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Sonderermittlungen

Michael Flynn in Türkei-Komplott verstrickt?

Medienberichten zufolge soll die Türkei Trumps Ex-Sicherheitsberater einen Millionenbetrag angeboten haben, wenn er für die Auslieferung Fethullah Gülens sorgt. Je nach Lesart kann man es auch als Entführung verstehen.

Der US-Sonderermittler Robert Mueller geht nach Medienberichten dem Verdacht korrupter Absprachen zwischen der Türkei und dem früheren Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn (Artikelbild) nach. Das "Wall Street Journal" und der Sender NBC berichteten unter Berufung auf Quellen mit Kenntnissen über den internen Stand von Muellers Ermittlungen.

Der Sonderermittler untersucht schwerpunktmäßig, ob es Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland zur Beeinflussung der US-Präsidentschaftswahl gab. Den Medienberichten zufolge hat der Ermittler nun aber auch das mögliche Treffen Flynns mit türkischen Vertretern im Visier.

Darum geht es bei den Ermittlungen

Der konkrete Verdacht lautet: Hochrangige türkische Regierungsvertreter hätten Flynn bis zu 15 Millionen Dollar (12,9 Millionen Euro) zugesagt, wenn es durch sein Zutun zu einer Auslieferung des Predigers Fethullah Gülen an die Türkei komme. Ein entsprechendes Treffen soll im Dezember 2016 in New York stattgefunden haben - nach Donald Trumps Wahlsieg, aber vor seinem Amtsantritt. Wie die beiden US-Medien berichteten, soll dabei unter anderem die Frage zur Sprache gekommen sein, ob der Regierungskritiker Gülen heimlich in einem Privatjet aus den USA auf die türkische Gefängnisinsel Imrali ausgeflogen werden könnte. Unklar sei aber, wie detailliert die Beratungen waren und ob tatsächlich bereits Geld geflossen sei, betonten die US-Medien.

Ankara beschuldigt Gülen, Drahtzieher hinter dem gescheiterten Putschversuch vor eineinhalb Jahren gewesen zu sein. Der Geistliche lebt in Pennsylvania im Exil. Die Türkei hat wiederholt auf dessen Auslieferung gedrängt. US-Präsident Trump hatte nach seinem Amtsantritt im Januar Flynn zum Sicherheitsberater im Weißen Haus ernannt. Wenige Wochen später musste Flynn zurücktreten, weil er über vertrauliche Kontakte zum russischen Botschafter gelogen hatte.

USA Fethullah Gülen bei einer Pressekonferenz (picture-alliance/dpa/M. Smith)

Der türkische Staatsfeind Nummer eins: Fethullah Gülen bei einer Pressekonferenz vor einem Jahr (Archivbild)

Flynns Anwalt, Robert Kelner, bezeichnete den aktuellen Verdacht als falsch. Kelner teilte mit, die Vorwürfe, die von "Entführung bis Bestechlichkeit" reichten, seien so "ungeheuerlich und schädigend", dass er eine Ausnahme von der üblichen Regel mache, wonach er aufgrund laufender Ermittlungen nicht auf alle medialen "Gerüchte oder Anschuldigen" reagiere.

Türkischer Geschäftsmann zahlte für Recherchen

Es ist nicht das erste Mal, dass es um etwas​​​​​​​ undurchsichtige Verbindungen des ehemaligen Sicherheitsberaters​​​​​​​ zur Türkei geht. Erst nach seiner Entlassung wurde bekannt, dass Flynn in den letzten Monaten des Wahlkampfs für einen türkischen Geschäftsmann gearbeitet hatte, der ein Verbündeter des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ist. Flynns Beratungsunternehmen sollte nach Aussage des Auftraggebers, Ekim Alptekin, erarbeiten, wie Gülen die Atmosphäre zwischen der Türkei und den USA vergifte.

In der Zeitung "The Hill" veröffentlichte Flynn einen flammenden Gastbeitrag pro Türkei und kontra Gülen - genau am Wahltag. Erst nachdem die Beauftragung durch Alptekin bekannt wurde, ergänzte "The Hill" am Ende des Artikels, dass Flynns türkischer Auftraggeber das Meinungsstück - ohne Kenntnis der Zeitung - "gegengelesen" hatte.

ust/jj (afp, dpa, ap, NBC, The Hill, Washington Post)

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