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Politik

Mexiko-City erlaubt Abtreibungen

Schwangerschaftsabbrüche waren in Mexiko bislang illegal. Im Hauptstadt-Bezirk hat sich das nun geändert. Kirche und konservative Parteien waren gegen eine Lockerung des Abtreibungsverbotes

Demonstration von Frauen, die meisten von ihnen tragen lila T-Shirts. Sie halten Schilder hoch auf denen Das Recht zu entscheiden steht. Quelle: AP

Streit um Abtreibung

Abtreibungen bis zur 12. Schwangerschaftswoche sind in Mexiko-City ab sofort erlaubt. Am Dienstag (24.4.07) hat das Parlament der Hauptstadt über eine Lockerung des Abtreibungsverbotes entschieden. Nur 19 der 66 Abgeordneten lehnten es ab, obwohl sich Präsident Felipe Calderón und sogar Papst Benedikt XVI. gegen eine Liberalisierung ausgesprochen hatten. Bislang waren Abtreibungen landesweit verboten, es sei denn, die Frau wurde vergewaltigt, der Fötus war stark missgebildet oder das Leben der Schwangeren in Gefahr.

1500 Todesfälle

Human Rights Watch berichtete letzte Jahr jedoch, dass vielen Vergewaltigungsopfern der Zugang zu legalen Schwangerschaftsabbrüchen verweigert wird. Schätzungen zufolge gibt es jährlich 200.000 illegale Abtreibungen in Mexiko meist durchgeführt von ärztlichen Laien in dreckigen Hinterhof-Kliniken. Deshalb enden 1500 der Schwangerschaftsabbrüche tödlich. In Lateinamerika ist nur in Kuba, Guyana und Puerto Rico der Schwangerschafsabbruch straffrei.

Ein Demonstration von Frauen, sie tragen ein lila Banner auf dem Hypokrit steht. Eine schwangere Frau hat auf ihren Bauch Ich habe mich entschieden geschrieben. Quelle:AP

Im Herbst hatten in Nicaragua Frauen für eine Lockerung des Abtreibungsverbotes demonstriert - erfolglos.

Das mag daran liegen, dass die katholische Kirche noch immer einen großen Einfluss auf dem Kontinent hat. Mexiko ist das zweitkatholischste Land hinter Brasilien. 88 Prozent der 107 Millionen Mexikaner bezeichnet sich selbst als katholisch. Papst Benedikt XVI. hatte sich in die politische Diskussion in Mexiko eingebracht und sich in einem Brief gegen die Lockerung des Abtreibungsverbotes ausgesprochen.

Andere Gegner haben einen Antrag auf Volksabstimmung gestellt. Sie übergaben bereits am Montag den Behörden die verfassungsrechtlich notwendigen 36.000 Unterschriften. Ob und wann es zu einem Referendum kommen könnte, ist bislang unklar.

Weitere Tabu-Brüche

In der Bevölkerung halten sich Gegner und Befürworter der Liberalisierung in etwa die Waage. Im Stadtparlament hingegen stellt die linksgerichtete Partei der Demokratischen Revolution die Mehrheit. Die Lockerung des Abtreibungsverbotes war nicht die erste kontroverse Entscheidung des Gremiums. Erst kürzlich hat es gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften erlaubt und zurzeit wird auch über die Legalisierung der Sterbehilfe diskutiert. (pcv)

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