche Kontakte pflegen und neue knüpfen. Firmen nutzen den Dienst auch für die Suche nach geeignetem Personal.

Hoher Kaufpreis gerechtfertigt?

Branchenbeobachter wie Ivan Feinseth zeigten Verständnis für den hohen Kaufpreis von LinkedIn. "Es ist eine erstklassige Firma und verdient eine erstklassige Bewertung", sagte der Analyst vom Finanzdienstleister Tigress Financial Partners. Im vergangenen Jahr kostete die Aktie des Unternehmens noch mehr als 270 Dollar.

Als LinkedIn im Frühjahr 2003 an den Start ging, waren weder Facebook noch MySpace online, und die Ära der Online-Netzwerke stand mit Diensten wie Friendster noch ganz am Anfang. Die Grundidee war gleich: Man legt als Nutzer Profile an, in denen man sich präsentiert - nur eben dass es bei LinkedIn um berufliche Informationen ging. Gründer Reid Hoffman erkannte, wie damit Geld zu machen ist: Die Daten der Mitglieder werden ausgewertet, damit Firmen damit den richtigen Kandidaten für offene Stellen finden können.

Im vergangenen Quartal steigerte LinkedIn den Umsatz um 35 Prozent auf 861 Millionen Dollar. Dabei wuchsen die Erlöse im wichtigsten Geschäft - Dienstleistungen für Unternehmen, die Mitarbeiter anwerben wollen - um 41 Prozent auf 558 Millionen Dollar. Unterm Strich gab es einen Verlust von 45,8 Millionen Dollar - das war aber besser als von Wall-Street-Analysten erwartet.

Wen/sti (rtrd)

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