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Aktuell Amerika

Mexikanischer Drogenboss gefoltert und ermordet

Von Kugeln durchlöchert ist Carlos Rosales Mendoza, der Gründer des Drogenkartells "La Familia Michoacana", in Mexiko tot am Rande einer Autobahn gefunden worden. Sein Tod gibt Rätsel auf.

Carlos Rosales Mendoza alias "El Tísico" ("Der Schwindsüchtige") sei mit drei weiteren Toten am Rande der Autobahn 21 im Bundesstaat Michoacán entdeckt worden, teilte der örtliche Staatsanwalt mit. Die vier Getöteten waren nur mit Unterwäsche bekleidet und wiesen alle Spuren von Folter und Misshandlungen auf, hieß es in Medienberichten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde Rosales‘ Leiche von dessen Kindern identifiziert.

Seit den 1980er Jahren im Drogengeschäft

Rosales war erst im vergangenen Jahr nach Verbüßen einer zehnjährigen Haftstrafe wegen organisierter Kriminalität und Drogenhandels wieder auf freiem Fuß. Sein Aufstieg zum Drogenboss begann zu Beginn der 1980er Jahre im Milenio-Kartell. Später schloss er sich mit dem Gulf- und dem Zetas-Drogenkartell zusammen und konkurrierte mit seinen ehemaligen Mitstreitern um die Vorherrschaft im Bundesstaat Michoacán, der als eine der wichtigsten Regionen für die Drogenproduktion und den Schmuggel in die USA gilt.

Das Milenio-Kartell zerbrach schließlich 2003 nach der Festnahme seines Anführers. Ein Jahr später wurde auch Rosales verhaftet. Noch im Gefängnis gründete er 2006 gemeinsam mit Nazario Moreno González das Kartell "La Familia Michoacana", das schnell an Einfluss und Macht im hart umkämpften Drogenhandel gewann. Seine Brutalität zeigte das Kartell beispielsweise, indem es in Michoacán fünf abgetrennte Köpfe auf die Tanzfläche einer Diskothek schleuderte.

Der blutige Kampf der Kartelle

Interne Machtkämpfe schwächten jedoch "La Familia". Innerhalb des Kartells setzte sich eine besonders grausame, kultähnliche Gruppierung durch, das Tempelritter-Kartell. Als Reaktion auf das martialische Auftreten der "Tempelritter" bildeten 2013 Farmer in Michoacán Bürgermilizen, um die Drogenkartelle zu bekämpfen. Inzwischen ist auch das Tempelritter-Kartell durch die Festnahme oder Tötung seiner Anführer geschwächt.

In Mexiko liefern sich seit Jahren Drogenkartelle einen blutigen Kampf um die Vorherrschaft im Rauschgifthandel in Richtung USA. Seit dem Jahr 2006 wurden dabei rund 100.000 Menschen getötet oder als vermisst gemeldet. Trotz spektakulärer Festnahmen und eines massiven Einsatzes von Polizisten und Soldaten bekommen die mexikanischen Behörden die Lage nicht in den Griff.

Wer hat Rosales ermordet?

Über die Hintergründe der Ermordung von Rosales wurde zunächst nichts bekannt. Ob sie in Zusammenhang mit einer Polizeiaktion in Michoacán am Wochenende steht, ist unklar. Polizisten hatten nahe der Ortschaft Parácuaro ein Treffen mutmaßlicher Kartellchefs gestürmt und sich dann ein mehrstündiges Feuergefecht mit Kriminellen geliefert. Immer wieder werden den Sicherheitskräften in Mexiko Verbindungen zur organisierten Kriminalität vorgeworfen. Auch in den Fall der im vergangenen Jahr entführten und mutmaßlich ermordeten 43 Studenten im benachbarten Bundesstaat Guerrero sollen Polizisten verwickelt gewesen sein.

ww/jj (AFP, AP, dpa)

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