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Fußball

Mia san wieder mia

Bayern München gewinnt das DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund. Damit schließt der Deutsche Meister eine sehr gute Saison ab. In der 64. Minute trifft der Schiedsrichter allerdings eine Fehlentscheidung.

Man muss nach diesem Abend kein Bayern-Fan werden, aber der Auftritt des Deutschen Meisters in diesem Pokalfinale verdient Respekt. Das waren wieder die "alten" Bayern, die wir in der gerade zu Ende gegangenen Saison so oft gesehen haben - leidenschaftlich, kompromisslos. Mit Spielern, die sich ganz in den Dienst der Mannschaft gestellt haben. Was war da für ein Ruck durch die Mannschaft gegangen?

Die Bayern waren keineswegs als Favoriten zum Finale nach Berlin gefahren. Nach der frühzeitigen Meisterschaft ging von Spiel zu Spiel mehr Luft raus. Und beim 0:4 Debakel gegen Real Madrid in der Champions League rieb man sich verwundert die Augen. Das Werk Pep Guardiolas drohte schon zerstört zu werden. Kein Wunder, denn wo kann selbst ein ganz großer Trainer schneller unter die Räder geraten, als bei den Bayern. Was wurde da in der letzten Zeit schon alles geschrieben, auch wenn sich noch kein Kritiker so ganz aus der Deckung traute.

Dazu kamen vor diesem Pokalfinale personelle Sorgen mit den Ausfällen wichtiger Spieler wie Schweinsteiger, Thiago und Alaba. Und die überraschende Entscheidung des Trainers, seinen besten Stürmer Mario Mandzukic nicht mitzunehmen. Doch der Guardiola hat mit seinem taktischen Geniestreich der Dreierkette die Dortmunder ganz kalt erwischt - und alle Diskussionen über ihn und die Mannschaft weggefegt.

Erstaunliche Entwicklung von Robben

Der Mann des Abends aber war Arjen Robben, nicht nur wegen des entscheidenden ersten Tores. Der Niederländer rannte sich die Seele aus dem Körper. Selbst als seine Kollegen Thomas Müller und Toni Kroos schon mit Wadenkrämpfen zu tun hatten, lief das Uhrwerk weiter. Die einst launige Diva stellte sich ganz in den Dienst der Mannschaft und demonstrierte eindrucksvoll, wie perfekte Teamarbeit aussieht. Die Bayern sind nach dem Double mit Meisterschaft und Pokal nun wieder mit sich und der Welt versöhnt. Und Guardiola hat wieder mehr Ruhe, um die nächste Saison und sein erstes Triple anzugehen.

Bayerns Arjen Robben erzielt das 1:0 und wird zum Matchwinner im DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund. (Foto: Reuters)

Bayerns Arjen Robben erzielt das 1:0 und wird zum Matchwinner im DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund

Anders die Dortmunder: Sie brauchen sicher noch ein paar Tage, um nach dem verlorenen Champions-League-Finale letztes Jahr in London nun die nächste Final-Niederlage gegen die Bayern zu verdauen. Denn sie waren mit guter Laune und der Gewissheit nach Berlin gekommen, den zuletzt schwächelnden Konkurrenten bezwingen zu können. Die Borussen können aber trotzdem auf eine gute Saison zurückblicken. Sie haben ihre großen Personalsorgen durch viele Spielerausfälle gut kompensiert. Und wieder einmal hat Trainer Jürgen Klopp ganz junge Spieler wie Erik Durm an die erste Elf herangeführt und integriert und sogar für Bundestrainer Jogi Löw und die Nationalmannschaft interessant gemacht. Bleibe ihm das gute Händchen und die Auswahl junger Spieler auch angesichts des Weggangs von Robert Lewandowski erhalten.

Hat der Schiri Dortmund den Sieg geklaut?

Eine der wichtigen Fragen des Abends kann aber nicht beantwortet werden. Wie wäre das Spiel verlaufen, wenn Dortmund in der 64. Minute ein Tor bekommen hätte? Bayerns Dante, der mit dem Standbein auf der Torlinie steht, klärt den Kopfball von Mats Hummels mit weit nach hinten ausgestrecktem Bein. Dieser Ball war deutlich hinter der Linie. Das zeigen Video-Aufnahmen, die aber nur die Fernsehzuschauer sehen, nicht Schiedsrichter Florian Meyer und auch nicht dessen Assistent Frank Willenborg, trotz seiner guten Sicht auf die Szene.

Aber angesichts dieser Situation sollte der DFB den Einsatz der Torlinientechnik erneut überdenken. Zwar sprachen sich die meisten Bundesliga-Vereine erst kürzlich in einer Abstimmung dagegen aus - Bayern und Dortmund waren übrigens dafür - aber die kleinen Vereine entschieden sich vor allem aus finanziellen Gründen dagegen. Doch am Geld sollte es nicht scheitern, denn da könnte und sollte der DFB sicher helfend unter die Arme greifen. Oder aber zumindest erst einmal beim nächsten Final-Spiel diese Technik einsetzen.

Es ist ja schon eine bizarre Angelegenheit, dass jeder Fußball-Fan, der eine Übertragung im Fernsehen oder im Live-Stream sieht, einen besseren Überblick hat als der Schiedsrichter auf dem Spielfeld. Der Einzige, der in solchen Situationen über Sieg und Niederlage und letztendlich über Karriere, Macht, Prestige und Geld entscheidet. In anderen Sportarten wie beim Eishockey hat sich der Einsatz von Torlinientechnik schon seit Jahren international bewährt - auch in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), die nicht gerade im Geld schwimmt.

Wir fahren zur WM

Sieben Bayern- und sechs BVB-Spieler werden diesen Abend im Olympiastadion von Berlin ganz sicher schnell abhaken. In wenigen Tagen fahren sie gemeinsam ins Trainingslager nach Südtirol und dann schon bald zur WM nach Brasilien. Bis dahin sind hoffentlich die angeschlagenen Spieler wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Kroos wieder fit. Wir werden sie begleiten mit unseren Hoffnungen und Wünschen für eine erfolgreiche Weltmeisterschaft!

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