Mexiko versinkt in Mord und Totschlag: Rekord im Oktober | Aktuell Amerika | DW | 22.11.2017
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Kriminalität

Mexiko versinkt in Mord und Totschlag: Rekord im Oktober

Die Sicherheitslage in Mexiko wird immer schlimmer. Im Oktober wurden dem Innenministerium zufolge im Land 2731 Morde begangen, so viele wie noch nie. Sicherheitsexperten werfen den Behörden Verantwortungslosigkeit vor.

Mexiko Mord in Chilpancingo (Reuters/H. Romero)

Ein Ermordeter in der Mexikanischen Stadt Chilpancingo am 15. November

Statistisch gesehen wird in Mexiko jede Viertelstunde ein Mensch getötet. Mit 2.371 Morden ist der vergangene Monat der blutigste seit Beginn der Erhebung vor 20 Jahren, das teilte jetzt das mexikanische Innenministerium mit. Im laufenden Jahr wurden demnach 20.878 Menschen ermordet, was es somit schon jetzt zum brutalsten der letzten zwei Jahrzehnte macht - und es fehlen noch zwei Monate. Mehr als 30.000 weitere Menschen gelten als vermisst. Zum Vergleich: In Deutschland gab es 2016 insgesamt 876 Mordopfer.

In den vergangenen Monaten hatten Festnahmen und Tötungen von Bandenchefs blutige Machtkämpfe innerhalb der Verbrecherkartelle entfacht. Außerdem konkurrieren immer mehr kleinere Banden um Geschäftsanteile und Einflusszonen im mexikanischen Drogenhandel. Neben dem sind sie oft auch in Schutzgelderpressung, Menschenhandel und Benzindiebstahl verwickelt.

Präsident der mexikanischen Menschenrechtskommission tot

Das jüngste Gewaltopfer ist Silvestre de la Toba Camacho, Präsident der Menschenrechtskommission im nördlichen Bundesstaat Baja California. Sein Team hatte in den letzten Jahren versucht das Sinaloa-Kartell unter Kontrolle zu bringen, eines der größten in Mexiko. Er wurde Montagabend (Ortszeit) ermordet, als er mit seiner Familie in der Stadt La Paz in einem Geländewagen unterwegs war. Auch sein 20-jähriger Sohn wurde erschossen. Seine Frau und seine Tochter kamen verletzt in ein Krankenhaus.

Die Bevölkerung scheint enttäuscht über die Machtlosigkeit der Regierung unter Präsident Peña Nieto. "Anscheinend haben die Behörden den Kurs verloren", sagt Francisco Rivas, Leiter der auf Sicherheitsthemen spezialisierten Organisation Observatorio Nacional Ciudadano. "Es sieht fast so aus, als würden sie schon ihre Sachen zusammenpacken und gehen. Niemand übernimmt die Verantwortung". In einem halben Jahr wird in Mexiko gewählt, die ersten Präsidentschaftskandidaten bringen sich schon in Stellung. Jedoch nicht Peña Nieto, er kann nicht noch einmal antreten.

tcw/kle (dpa, epd)