Metastasen: Die größte Gefahr bei Krebs | Wissen & Umwelt | DW | 04.02.2018
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Weltkrebstag am 4. Februar

Metastasen: Die größte Gefahr bei Krebs

Metastasen sind oft gefährlicher als die Tumore selbst. Daran sterben die meisten Krebspatienten. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind es 90 Prozent. Hier die wichtigsten Fakten zu den todbringenden "Schläfern".

Metastasen gelten als die "tödlichen Töchter" von Krebs. Sie entstehen durch Krebszellen, die sich vom ursprünglichen Tumor, dem sogenannten Primärtumor, absondern und in andere Organe oder Körperbereiche wandern. Dort wachsen sie dann zu Tochtergeschwülsten, den gefährlichen Metastasen heran.

"Normalerweise haben Zellen im Körper einen festen Platz und wandern nicht. Bösartige Zellen solider Tumoren aber können anatomische Grenzen unter Umständen überschreiten", erklärt Susanne Weg-Remers vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. "Die bösartigen Zellen dringen in die Umgebung ein und zerstören das umliegende Gewebe", so Weg-Remers weiter.

Die bösartigen Zellen gelangen in die Blut- oder in die Lymphbahnen, werden von dort weiter transportiert und können an anderer Stelle andocken und in andere Gewebe einwandern. Dort siedeln sie sich an, teilen sich und bilden so weitere Tochtergeschwülste. Genau das macht sie so gefährlich. Sie sind nicht mehr zu kontrollieren. Sie streuen im Körper. 

Unter welchen Voraussetzungen bilden sich Metastasen? 

Wandernde Krebszelle (DKFZ)

Eine wandernde Krebszelle

Krebs entsteht, wenn sich bei gesunden Körperzellen das Erbgut im Laufe des Lebens verändert. Dadurch erwerben die Zellen neue Eigenschaften. Sie zeigen ein anderes Wachstumsverhalten als gesunde Zellen. Sie beginnen, sich unkontrolliert zu teilen, achten nicht mehr auf Stopp-Signale des Körpers. 

Der Ort, an dem sich Metastasen ansiedeln, muss verschiedene Voraussetzungen erfüllen. Die bösartigen Zellen brauchen den Anschluss an ein Blutgefäßsystem. "Die Zellen müssen das Wachstum der Blutgefäße in der Umgebung anregen. Sie müssen in den Tumor, der sich neu bildet, eindringen, um so für den Anschluss an das Gefäßsystem zu sorgen", sagt Weg-Remers. So können sich die Metastasen mit Blut und mit Nährstoffen versorgen und sich entsprechend vermehren. 

Krebsarten mit häufiger Metastasierung 

Lungenkrebs ist eine Krebsart, bei der Metastasen häufig schon bei der ersten Diagnose vorhanden sind. Bauchspeicheldrüsenkrebs, Leberkrebs und Krebs der Gallengänge sind ebenfalls sehr aggressive Krebsarten. Ein Problem bei diesen Formen ist, dass sie lange keine Beschwerden verursachen. "Sie werden oft erst erkannt, wenn die Metastasen bereits da sind. In solchen Fällen ist keine Heilung möglich", erklärt Weg-Remers. 

Krebsbehandlungen verlaufen meist dann erfolgreich, wenn der Tumor örtlich begrenzt ist und Chirurgen ihn ohne größere Probleme entfernen können. Das ist bei Hirntumoren zwar der Fall, doch bei dieser Krebsart gibt es andere, schwerwiegende Probleme.

mehr dazu: Bluttest soll acht Arten Krebs frühzeitig detektieren können

Sonderfall Hirntumore

Hirntumore gehen vom Hirngewebe oder vom umgebenden Bindegewebe aus und metastasieren äußerst selten. Wenn es doch dazu kommt, treten die Metastasen im Liquor-Raum auf, der das Gehirn mit Flüssigkeit umgibt.

Dennoch verlaufen Hirntumore oft tödlich, weil das Gehirn eine äußerst wichtige Struktur hat und die Tumoren lebenswichtige Bereiche des Gehirns befallen. "Das Gehirn bietet offensichtlich gute Andockstellen für die Metastasen. Welche molekularen Mechanismen dabei eine Rolle spielen, ist Gegenstand aktueller Forschung", sagt Weg-Remers. 

Metastasen und die Zielorgane

Medizin Pathologie Krebs (picture-alliance/Okapia)

Oft bilden sich Metastasen in der Lunge

Auch wenn Hirntumoren selbst kaum Metastasen bilden, so gibt es doch Krebsarten, die ins Gehirn streuen können - zum Beispiel Lungenkrebs. Brustkrebs metastasiert indes häufig in die Knochen oder auch in die Leber. Auch Lymphknoten-Metastasen sind beim Brustkrebs sehr häufig.

Prostatakrebs bildet Metastasen ebenfalls sehr häufig in den Knochen und in den Lymphknoten. Aber auch diese Geschwülste dringen in die Leber oder in die Lunge. Metastasen bei Darmkrebs wandern oft in das Bauchfell oder auch in die Lymphknoten. 

Nur Aufhalten oder auch stoppen? 

Sind Metastasen einmal da, lässt sich der Krebs meist nur noch verlangsamen.

Für die Forschung ist es sehr wichtig, die Mechanismen der Metastasierung besser zu verstehen. Hoffnung setzen die Wissenschaftler in die Erforschung der Andockstelle der Metastasen und deren Blutversorgung.

Zwischen den Krebszellen und den Zellen im umliegenden Gewebe gibt es viele Interaktionen, die noch nicht ganz verstanden sind. "Zum Beispiel schüttet der Körper verschiedene Botenstoffe aus. Sie führen dazu, dass Blutgefäße praktisch umprogrammiert werden. Wenn die Forschung diesen Mechanismen auf die Spur kommt und sie versteht, gibt es unter Umständen auch neue Ansätze für Therapien," erläutert Weg-Remers. 

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