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Wirtschaft

Mexikos rosige Zukunft

Mexiko hat zum 10. Weltwirtschaftsforum in Lateinamerika geladen. Es gibt genügend zu bereden, denn die Region hat schon bessere Zeiten gesehen. Aus Cancun berichtet Manuela Kasper-Claridge.

Er kommt mit Schweißperlen auf der Stirn. Eben hat er noch Mexikos Präsident Pena Nieto zu seiner Rede gratuliert, jetzt sitzt er selbst auf einem Panel: Ildefonso Guajardo Villareal, Wirtschaftsminister Mexikos. Er ist ein gefragter Mann auf dem Weltwirtschaftsforum zu Lateinamerika. Über 750 Teilnehmer aus mehr als 45 Ländern sind nach Cancun gekommen, um über die wirtschaftliche Lage der Region zu diskutieren. Es ist das zehnte Regionaltreffen zu Lateinamerika, veranstaltet vom Weltwirtschaftsforum WEF aus Genf, und bereits das dritte Treffen dieser Art in Mexiko - dieses Mal aber mit einer Rekordbeteiligung.

Ildefonso Guajardo Villareal, Wirtschaftsminister Mexikos, im DW-Interview (Foto: DW/Michael Wetzel)

Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo Villareal

Ein zufriedener Wirtschaftsminister

Bei 30 Grad Außentemperatur an der Karibikküste und eiskalten Innenräumen nutzt Villareal jede Gelegenheit, um für sein Land zu werben. Die internationale Aufmerksamkeit ist ihm sicher. Seite an Seite mit seinem Präsidenten schwärmt er von den Möglichkeiten, die Mexiko biete. Im Interview mit der DW verweist er auf den Reformprozess in seinem Land: "Die Reformen haben bereits einen Effekt. Um Ihnen einen Beispiel zu geben: in den ersten drei Monaten dieses Jahres sind die Preise für Elektrizität im Industriesektor zwischen 16 und 26 Prozent gefallen. Können Sie sich vorstellen, was das für die Wettbewerbsfähigkeit und für die Produktion im Industriesektor bedeutet?"

Tatsächlich wurde der bisher streng kontrollierte Energiesektor für den Wettbewerb geöffnet und das staatliche Erdölmonopol gekippt. So will man die Wettbewerbsfähigkeit des Landes steigern: "Bei uns kostet Gas nur ein Drittel von dem, was es in Europa oder in Asien kostet", betont Villareal, "das gibt uns einen Wettbewerbsvorteil und Wachstumschancen für die Produktion".

Nicht jeder ist so positiv gestimmt wie der Wirtschaftsminister. Der Reformprozess Mexikos sei viel zu langsam, hört man beim Treffen in Cancun immer wieder. Das Land bleibe unter seinen Möglichkeiten. Und drei Prozent Wirtschaftswachstum in diesem Jahr seien nicht genug, um die noch immer gewaltigen Einkommensunterschiede in den Griff zu bekommen.

Ölplattform von British Petroleum im Golf von Mexiko (Foto: dpa)

Bohrinsel im Golf von Mexiko: Billige Energie als Standortvorteil

Mit High Tech in die Zukunft

Tatsächlich sind viele Mexikaner enttäuscht. Die Regierung des jungenhaften Präsidenten Pena Nieto sieht sich Korruptionsvorwürfen ausgesetzt. Das Verschwinden von 43 Studenten in der Stadt Iguala hatte im vergangenen Herbst eine Staatskrise ausgelöst.

Miguel Marshall ist 28 Jahre alt und arbeitet in der Zwei- Millionen Stadt Tijuana. Sein Spezialgebiet sind Technologiethemen. In Tijuana hat er einen Inkubator, eine Art Brutkasten für junge Unternehmen gegründet. Mexiko dürfe sich nicht mehr als Billiglohnland für simple Produkte verkaufen, sagt er. Die Zukunft liege in einer vernünftigen High-Tech-Strategie.

Marshall setzt auf die Nähe zu den USA: "Es dauert nur zehn Minuten im Auto von Tijuana nach San Diego oder zwei Stunden Fahrtzeit nach Los Angeles. In San Franzisko ist man mit dem Flugzeug in zweieinhalb Stunden", rechnet er vor und sieht in seinem Land schon ein zweites Silicon Valley. Gut ausgebildete Programmierer gebe es genug und die würden durchschnittlich nur 30.000 US Dollar verdienen. In Kalifornien liege der Durchschnittsverdienst eines Programmierers dagegen bei mindestens 100.000 Dollar.

Netzwerke der Jungen

Der Jungunternehmer ist Gast des Weltwirtschaftsforums in Cancun. Er gehört zum Netzwerk der Global Shapers, das vom WEF in Genf beraten wird. Mitglieder sind die unter Dreißigjährigen, die in ihren Ländern gesellschaftlich, wirtschaftlich oder politisch mitarbeiten wollen. Weltweit sind das über 3000 junge Menschen und allein in Mexiko gibt es sechs als "Hubs" bezeichnete lokale Gruppen. Marshall ist in Tijuana aktiv, ebenso wie einige Künstler, ein Chefkoch und weitere Jungunternehmer. Politisch will sich der 28-jährige nicht äußern. "Lassen Sie uns lieber über die wirtschaftliche Entwicklung reden", sagt er. Das Treffen in Cancun nutzt er für Kontakte. Er hat bereits mit einem amerikanischen Kongressabgeordneten gesprochen und mit zahlreichen Wirtschaftsvertretern.

Mexikos Präsident Pena Nieto während es 10. Weltwirtschaftsforums zu Lateinamerika in Cancun am 07. Mai 2015 (Foto: DW/Michael Wetzel)

Mexikos Präsident Pena Nieto

Jetzt steht Marshall vor dem Plenarsaal, in dem eben noch der mexikanische Präsident zu den internationalen Teilnehmern geredet hat. Pena Nieto malte eine rosige Zukunft seines Landes und der gesamten Region. Lateinamerika sei schließlich einer der Wachstumsmotoren der Weltwirtschaft.

Auf die Frage, ob die Stimmung auf dem Treffen nicht allzu optimistisch sei, antwortet Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo Villareal mit Zahlen: "Ausländische Investoren kommen immer stärker nach Mexiko. 1994 betrugen die Investitionen in unserem Land nur 1,5 Milliarden Dollar, 2012 waren es 20 Milliarden Dollar und in den letzten beiden Jahren unter Präsident Pina Neto waren es durchschnittlich 33 Milliarden Dollar", verkündet er stolz im Gespräch mit der Deutschen Welle. Dann eilt er zum nächsten Termin.

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