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Amerika

Mexikanischer Drogenboss erschossen

Ignacio "Nacho" Coronel galt als die Nummer drei des Sinaloa-Kartells. Er wurde bei einer Militäroperation in Guadalajara getötet. Der 56-Jährige gehörte zu den meistgesuchten Drogenbossen in Mexiko.

Der mexikanische Drogenboss Ignacio Coronel Villareal (Quelle: FBI)

Von Ignacio Coronel Villareal ist nur dieses FBI-Foto bekannt

Der Tod von Coronel ist der schwerste Schlag gegen das mächtigste Drogenkartell Mexikos, seit Präsident Felipe Calderón Ende 2006 den militärischen Kampf gegen den Drogenhandel ausgerufen hat. Der 56-Jährige hat nach Angaben der Vize-Chefs des Generalstabes, Edgar Ruiz Villegas, die Operationen des Sinaloa-Kartells im Westen Mexikos geführt und die sogenannte Pazifikroute des Kokainhandels in Richtung USA kontrolliert. In Polizeikreisen in Mexiko und den USA war er bekannt als "Amphetamin-König" bzw. "King of Ice", da er den Handel des Sinaloa-Kartells mit diesen synthetischen Drogen in den USA kontrollierte. Auf die Ergreifung von Coronel waren in den USA fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Die mexikanischen Behörden boten ein Kopfgeld von 2,3 Millionen Dollar.

Ein Soldat bewacht von der Polizei konfiszierte Drogenpäckchen (Foto: AP)

Die von der mexikanischen Polizei sichergestellten Drogenmengen sind nur die Spitze des Eisbergs

Schießerei im Villenviertel

Der Zugriff auf den Drogenboss erfolgte am Donnerstag (29.07.2010) in Zapopan, einer der exklusivsten Wohngegenden von Guadalajara im Bundesstaat Jalisco im Westen Mexikos. Coronel besaß dort zwei Villen, von denen aus er den Drogenhandel organisierte. 150 Soldaten und zwei Hubschrauber waren an dem Einsatz beteiligt. Sie umstellten den Capo und zehn seiner Leibwächter in einer Seitenstraße. Coronel widersetzte sich dem Zugriff durch das Militär und eröffnete das Feuer, wobei ein Soldat ums Leben kam und ein weiterer verletzt wurde. Bei dem anschließenden Schusswechsel wurde die Nummer drei des Sinaloa-Kartells erschossen und einer seiner Vertrauten verhaftet. Nach Angaben mexikanischer Medien dauerte die Operation vier Stunden.

Steile Karriere im Drogenmilieu

Coronel gehörte zu den meistgesuchten Drogenbossen in Mexiko. In der Hierarchie des Sinaloa-Kartells nahm er nach Joaquin "El Chapo" Guzman und Ismael "El Mayo" Zambada den dritten Rang ein. Er stammte aus dem nordmexikanischen Bundesstaat Durango und begann seine kriminelle Laufbahn im Juárez-Kartell unter der Ägide von Amado Carrillo Fuentes, bekannt als "der Herr der Lüfte", einer der mächtigsten Drogenbosse Mexikos, der für den Transport der Drogen Leichtflugzeuge einsetzte. Carrillo starb 1997 bei einer Gesichtsoperation, durch die er sich eine neue Identität zulegen wollte. Daraufhin wechselte Nacho Coronel zum Sinaloa-Kartell und wurde schnell zum engsten Vertrauten von dessen Anführer Joaquín Guzmán Loera. Dem mexikanischen Magazin "Proceso" zufolge stand Coronel kurz davor sein eigenes Drogenimperium aufzubauen, da er die Kontrolle über den Metamphetamin-Schmuggel in die USA hatte.

Ein Soldat patrouilliert nachts in Ciudad Juárez an der Grenze zu den USA (Foto: AP)

Die Armee hat nicht für mehr Sicherheit im Norden Mexikos - hier Ciudad Juárez - sorgen können

"Brutaler Erfolg für Präsident Calderón"

Der Tod von Coronel ist der schwerste Schlag gegen die Drogenkartelle im Mexiko seit Dezember vergangenen Jahres, als der Drogenboss Arturo Beltrán Leyva bei einer Razzia von Marinesoldaten erschossen wurde. Die Brüder Beltrán Leyva hatten sich vor einigen Jahren vom Sinaloa-Kartell getrennt und begonnen, Geschäfte auf eigene Rechnung zu machen. Die Drogenmafia antwortete auf die Tötung von Beltrán mit der Ermordung mehrerer Familienangehöriger eines der Soldaten, die an der Operation beteiligt gewesen waren.

Beobachter in Mexiko werten die Erschießung Coronels als "einen brutalen Erfolg für die Regierung von Felipe Calderón". Seit dem Amtsantritt des Präsidenten sind im mexikanischen Drogenkrieg über 25.000 Menschen getötet worden. Calderón wird für diesen hohen Blutzoll und die ausufernde Gewalt verantwortlich gemacht. 2006, noch unter seinem Amtsvorgänger Vicente Fox, starben "nur" 62 Personen im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Drogenkartelle. 2007 stieg die Zahl der Opfer schon auf über 2800, ein Jahr später waren es bereits über 6800 Tote. Das bislang blutigste Jahr in dem Krieg gegen die Drogen war 2009, als 9635 Menschen bei Schießereien unter verfeindeten Drogenkartellen und bei Militäreinsätzen ums Leben kamen.

Friedhof in Tijuana mit anonymen Gräbern von Opfern des Drogenkriegs (Foto: AP)

Viele Opfer des Drogenkriegs in Mexiko werden anonym bestattet

Grausame Funde

Der Einsatz der Bundespolizei und der Armee hat die Gewaltspirale in Mexiko nicht beenden können, das Gegenteil ist der Fall. Die 50.000 in die Grenzregion zu den USA entsandten Soldaten haben bislang nicht für mehr Sicherheit für die Zivilbevölkerung sorgen können. Erst am Freitag (30.07.2010) sind im Norden Mexikos 15 Tote an einem Straßenrand gefunden worden. Die Opfer "hatten die Hände gefesselt, die Augen verbunden und wiesen sichtbare Folterspuren auf", sagte der Behördenvertreter, der nicht genannt werden wollte. Einen Tag zuvor waren in der nordmexikanischen Provinzhauptstadt Durango innerhalb weniger Stunden acht abgetrennte Menschenköpfe gefunden worden. Die Polizei war durch einen anonymen Anruf auf den makabren Fund aufmerksam gemacht worden. Auch in diesem Fall gehen die Behörden von einer Abrechnung zwischen verfeindeten Drogenkartellen aus.

Autorin: Mirjam Gehrke (dpa, rtr)
Redaktion: Marco Müller

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