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Wissen & Umwelt

Methanol - der tödliche Alkohol

Drei Schüler aus Lübeck starben während einer Klassenfahrt in der Türkei an gepanschtem Alkohol. Die Todesursache: hoch toxisches Methanol im Wodka.

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Man sieht dem Hochprozentigen das Methanol nicht an ...

Methanol ist eine klare, farblose Flüssigkeit und leicht mit dem Trinkalkohol Ethanol zu verwechseln. Ein fataler Irrtum, denn bereits die Einnahme sehr geringer Mengen, von fünf bis zehn Milliliter reinen Methanols, kann zu schweren Vergiftungen führen. Die tödliche Dosis variiert von 100 bis 200 Milliliter, da sie von der Reinheit des Methanols sowie dem Körpergewicht des Betroffenen abhängt. In reiner Form weist Methanol einen fischartigen Geruch auf. Dieser ist in alkoholischen Getränken allerdings nicht mehr zu riechen. Die Schüler konnten das Methanol in den Alkoholika somit nicht wahrnehmen, denn herausschmecken kann man es ebenfalls nicht.

Summenformel für Methanol: CH4O

Methanol - CH4O ist das einfachste Molekül unter den Alkoholen. Es wird u.a. als Lösungsmittel, Frostschutzmittel und als Treibstoff verwendet

Doch nicht nur das Trinken von Methanol ist hoch gefährlich. Auch das Einatmen von Methanoldämpfen und eine Aufnahme über die Haut sind bereits toxisch. Meist zeigt sich die Vergiftung zuerst durch Übelkeit, Schwindel und Erbrechen - Symptome, die zunächst auch auf einen zu hohen Konsum an gewöhnlichem Alkohol hindeuten können. Hinzu kommen allerdings schwere Koliken, Bewusstlosigkeit, Sehstörungen und Atemnot. Unbehandelt führen diese zu starken Schäden am zentralen Nervensystem und zahlreichen Organen, zu Erblindung und Atemlähmung.

Bereits nach 20 Minuten können erste Beschwerden einer Vergiftung auftreten. Dann kann es allerdings acht bis 36 Stunden dauern, bis sich weitere Symptome äußern. Das macht eine Behandlung der Methanolvergiftung oft schwierig. Denn nach einem so langen Zeitraum zeigen sich oft schon multiple und irreversible Organschäden.

Der ganze Körper ist betroffen

Doch nicht das Methanol selbst sondern seine Abbauprodukte führen zur Vergiftung. Denn beim Methanolabbau im Körper entstehen Formaldehyd und Ameisensäure.

Formaldehyd koppelt sich an viele Enzyme, DNA-Materialien oder Proteine, was zahlreiche Organschädigungen verursacht. Wesentlich fataler sind allerdings die Auswirkungen der Ameisensäure. Sie blockiert die Zellatmung und führt zu einer Übersäuerung des Blutes, einer sogenannten Azidose. Durch diese werden ganze Stoffwechselwege zum Erliegen gebracht, was letztendlich zum Tod führt.

Das Gegenmittel mag im ersten Moment verwundern, denn zur Therapie wird den Patienten Ethanol verabreicht. Der Alkohol-Blutwert muss dabei sogar über mehrere Tage bei 0,5 bis 1 Promille liegen. Denn Ethanol kann über die gleichen Enzyme wie Methanol abgebaut werden. Diese Enzyme haben aber eine viel höhere Neigung Ethanol zu zerlegen, wenn genug davon vorhanden ist. Währenddessen lassen sie Methanol unangetastet und es können sich keine giftigen Abbauprodukte bilden. Das überschüssige Methanol wird über die Atmung oder den Urin ausgeschieden. Sehr wichtig ist allerdings auch die Behandlung der Azidose, falls notwendig muss sogar eine Dialyse durchgeführt werden.

Gefährliches Nebenprodukt

Methanol entsteht als Nebenprodukt bei der alkoholischen Gärung. Wird ein solches gegärtes Gebräu zur Alkoholherstellung destilliert, besteht die Gefahr, dass sich Methanol unter den Trinkalkohol Ethanol mischt. Denn Methanol verdampft noch vor Ethanol und landet so in den ersten Teilen des Destillats. Diese müssen also dringend weggeschüttet werden, um Methanolvergiftungen zu vermeiden.

Autorin: Sabine Gogolok

Redakteurin: Judith Hartl

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