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Kultur

Miami Beach im Kunstrausch

Die "Art Basel" verwandelte die Stadt der ewigen Sonne und des leichten Lebens in eine Kunstmetropole. Vor allem Deutsche Galeristen sorgten für Aufsehen. Gero Schließ war für die DW in Miami.

Am Anfang sind es die Deutschen, die für Schlagzeilen sorgen: Bereits am ersten Messetag vermeldet die "Art Basel Miami Beach", dass ein Werk von Anselm Kiefer für 1,1 Millionen Dollar verkauft wurde. Mit einem weiteren Verkaufserfolg in Millionenhöhe sorgt ein anderer Deutscher für Aufsehen: Es ist David Zwirner, einer der einflussreichsten Kunsthändler, der Galerien in London und New York betreibt, und der an diesem Tag eine Interviewanfrage der Deutschen Welle freundlich ablehnt, da er "mitten in Verkaufsgesprächen" sei. Wie man nun weiß, hatte der Mann wirklich zu tun.

Fünf Tage, bis zum 7. Dezember, lockt die Tochtermesse der "Art Basel" die Kunstwelt nach Florida. Die Stadt der ewigen Sonne und des leichten Lebens verwandelt sich dann in eine Kunstmetropole, wie es sie weltweit wohl kein zweites Mal gibt. Fast 270 Galerien aus aller Welt stellen in Miami zeitgenössische Werke und große Namen wie Warhol, Polke oder Kiefer im Wert von rund drei Milliarden Dollar aus. In ihrem 13. Jahr ist die "Art Basel Miami Beach" erfolgreicher denn je.

USA Kunstmesse Ausstellung Art Basel Kissing Coppers Banksy

Banksys "Kissing Coppers", verkauft für 575.000 US-Dollar auf der Art Basel

Eine Show für "beide Amerikas"

Doch es sind nicht nur die Zahlen, die beeindrucken: "Was diese Show so erfolgreich macht, ist auf der einen Seite, dass sie in Nordamerika verankert ist", sagt der Chef der "Art Basel", Marc Spiegler, im Gespräch mit der Deutschen Welle. Gleichzeitig sei sie auch in Lateinamerika zu Hause. "Es ist eine Show für die beiden Amerikas, für beide Kontinente zur gleichen Zeit." Eine "Scharniermesse" nennt dies der Berliner Galerist Michael Kewenig, denn man erreiche hier gleich zwei finanzstarke Kunstmärkte. Sie zieht nicht nur Geld an, sondern auch Filmstars wie Leonardo die Caprio, die sich zur Messezeit in Mercedes Stretch-Limousinen oder edlen Rolls Royce durch die hoffnungslos überfüllte Stadt kutschieren lassen - eine Stadt im Kunstrausch.

Kreativ-Standort und Hippie-Hochburg

Michael Kewenig ist seit der Geburtsstunde vor 13 Jahren dabei. Damals beschlossen die Macher der "Art Basel" mit der wohl weltweit wichtigsten Kunstmesse nach Miami zu gehen. Den vielen Kunstsammlern aus den USA und Lateinamerika kamen sie so in einem unternehmerisch spektakulären Schritt entgegen. "Warum bringen wir den Amerikanern nicht die europäische Kunst nach Amerika, und warum tun wir das nicht in Miami?", sei damals die schlichte Frage gewesen, erinnert sich Anemone Vostell, Kunstexpertin und Direktorin des Landesverbandes Berliner Galerien. Schließlich sei Miami ein Kreativstandort, der Stadtteil South Beach habe eine Geschichte als Hippie-Hochburg und ohnehin müsse man im Winter kaum einen überreden, nach Miami zu reisen.

Hartes Auswahlverfahren

Die "Art Basel Miami Beach" nimmt aber beileibe nicht jeden Galeristen, der dort hin will. Das Auswahlverfahren ist streng. Es geht dabei um Ertragskraft, künstlerische Attraktivität und kuratorische Qualität. Marc Spiegler spricht von einem "sehr kompetitiven Umfeld". Und er sieht es als Erfolg an, dass sich alle Galerien des Vorjahres wiederbeworben haben.

Wichtiger Markt für deutsche Galerien

Dabei sind die Kosten hoch. Wer aus Deutschland kommt, investiert im Durchschnitt mehr als 100.000 Euro, um hier anzureisen, einen Messestand zu bezahlen und Dinnereinladungen für Sammler zu bezahlen. Annette Kicken, deren Berliner Galerie sich auf die Geschichte der Fotografie in Deutschland konzentriert, hat das nicht abgeschreckt. Im Gegenteil: "Ohne den amerikanischen Markt hätte unsere Galerie in den ersten 20 Jahren nicht überleben können", sagt sie in ihrem kleinen Bilderkabinett auf dem Messestand. Das amerikanische Publikum sei "bereits seit den 70er Jahren aufgeschlossen für die Fotografie", Deutschland habe erst langsam nachgezogen. Auch ihr Düsseldorfer Kollege Hans Mayer hat gute Erfahrungen gemacht und "sehr viel nach Nord- und Südamerika verkauft". Er zeigt Werke amerikanischer Künstler in Miami und lobt, dass "sich die Aufgeschlossenheit des Publikums enorm entwickelt hat."

Amerikaner kaufen, weil es Spaß macht

Der amerikanische Markt sei ohnehin etwas unkomplizierter als der europäische, sagt Anemone Vostell. "Hier wird gekauft weils schön ist und weil es fun macht." In Europa müsse man viel erklären. Doch für Michael Kewenig stellen sich angesichts der unterschiedlichen Geschmäcker amerikanischer Sammler auch ästhethische Grenzfragen: "Hier geht es ums Glitzern in all seinen Facetten. Je farbenfroher, je lichtintensiver, je verheißungsvoller, desto besser." Er bedient diese Erwartungen mit Qualität, etwa mit Bildern und Installationen des vielseitigen französischen Künstlers Christian Boltanski. Kewenig und Meyer zählen zu den fast 30 deutschen Galeristen auf der Messe. "Die deutschen Galerien sind hier überrepräsentiert", sagt Messechef Marc Spiegler. "Aber das entspricht eben ihrer Marktposition. Sie haben im Rheinland, in Berlin und in Bayern sehr etablierte Galerien."

Deutsche Künstler haben exzellenten Ruf

Der derzeit exzellente Ruf Deutschlands in vielen Teilen der Welt hilft laut Michael Kewenig auch beim Kunstgeschäft: "Das Germanische hat immer noch seine Faszination. Ob es daherkommt in der Form von Anselm Kiefer oder neuerer Strukturen.“ Marc Spiegler bestätigt diese Einschätzung. Generationen von deutschen Künstlern hätten bereits bewiesen, dass sie in den USA verstanden und geschätzt würden. "Deutsche Künstler kommen in die US-Szene mit einer Art Vorschusslorbeeren. Die Leute erwarten Großes von ihnen. Dann allerdings müssen sie das auch unter Beweis stellen." Der Berliner Galerist Werner Tammen hat beispielsweise Anke Eilergerhard und Dietmar Brixy nach Miami mitgebracht. Beide äußern sich optimistisch. Man darf gespannt sein, wie das amerikanische Publikum auf Eilergerhards Silikonskulpturen und Brixys Malerei reagiert.

Art from Berlin

Werner Tammen und fünf weitere Berliner Galerien stellen in Miami nicht bei der "Art Basel", sondern bei der "Art Miami" aus, die just 25-jähriges Jubiläum feiert. Gemeinsam mit mehr als 20 sogenannten Satelliten-Messen findet die Art Miami zur gleichen Zeit wie die Art Basel statt und versucht möglichst viel von deren Glanz und Anziehungskraft zu profitieren. Die Berliner sind mit finanzieller Unterstützung des Senats in Miami. Anemone Vostell hat die Show als Direktorin des Landersverbandes Berliner Galerien zusammengestellt und griffig "Art from Berlin"genannt.

Das alles macht Miami Anfang Dezember zu einer ungemein lebendigen Kunstmetropole. Norman Braman, ehrenamtlicher Präsident der Messe und ein erfolgreicher Geschäftsmann, glaubt sogar, dass der Erfolg der Art Basel Miami völlig verändert hat: "Wir haben hier eine große Konzentration von privaten und öffentlichen Museen, das ist alles angeregt worden von der Präsenz der Art Basel." Beinahe jedes Jahr kommt ein neues Museum dazu. Auch diesmal wurde eine weiteres angekündigt. Und Braman hat dafür das Land gespendet - in bester Lage, versteht sich.

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