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Aktuell Amerika

Mexikanischer Gouverneur tritt wegen verschwundener Studenten zurück

Der Fall der verschwundenen Studenten in Mexiko hat ein erstes politisches Opfer gefordert. Der Gouverneur des Bundesstaates Guerrero stellt sein Amt zur Verfügung.

Er wolle mit diesem Schritt die Ermittlungen zum Schicksal der 43 vermissten Lehramtsstudenten erleichtern, sagte Ángel Aguirre Rivero auf einer Pressekonferenz. Sein Rücktritt war wiederholt gefordert worden. Aguirre Rivero bat den Regionalkongress, ihn von seinem Amt freizustellen. Der Politiker der Partei der Demokratischen Revolution (PRD) war wegen seines Krisenmanagements in diesem Fall zuletzt immer stärker in die Kritik geraten.

Gewählte Politiker in Mexiko können ihr Amt nicht eigenmächtig aufgeben, sondern müssen um eine Entbindung von ihren Posten bitten. Die Amtszeit von Aguirre endet regulär im kommenden Jahr.

Generalstaatsanwaltschaft beschuldigt Bürgermeister

Nach Auseinandersetzungen in der Stadt Iguala am 26. September hatten Polizisten 43 Lehramtsstudenten verschleppt. Sie sollen sie anschließend der kriminellen Organisation "Guerreros Unidos" übergeben haben.

Nach Angaben des wegen seines Einsatzes für Menschenrechte bekannten katholischen Geistlichen Alejandro Solalinde sind die 43 Studenten tot. Einen entsprechenden Medienbericht bestätigte Solalinde via Twitter. Augenzeugen hätten sich ihm anvertraut und berichtet, dass die jungen Menschen teilweise bei lebendigem Leib verbrannt worden seien, erklärte er danach gegenüber der mexikanischen Generalstaatsanwaltschaft. Die Zeugen hätten sich an ihn gewandt, weil sie der Polizei nicht trauten.

Die Generalstaatsanwaltschaft hatte zuvor Haftbefehl gegen den früheren Bürgermeister von Iguala sowie gegen dessen Frau. Ihnen wird angelastet, hinter dem Überfall auf die Studentengruppe zu stecken.

Bürgermeister José Luis Abarca habe die örtliche Polizei sowie Mitglieder der "Guerreros Unidos" angewiesen, die jungen Leute abzufangen, sagte Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam am Mittwoch (Ortszeit). Offenbar wollte der Rathauschef verhindern, dass die Studenten eine Rede seiner Frau als Vorsitzende des lokalen Familien- und Kinderschutzbundes störten. María de los Ángeles Pineda Villa stammt aus einer Drogenhändlerfamilie und ist nach Einschätzung der Ermittler die örtliche Chefin der "Guerreros Unidos". Der Bürgermeister, seine Ehefrau und der Sicherheitschef von Iguala sind untergetaucht.

Kriminelle mischen bei Postenvergabe mit

Der in der vergangenen Woche gefasste Anführer der "Guerreros Unidos", Sidronio Casarrubias Salgado, habe im Verhör tiefe Einblicke in die kriminellen Strukturen in Iguala gegeben, sagte Karam. So habe die Gang regelmäßig Geld vom Bürgermeister erhalten.

Zudem hätten die "Guerreros Unidos" direkt über die Vergabe von Posten in der örtlichen Polizei entschieden. Bürgermeistergattin Pineda Villa habe aus dem Rathaus heraus die kriminellen Aktivitäten geleitet.

Die Bande hat nach Einschätzung der Ermittler die Stadtverwaltung und die örtlichen Sicherheitskräfte infiltriert. Guerrero gilt als gefährlichster Bundesstaat Mexikos und als ein Hort der Korruption. Mittlerweile hat die Bundespolizei in zwölf Ortschaften der Region die Kontrolle übernommen. Die Gemeindepolizisten wurden entwaffnet und zur Überprüfung in eine Kaserne der Streitkräfte gebracht.

Aus Solidarität mit den Verschleppten gingen im ganzen Land Tausende auf die Straße. In Mexiko-Stadt zogen 50 000 Demonstranten vom Unabhängigkeitsdenkmal zum zentralen Platz Zócalo. In der Provinzhauptstadt Chilpancingo drangen Kommilitonen der Vermissten in Verwaltungsgebäude der Bundesregierung ein. In Iguala steckten Vermummte das Rathaus in Brand. Zehn Randalierer wurden festgenommen.

gmf/wl (dpa, afp, kna)