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Welt

Mexiko: Der stille Schrei der Flüchtlinge

Lateinamerika braucht ihr Geld, die USA brauchen ihre Arbeitskraft. Flüchtlinge sind ein zentrales Thema der Mexiko-Reise von Papst Franziskus. Und ihr Exodus in den Norden bestimmt auch den US-amerikanischen Wahlkampf.

Die Kirchenglocken läuten. Melancholische Streicher untermalen die Idylle der zentralmexikanischen Kleinstadt Pajuacarán. Eine schmale Straße führt hinunter zu einem tiefblauen See, in dem sich die Sonne spiegelt.

Doch die Idylle trügt. "Die Flucht ist ein notwendiges Übel", sagt ein mexikanischer Landwirt aus Pajuacarán. "Sonst können wir nicht überleben. Denn hier auf dem Land kann ich nichts verdienen. Ich muss in die USA."

Die Szene stammt aus dem preisgekrönten Dokumentarfilm "The other side of immigration" ("Die andere Seite der Einwanderung"). Filmemacher Roy Germano, der an der New York University internationale Beziehungen lehrt, interviewte dafür 700 mexikanische Auswanderer.

In der Hand der "Kojoten"

Sie gehören zu den Millionen von Menschen aus Lateinamerika, die jedes Jahr versuchen, die 3.200 Kilometer lange Grenze zwischen Mexiko und den USA zu überqueren. Die Flucht, organisiert von Schleppern, sogenannten "Kojoten", kostet zwischen 1500 und 7500 Dollar pro Person. Viele kostet sie auch das Leben.

USA Mexiko Grenzzaun (Bild: Getty Images/AFP/R. Schedmidt)

Trotz scheinbar unüberwindbarer Grenzzäune hält der Exodus aus Lateinamerika in die USA weiter an

Filmemacher Roy Germano sieht in der Massenauswanderung ein soziales Ventil. "Die mexikanische Regierung kann die armen Familien auf dem Land ignorieren, weil ihre Verwandten in den USA jährlich Milliarden von Dollar nach Mexiko an ihre Familien überweisen", erklärte er der spanischen Tageszeitung "El País".

Doch was wäre, wenn der Geldfluss plötzlich aufhörte? Für Filmemacher Roy Germano drohten dann soziale Unruhen wie 1994 beim Zapatisten-Aufstand in der verarmten mexikanischen Provinz Chiapas.

Beten am Grenzzaun

Papst Franziskus legt auf seiner Mexiko-Reise den Finger in diese Wunde. Am 17. Februar feiert er auf einem ehemaligen Messegelände in Ciudad Juarez direkt am Grenzzaun zu den USA eine Messe, die auch von den Gläubigen auf US-amerikanischer Seite live verfolgt wird. Zwei Tage zuvor macht er im Bundesstaat Chiapas Station, der aufgrund zu seiner Grenze zu Guatemala als Durchgangsstation für Flüchtlinge aus Zentralamerika gilt.

"Es war der Wunsch zentralamerikanischer Bischöfe, dass der Papst an die Grenze zu den USA geht", erklärt Bernd Klaschka, Geschäftsführer des kirchlichen Hilfswerkes Adveniat. Er begleitet den Papst auf seiner Reise durch Mexiko. "Ich hoffe, dass auch das Thema Kindermigration zur Sprache kommt", so Klaschka. Denn die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge nehme immer weiter zu.

Mexiko Papst Franziskus & Präsident Enrique Pena Nieto (Bild: Reuters/Mexico Presidency)

Gastgeschenk: Bei seiner Ankunft in Mexiko überreichte Staatschef Peña Nieto Franziskus einen Mariachi-Hut

Angesichts der Ausmaße des Problems hat die mexikanische Bischofskonferenz dem Thema Seelsorge für Migranten eine eigene Kommission gewidmet. Mit kirchlichen Geldern werden Hilfsprojekte finanziert, die aus den USA abgeschobenen Flüchtlingen und Herbergen für Migranten zugute kommen.

Republikaner gegen Flüchtlinge

Die Flüchtlingswelle aus Lateinamerika sorgt immer wieder für Verstimmungen zwischen Mexiko und den USA. Nach Angaben der Statistikbehörde "Consejo Nacional de Población" (CONAPO) wandern jährlich rund 390.000 Mexikaner in die USA aus. Viele Flüchtlinge kommen auch aus Honduras, El Salvador und Guatemala.

Im US-Vorwahlkampf ist die Flüchtlingskrise bei den republikanischen Präsidentschaftsbewerbern zum Hauptthema avanciert. Kandidat Donald Trump verstieg sich dazu, alle Migranten aus Mexiko als "Drogenhändler und Vergewaltiger" zu diffamieren und die "Deportation" aller illegalen Migranten aus den USA zu fordern.

Mexikos Staatspräsident Enrique Peña Nieto sah sich daraufhin zum Gegenangriff genötigt. "Auf der ganzen Welt werden Migranten diskriminiert und ausgebeutet", erklärte er vor der einheimischen Presse. Und setzte zum Seitenhieb auf Trump an: "Die Lage wird allerdings noch schlimmer, wenn Migranten und ihre Familien aus politischem Opportunismus für die Probleme ihrer Heimat verantwortlich gemacht werden."

Wenn Papst Franziskus am Grenzzaun in Ciudad Juarez betet, setzt er ein Zeichen gegen diese politische Instrumentalisierung der Flüchtlingspolitik - weltweit. Zugleich gedenkt er der Opfer, die auf der Flucht ihr Leben ließen. Denn tausende Flüchtlinge aus Lateinamerika kommen nie in den USA an - und sie kehren auch nie wieder in ihre Heimat zurück.

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