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Amerika

Mexikos Bischöfe schlagen Alarm

Hilferuf vom heiligen Altar: Der Krieg der Kartelle in Mexiko verschont auch die katholische Kirche nicht. Unter Geistlichen gilt das Land als gefährlich. Die Kirche wirft dem Staat vor, der Gewalt untätig zuzuschauen.

"Es reicht! Wir wollen kein Blut mehr, keine Toten, keine Verschwundenen. Wir wollen keinen Schmerz und keine Vergeltung", heißt es in einer Botschaft der mexikanischen Bischofskonferenz vom 12. November. "Als Mexikaner leiden wir mit den Familien, deren Söhne in Iguala tot aufgefunden wurden oder verschwunden sind, und die die Liste der Opfer des Drogenkrieges in diesem Land weiter anschwellen lassen".

Aufschreie des katholischen Klerus gehören mittlerweile zum mexikanischen Alltag, genau wie die Opfer des

Drogenkriegs

. Bereits im März 2009 wandten sich sechs Bischöfe aus dem nördlichen mexikanischen Bundesstaat Chihuahua in einem in der einheimischen Presse veröffentlichten Aufruf an die lokale Mafia: "Wir können es nicht dulden, dass unser Land weiter mit Blut befleckt wird. Wir flehen Euch an und schreien zu Euch, mit dem Herzen eines Hirten, tut Buße und kehrt um!"

Mein Nachbar, der Drogenboss

Einen Monat später, im April 2009, sorgte der damalige Erzbischof von Durango, Héctor González Martinéz mit einer spektakulären Enthüllung für einen Eklat. In einem Interview mit der mexikanischen Presse enthüllte er den Aufenthaltsort des gesuchten Drogenbosses Joaquín Guzmán. Auf den Anführer des gefürchteten Sinaloa-Kartells (siehe Karte) war damals eine Belohnung von sieben Millionen US-Dollar ausgesetzt.

"El Chapo war mein Nachbar, alle wussten es, bis auf die Behörden, die ihn festnehmen sollten", erklärte damals Martinéz. Während seine Enthüllungen bei den mexikanischen Behörden und auch bei seinen Amtsbrüdern ignoriert wurden, reagierte das Sinaloa-Kartell prompt. In der Nähe des angeblichen Verstecks von "El Chapo" in dem Dorf Guanacevi tauchten die Leichen von zwei Soldaten auf. Auf den von Kugeln durchlöcherten Körpern fand sich ein Zettel mit einer eindeutigen Botschaft: "Weder die Kirche noch die Regierung können El Chapo etwas anhaben".

Auch Bischöfe müssen zahlen

Nach Angaben des katholischen Multimedia-Zentrums CCM sind seit 2006 im Drogenkrieg 28 Geistliche und drei Gemeindevorsteher ermordet worden. Drei weitere Priester wurden entführt und konnten lebend befreit werden. Auch Schutzgelder kassiere die Drogenmafia von den Gottesmännern ab.

Die Festnahme von Drogenboss "El Chapo" ließ noch drei Jahre auf sich warten. Er wurde am 22. Februar 2014 in der mexikanischen Küstenstadt Mazatlan verhaftet. Doch die Sicherheit der mexikanischen Kirchenmänner hat sich dadurch nicht verbessert.

Mexiko Festnahme Drogenkönig Joaquin Guzman Loera (Foto: REUTERS/ Henry Romero)

Ende einer Karriere: Drogenboss Joaquín Guzman bei seiner Festnahme im Februar 2014

"Die wachsende Welle der Gewalt zeigt, dass Priester und Pastoralreferenten besonderen Gefahren ausgesetzt sind, denn keine staatlichen Behörde schützt sie gegen Angriffe, insbesondere in den vom organisierten Verbrechen dominierten gefährlichen Regionen", heißt es in dem Bericht des CCM.

"Es ist nicht das erste Mal, dass die Kirchenhierarchie die zunehmende Gewalt in Mexiko kritisiert, doch sie tut es ernsthafter als erwartet", kommentiert der bekannte mexikanische Religionssoziologe Bernardo Barranco auf dem Webportal "La otra opinion" (Die andere Meinung). Es sei auffällig, dass die mexikanische Bischofskonferenz trotz ihres guten Verhältnisses zu Staatspräsident Enrique Peña Nieto ihre gefällige Haltung gegen eine kritische Position eingetauscht habe.

Franziskus plant Besuch in Mexiko

Der Grund für den Kurswechsel liegt nach Ansicht von Barranco beim Papst. Franziskus habe die katholische Kirche in Mexiko aus ihrer Komfortzone herausgeholt und die Bischöfe dazu gebracht, eine größere soziale Sensibilität an den Tag zu legen. "Die Frage bleibt: Ist das ein echter Wandel oder nur ein Tanz im neuen Takt des Vatikan?", fragt Barranco in seiner Kolumne.

Im Mai dieses Jahres hatte Papst Franziskus den mexikanischen Episkopat bei einem Besuch im Vatikan auf den neuen Kurs eingeschworen. Er kündigte bei der Gelegenheit an, 2015 nach Mexiko und in die USA reisen zu wollen. Ein Schwerpunkt der Reise sollen Begegnungen mit Flüchtlingen in beiden Ländern sein. Der Papst will deshalb im Norden Mexikos einen Teil der Grenze zu den USA abfahren.

Die katholische Kirchenhierarchie in Mexiko war zu Beginn des Jahrtausends von dem Pädophilie-Skandal des Ordensgründers der Legionäre Christi, Marcial Maciel, erschüttert worden. Maciel wurde jahrelanger sexueller Missbrauch von Seminaristen nachgewiesen.

Marcial Maciel (dpa)

Der Gründer des extrem konservativen Ordens Legionäre Christi, Marcial Maciel, starb 2008

Der Skandal hatte den Mitgliederschwund der katholischen Kirche weiter verschärft. Nach Angaben des mexikanischen Statistikamtes "Instituto Nacional de Geografia y Estadística" bekannten sich bei der letzten Volksbefragung im Jahre 2010 rund 83 Prozent aller Mexikaner zum Katholizismus. Im Jahr 2000 waren es noch 88 Prozent.

"Es ist paradox", schreibt die spanische Zeitung "El País". Während die Autorität des Klerus und der Kirchenhierarchie von Pädophilie-Skandalen erschüttert ist, zeigt sich der volksnahe populäre Katholizismus weiterhin lebendig und dynamisch".

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