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Welt

Michael Otto: "Klimaschutz ist machbar"

Er führt den größten Versandhandels-Konzern der Welt und setzt sich seit 30 Jahren für den Umweltschutz ein: Michael Otto. Im Gespräch mit DW-WORLD.DE erläutert der Unternehmer seine Erwartungen an die Klimapolitik.

Michael Otto (Foto: dpa)

Michael Otto

DW-WORLD.DE: Wie ist der Klimawandel aufzuhalten?

Michael Otto: Es ist wichtig, die Klimaerwärmung langfristig auf zwei Grad zu begrenzen. Sonst kommt es zu Entwicklungen, die nicht mehr beherrschbar sind. Das bedeutet, dass wir uns sehr viel ehrgeizigere Klimaziele setzen müssen als bisher: Bis 2020 eine Kohlendioxid- Reduzierung um 40 Prozent und bis 2050 um 85 Prozent. Darüber hinaus müssen wir ein Programm aufsetzen, das an die Ziele des Klimagipfels in Kyoto anknüpft und konkrete Maßnahmen festlegt. Dazu müssen wir nicht nur die Industrienationen, sondern auch die Schwellenländer und die Entwicklungsländer mit ins Boot holen.

Ist verstärkter Klimaschutz in Krisenzeiten politisch durchsetzbar?

Ich meine schon. Dass wir im Hinblick auf unsere Umwelt und unser Klima wirklich nachhaltig wirtschaften müssen, bestreitet niemand mehr.

Sind die Klimaziele nicht zu allgemein und unverbindlich formuliert?

Es ist richtig, dass Maßnahmen, die sich auf die Zukunft beziehen, grundsätzlich nur sehr schwer konkret zu fassen und der Öffentlichkeit zu vermitteln sind. Aber das Bewusstsein der Menschen weltweit in Bezug auf den Klimawandel hat sich deutlich verändert. Fast alle wissen, dass Klimaveränderungen außerordentlich negative Auswirkungen auf die einzelnen Länder und damit auch auf jeden Einzelnen haben. Hier wird deutlich mehr Druck auf Regierungen ausgeübt als früher. Das hat auch die Wirtschaft erkannt, aus der sehr viele Initiativen kommen. Die Frage bleibt, wie Klimaschutz finanziert werden kann. Wir brauchen die Verknüpfung bereits vorhandener, regionaler Emissionshandelssysteme zu einem globalen Emissionshandel. Dies ist ein Weg, um finanzielle Mittel für den Klimaschutz zu bekommen.

Die größten Energieverbraucher sind nach wie vor die USA und China. Wie können diese beiden Länder auf den richtigen Weg gebracht werden?

Es ist vollkommen richtig: Die USA und China haben den größten CO2-Ausstoß, knapp 40 Prozent der weltweiten Emissionen. Ohne diese beiden Nationen gibt es deshalb keine Lösung. In den USA hat Präsident Obama eine Trendwende im Klimaschutz eingeleitet. Er hat sich ganz klar dazu bekannt, dass Klimaschutzziele formuliert werden müssen. Man wird jetzt sehen müssen, inwieweit er diese Forderung innenpolitisch in den USA umsetzen kann, denn da gibt es sicherlich gewisse Grenzen. Zu China: Es wird viel zu wenig gesehen, wie viel die Chinesen heute schon tun und planen. Das Land investiert sehr stark in regenerative Energien und in die Verbesserung der Klimaeffizienz. Die Chinesen haben Pläne und Maßnahmen aufgelegt, um zum Beispiel in Wärmedämmung von Häusern zu investieren oder neue CO2-freie Städte zu entwickeln. China will bereits 2020 mit seinem CO2-Ausstoß unter dem des Jahres 2005 sein und nicht erst 2050, wie bisher geplant. Das ist beachtlich. Ein weiteres Ziel ist, den Anteil regenerativer Energien bis 2020 auf 15 Prozent zu steigern. Es ist wichtig, auch diese positiven Trends zu sehen.

Präsident Obama hat angekündigt, vor allem in die Forschung zu investieren und Anreize für Unternehmen zu schaffen, in erneuerbare Energien und Technik zu investieren. Ist das eine Gefahr oder eine Chance für deutsche Unternehmen?

Wenn die amerikanische Regierung 60 Milliarden für die Forschung und Entwicklung der regenerativen Energien bereitstellt, dann ist das natürlich ein Faktor, den wir ernst nehmen sollten. Wir sollten in Deutschland aufpassen, unseren Vorsprung in einigen Bereichen der Umwelttechnologie nicht zu verspielen. Ich verstehe diese Ankündigung aber auch als Anreiz für deutsche Ingenieure, in die Entwicklung zu gehen und noch innovativere Produkte zu entwickeln.

Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews, was Michael Otto von der deutschen Politik erwartet.

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