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Filme

Michelangelo Antonioni ist tot

Am Montag starb der große Meister des italienischen Nachkriegsfilm im Alter von 94 Jahren in Rom - Antonioni war einer der größten und eigenwilligsten Regisseure der Nachkriegszeit.

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Seine bevorzugte Tageszeit war die Dämmerung, seine Themen hießen Einsamkeit, innere Leere und Entfremdung. Bei den Filmfestspielen von Venedig wurde Michelangelo Antonioni vor einigen Jahren noch einmal groß gefeiert, als Klassiker der Moderne und legendäre Figur der Kinokunst. Italiens Meisterregisseur wirkte damals schon hinfällig und von schwerer Krankheit gezeichnet. Am Montag (31.7.07) starb der große Filmemacher im Alter von 94 Jahren.

"Regisseur für wenige"

Antonioni war einer der bekanntesten Filmemacher Italiens. Zu den Hauptwerken in den sechs Jahrzehnten seiner Karriere zählten der Oscar-nominierte Film "Blow-up" und der Streifen "Die mit der Liebe spielen". Antonioni gelangte in den 1960er und frühen 70er-Jahren mit einer Reihe avantgardistischer Produktionen zu Ruhm. "Regisseur für wenige", nannte er sich einmal selbst, als "Analytiker der Seele" feierten ihn Kritiker. Dem breiten Publikum wurde der Italiener aus Ferrara vor allem durch den Thriller "Blow up" bekannt.

Geboren 1912 als Sohn eines Gutsbesitzers in Ferrara, hatte die Landschaft der Po-Ebene prägende Kraft: Der häufige Nebel, das milchige Licht, das die Konturen aufweicht und vieles zerfließen lässt, faszinierten Antonioni. Seine Arbeiten durchziehen eine seltsame Mischung aus Geheimnis, Erotik und Gesellschaftskritik, Antonioni selbst nannte sich einmal einen "marxistischen Intellektuellen".

Italien Filmregisseur Michelangelo Antonioni gestorben Filmszene Blow Up

"Blow Up" 1967: David Hemmings und Veruschka von Lehndorff

Sein größter Erfolg "Blow Up" mit David Hemmings und Vanessa Redgrave passt vordergründig gar nicht zu Antonioni: Der Film spielt im "Swinging London" der Popkultur, filmisch ist er eher konventionell, und auf den ersten Blick handelt es sich vornehmlich um eine spannende Geschichte: Ein junger Fotograf hat den schrecklichen Verdacht, durch Zufall einen Mord aufgenommen zu haben. Doch je mehr er dem Fall nachgeht, desto geheimnisvoller wird es: Beweise verschwinden, die ganze Sache verflüchtigt sich - die Schluss-Szene ist ein Tennisspiel ohne Ball. Am Ende fragt sich der Zuschauer, ob nicht alles Illusion war - typisch Antonioni. 1967 bekam "Blow up" die Goldene Palme in Cannes, der Streifen wurde zum Kultfilm der Popkultur.

"Krankheit der Gefühle"

Seit seinem Schlaganfall Mitte der 80er-Jahre konnte Antonioni nicht mehr sprechen. Er war an einen Rollstuhl gefesselt und konnte nur noch mühsam mit der linken Hand kommunizieren. Trotzdem führte er 1995 nochmals Regie, "Jenseits der Wolken" hieß der Episodenfilm, Wim Wenders half dem alten Mann dabei. "Ein Film über die Sehnsucht nach Liebe, über das, was alle wollen und nicht finden", ließ der Maestro mitteilen. 1995 wurde er in Hollywood mit einem Ehren-Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Sein letzter Streifen hieß "Eros", das war 2004, und wieder ging es um eine zerrüttete Beziehung, ein Paar im mittleren Alter, der Mann geht mit einer Jüngeren fremd. "Ich habe immer dieselben Filme gemacht", bekannte der publikumsscheue Antonioni später einmal. "Krankheit der Gefühle", nannte er sein Thema. (sams)

Symbolbild Film Festival roter Teppich

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