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Europa

MI5 hätte Londoner Anschläge vielleicht verhindern können

Bei einem Terror-Prozess in London haben sich Hinweise auf Fahndungsfehler des Geheimdienstes in Zusammenhang mit den Anschlägen vom Juli 2005 ergeben. Nun soll ein Untersuchungsausschuss die Vorwürfe klären.

Ein Londoner Bus nach dem Attenat vom 7.7.2005 (AP)

Ein Londoner Bus nach dem Attenat vom 7.7.2005

Ein Gericht in London hat am Montag (30.4.07) fünf Männer wegen der Planung von schweren Bombenanschlägen in Großbritannien zu lebenslanger Haft verurteilt. Zwei weitere Angeklagte wurden freigesprochen. Alle sieben Angeklagten hatten auf nicht schuldig plädiert und den Vorwurf einer terroristischen Verschwörung zur Ermordung hunderter Menschen zurückgewiesen.

Die Planungen für Anschläge, unter anderem auf einen Nachtklub in London, ein Einkaufszentrum in Kent und Verteilzentren für Strom und Gas, betrieb die Gruppe den Ermittlungen zufolge zwischen Januar 2003 und März 2004. Es soll eine Verbindung zum Terrornetzwerk El Kaida Netzwerk von Osama bin Laden gegeben haben. Der 25-jährige Hauptangeklagte Omar Khyam und ein Komplize wurden unter anderem für schuldig befunden, im Besitz von 600 Kilogramm chemischen Düngemitteln zum Bau von Sprengsätzen gewesen zu sein.

Düngemittel-Bomber kannten Juli-Attentäter

Vor Gericht wurde bestätigt, dass zumindest zwei der jetzt Verurteilen Kontakte zu den späteren Selbstmordattentätern vom 7. Juli 2005 hatten, die 56 Menschen mit in den Tod rissen. Scotland Yard teilte mit, dass der Hauptangeklagte Khyam unter anderem in El-Kaida-Lagern in Pakistan Kontakt zu Mohammed Sidique Khan, dem späteren mutmaßlichen Anführer der Londoner Selbstmordanschläge, hatte. Daraufhin forderten Überlebende sowie Angehörige der Opfer am Montag eine unabhängige Untersuchung.

Die Forderungen fanden Gehör. Denn nun soll einem Bericht der BBC zufolge ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss klären, ob die Ermittler des MI5-Geheimdienstes Hinweise auf die späteren Juli-Attentäter, die sich durch die Verhöre der "Düngemittelbomber" ergaben, nicht genug beachtet haben. Fest steht bereits, dass zwei der späteren Juli-Attentäter im Zuge der Observierung der nun verurteilten Terroristen sogar bereits unter Beobachtung standen, wie die BBC berichtet.

Kritische Äußerungen des Innenministers

Bei einer konsequenteren Arbeit des Geheimdienstes wäre der Anschlag mit 52 Toten möglicherweise zu verhindern gewesen, führen die Kritiker nun ins Feld. Der MI5 ist sich laut BBC keiner Schuld bewusst. Man habe alles getan, was möglich gewesen sei, erklärte der Chef des Geheimdienstes.

Das aktuelle Verfahren war der größte Terrorprozess Großbritanniens (AP)

Das aktuelle Verfahren war der größte Terrorprozess Großbritanniens

Innenminister John Reid warnte, dass im Kampf gegen den Terrorismus "100- prozentiger Einsatz nicht immer auch 100-prozentigen Erfolg garantiert". Diese Äußerung wurde von britischen Medien als Anspielung auf Vorwürfe gewertet, wonach die Sicherheitsorgane nicht genug unternommen hätten, um die Anschläge 2005 zu verhindern.

Prozess kostete 73 Millionen Euro

Die nun verurteilten pakistanischstämmigen Briten muslimischen Glaubens waren am 30. März 2004 festgenommen worden. Ihr Prozess, der am 21. März 2006 vor dem Strafgericht Old Bailey begonnen hatte, war das längste und kostspieligste Verfahren gegen Terrorverdächtige in Großbritannien.

Die Jury beriet sechs Wochen lang, um zu ihrem Schuldspruch zu kommen. Die Kosten des Prozesses werden auf etwa 50 Milllionen Pfund (73 Millionen Euro) geschätzt. (tos)

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