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Wirtschaft

Mexiko reformiert Energiesektor

Nach Jahrzehnten können private Unternehmen wieder im zehntgrößten Erdölerzeugerland mitmischen. Mexikos Regierung erhofft sich davon einen Wachstumsschub. Zuletzt war die Produktion eingebrochen.

Auf Mexikos Energiesektor bricht 2015 eine neue Ära an. Fast 80 Jahre nach der Verstaatlichung der Ölindustrie öffnet sich die bislang stark regulierte Branche privaten Investoren aus dem Ausland. Erstmals können internationale Großkonzerne und hoch spezialisierte Dienstleister im zehntgrößten Erdöl-Erzeugerland wieder mitmischen. "Mexiko steht am Scheideweg", sagt Analyst Will Scargill von Global Data.

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Mit eineinhalb Jahren Vorlauf (13.08.2013)

Eine Liberalisierung des Sektors ist dringend nötig. Das massive Abschöpfen der Gewinne hat den staatlichen Energiekonzern Pemex langsam ausbluten lassen. Jahrzehntelang wurde kaum in moderne Technik investiert, bei anspruchsvollen Förderverfahren wie in der Tiefsee oder in Schiefergasvorkommen hinkt Pemex nun hinterher. Die tägliche Erdölförderung ging von 3,4 Millionen Barrel (159 Liter) im Jahr 2004 auf zuletzt 2,5 Millionen Barrel zurück.

Nun braucht Pemex frisches Geld und externes Know-how. Die ersten Verträge für Joint Ventures sollen im ersten Quartal 2015 ausgeschrieben werden. Es geht um 109 Felder für die Exploration und 60 für die Förderung. Das Energieministerium rechnet mit Investitionen von 50,5 Milliarden Dollar (41,2 Milliarden Euro) in den ersten vier Jahren.

Auch die Kriminalität ist ein Problem

Das Interesse der Investoren dürfte etwa von den Vertragsdetails und der Konjunktur abhängen. Wegen des jüngsten Einbruchs des Ölpreises sitzt das Geld in der Branche nicht gerade locker. Analysten sind dennoch optimistisch. "Viele Unternehmen haben positiv auf die Energiereform reagiert und es gibt ein großes Interesse an den Möglichkeiten, die sich auftun", sagt Analyst Scargill.

Neben möglicherweise ungünstigen Vertragsbedingungen könnte auch die schlechte Sicherheitslage abschreckend auf potenzielle Investoren wirken. Die für die Erdölproduktion wichtigen Bundesstaaten Tamaulipas und Veracruz am Golf von Mexiko zählen zu den gefährlichsten Regionen des Landes. Kriminelle Organisationen greifen immer wieder die Pipelines von Pemex an und stehlen Öl.

Bei der Liberalisierung des Energiesektors musste sich Präsident Enrique Peña Nieto gegen erhebliche Widerstände durchsetzen. Pemex ist der wichtigste Devisenbringer des Landes und Symbol nationaler Souveränität. Das Unternehmen erwirtschaftet über 30 Prozent der mexikanischen Staatseinnahmen.

Hoffen auf den "Multiplikator-Effekt"

Gegner der Reform warfen den Staatschef Landesverrat vor. Zehntausende Menschen gingen auf die Straße. Eine echte Privatisierung des Sektor sieht die Reform allerdings gar nicht vor. Der mexikanische Staat bleibt alleiniger Eigentümer der Bodenschätze. Die Investmentbank Goldman Sachs warnt davor, mit sofortigen Auswirkungen der Energiereform zu rechnen. Es dürfte weitere drei Jahre dauern, bis in größerem Umfang private Investitionen nach Mexiko fließen, schreiben die Analysten. Dann könnte die Öffnung der Branche allerdings eine Million neue Arbeitsplätze schaffen und das Bruttoinlandsprodukt um 1 bis 1,5 Prozent erhöhen.

Die Reform soll allerdings nicht nur den Erdölsektor wieder auf die Beine bringen. Von sinkenden Strompreisen könnte beispielsweise auch das verarbeitende Gewerbe profitieren. Die Energiereform werde der ganzen mexikanischen Wirtschaft neuen Schwung verleihen, sagte der frühere Leiter des staatlichen Stromversorgers CFE, Alberto Escofest Artigas, kürzlich im Interview des Radiosenders MVS: "Das hat einen Multiplikator-Effekt auf die ganze Industrie."

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