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Amerika

Mexiko will einen Imagewandel

Mexiko ist in diesem Jahr das Partnerland der ITB Berlin. Und das kommt der Regierung sehr gelegen, denn Mexiko versucht sein Image als unsicheres Reiseland aufzupolieren und weitere Märkte zu erschließen.

Wirtschaftskrise, Drogenkriminalität und Schweinegrippe haben der Tourismusbranche in Mexiko in der Vergangenheit immer wieder zugesetzt. Dabei stellt der Tourismus mit zwölf Prozent der Gesamtwirtschaft die drittwichtigste Einnahmequelle des Landes dar, nach der Ölindustrie und den Überweisungen mexikanischer Arbeitskräfte im Ausland. Um den Sektor weiter anzukurbeln, kündigte die mexikanische Regierung 2013 ehrgeizige Reformen an.

Auf der diesjährigen Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin, die vom 5. bis 9. März stattfindet, will Mexiko als offizielles Gastland versuchen, sein Image als Reiseland aufzupolieren. Denn in den vergangenen Jahren gelangte das lateinamerikanische Land vor allem durch seinen militarisierten Kampf gegen das organisierte Verbrechen in die Schlagzeilen.

Einer der gefährlichsten Orte der Welt?

Festnahme von Drogenkönig Joaquin Guzman Loera (Foto: Reuters)

Der Kampf gegen Drogenbosse prägt Mexikos Image

Auch wenn dieses Negativimage dem Tourismus im Norden des Landes und im Badeort Acapulco schade, sagt Francisco Madrid Flores, Direktor der Tourismusschule an der Universität Anáhuac im Bundesstaat Mexiko, würden dennoch mehrere Millionen Menschen jährlich das Land ungefährdet bereisen. Etablierte Touristenziele wie die Karibik und der Süden der Halbinsel Baja California seien besonders beliebt - auch, weil sie weitgehend von der Kriminalität verschont blieben.

Die Karibik ist auch bei deutschen Touristen ein häufig gebuchtes Reiseziel, bestätigt Sibylle Zeuch, Pressesprecherin des Deutschen Reiseverbandes. In den vergangenen fünf Jahren sei die Zahl deutscher Touristen in Mexiko um mehr als 25 Prozent gestiegen. 2013 hätten schätzungsweise 200.000 Bundesbürger dieses Land als Ferienort gewählt. "Der deutsche Markt ist ohne Zweifel wichtig für Mexiko, könnte aber angesichts der Tatsache, dass er einer der größten der Welt ist, noch eine viel größere Rolle spielen", bemerkt Madrid Flores, Mitglied der Welttourismusorganisation.

Mehr als Strand und Sonne

Über die Hälfte der ausländischen Touristen in Mexiko kommen allerdings aus den USA und Kanada. Wichtige Märkte seien außerdem Großbritannien, Spanien und andere lateinamerikanische Länder wie Brasilien, Peru und Kolumbien sowie Japan und Korea, sagte Tourismuministerin Claudia Ruiz Massieu im Vorfeld der ITB. Auch Russland habe stark zugelegt. 80 Prozent aller Touristen in Mexiko seien aber immer noch Mexikaner.

Strand in der Karibik in Mexiko (Foto: Getty Images)

Die Karibik ist besonders bei Deutschen beliebt

Neben dem klassischen Badeurlaub setzt der Tourismussektor jetzt verstärkt auf Kultur-, Öko- und Abenteuertourismus sowie Sport-, Luxus- und Medizintourismus. Im Medizintourismus hat sich Mexiko bereits erfolgreich etablieren können. Während 64 Prozent der arbeitenden Bevölkerung des Landes keinen Zugang zum Gesundheitssystem haben, belegt Mexiko weltweit mittlerweile den zweiten Platz im medizinischen Tourismus. Dank fortschrittlicher Technologie, einem hochwertigen Service und vor allem niedriger Kosten reisen jährlich etwa eine Million Menschen in das lateinamerikanische Land, um sich einer ärztlichen oder schönheitschirurgischen Behandlung zu unterziehen.

Potenzial nicht ausgeschöpft

In Sachen Ökotourismus ist Mexiko zwar nicht untätig geblieben. Der Verein "Grupo Ecologico Sierra Gorda (GESG)" zum Beispiel hat unter aktiver Beteiligung der einheimischen Bevölkerung ein nachhaltiges Tourismuskonzept entwickelt, das in der Bergregion im Bundesstaat Querétaro alternative Einnahmequellen schafft.

So konnte zudem der meist illegale Holzschlag in dem Biosphärenreservat in weiten Teilen eingestellt werden. Insgesamt bezeichnet Tourismusforscherin und Autorin Astrid Koesterke den ökologisch und sozial nachhaltigen Tourismus in Mexiko jedoch eher als "Nische". Eine große Herausforderung sei es außerdem, den Massentourismus nachhaltiger zu gestalten.

Das Tourismus-Potenzial des lateinamerikanischen Landes ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Es beherbergt 31 Weltkulturerbe-Stätten und über 44.000 archäologische Stätten. Madrid Flores erklärt, dass der Erhalt des enormen Kulturguts leider nicht immer einfach sei, da häufig die Gelder dafür fehlten. Langfristig müsse das Land nicht nur seine Reiseangebote diversifizieren und ein nachhaltiges Modell als Urlaubsland schaffen, sondern auch mehr Touristenziele erschließen. Auch müsse es seine Stellung auf dem europäischen Markt konsolidieren und Zugang zu den Märkten in Asien und Russland erlangen.

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