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Afrika

Messias und Monarch - Äthiopiens letzter Kaiser

"Negus Negesti", "Löwe von Juda" und "Auserwählter Gottes" – Es sind viele Titel, die der letzte Kaiser von Äthiopien, Haile Selassie I., trug. Sie sind so schillernd wie der Monarch selbst, der vor 35 Jahren starb.

Der letzte Kaiser von Äthiopien, Haile Selassi I. (Foto: dpa)

Nach wie vor halten sich Gerüchte über einen gewaltsamen Tod des letzten Kaisers

Neben ihren zwei Altarräumen könnte die Doppelkirche in Schwarzrheindorf den neugierigen Touristen heute noch einen wertvollen Wandteppich aus Äthiopien als Sensation präsentieren. Wenn der König der Könige, Haile Selassie I., sein Versprechen tatsächlich gehalten hätte, das er der Gemeinde 1954 gab. Damals wurde der Kaiser als erster Staatsgast der noch jungen Bonner Republik in die idyllisch gelegene Kirche bei Bonn geführt und hatte das edle Geschmeide als Geschenk zugesichert.

Ende der Sklaverei

Das kaiserliche Paar trifft 3.11.1955 vor der St. Georgs-Kathedrale in Addis Abeba (Foto: dpa) (Foto: dpa)

Schaffte die Sklaverei in Äthiopien ab: Haile Selassie

Die kaiserliche Ware ist im rheinischen 5.000-Seelen-Dorf niemals eingetroffen. Auch die eigenen Anhänger enttäuschte Haile Selassie im Laufe seiner Amtszeit zusehends. Geboren am 23. Juli 1892 unter dem Namen Tafari Makkonen als Sohn eines Herzogs, setzte er sich in den Wirren um die äthiopische Thronfolge gegen seine Mitbewerber durch. Nachdem er 1930 im Menelik-Palast in Addis Abeba gekrönt war, gab er sich zunächst als Reformer. Haile Selassie schaffte die Sklaverei in seinem Land ab und baute erste Oberschulen.

Der Einmarsch der italienischen Armee unter Benito Mussolini 1936 unterbrach seine Regierungszeit nur für kurze Zeit. Im britischen Exil schloss sich der Kaiser dem Widerstand an und kehrte fünf Jahre später triumphal unter westlichem Schutz nach Äthiopien zurück. Dort verlangte sein Volk nach gesellschaftliche und ökonomische Reformen. Denn im äthiopischen Feudalstaat gehörten die fruchtbaren Ländereien weiterhin Kirche und Adel und über 90 Prozent der Äthiopier konnte weder lesen noch schreiben. Hungersnöte und Krankheiten forderten zudem hunderttausende Opfer und die Unzufriedenheit unter seinen Anhängern stieg.

Kaiser Haile Selassie auf seinem Thron im Palast in Addis Abeba (Foto: AP)

Graue Eminenz und Gründer der "Organisation für die Afrikanische Einheit"

Anerkennung im Ausland

Unabhängig von innerpolitischen Problemen genoss der schmächtige Herrscher mit hoher Stirn und dem durchdringenden Blick jedoch hohes Ansehen im Ausland. So führte der Kaiser bei John F. Kennedys Beisetzung neben Charles de Gaulle die Schar der ausländischen Würdenträger an. Und als graue Eminenz wurde er in der Entkolonialisierung des Kontinents auch für viele Afrikaner zum Symbolfigur. 1963 organisierte Haile Selassie das erste Treffen der "Organisation für die Afrikanische Einheit" (OAU) und setzte sich vor den Vereinten Nationen für die Rechte der Schwarzen in Äthiopien ein.

Korruption und Betrug

Doch die Anerkennung im Ausland konnte über die fehlende innerpolitische Reformbereitschaft nicht hinwegtäuschen. Nur gut fünf Jahre nach dem Besuch der Messe in Schwarzrheindorf begann für Haile Selassie mit einem ersten Putschversuch die Zeit des Untergangs. Im Februar 1974 entmachtete das Militär den Herrscher schließlich und setzte ihn im Spätsommer des gleichen Jahres offiziell ab. Eine eingesetzte Untersuchungskommission beschuldigte den Negus später des Betrugs und der Korruption. So soll Selassie Gold und äthiopische Dollar im Wert von mehr als 15 Milliarden Dollar in die Schweiz verschoben haben. Er selbst hat wohl von diesen Unterstellungen nicht mehr viel mitbekommen. Geschwächt und geistig verwirrt soll Äthiopiens Ex-Kaiser seinen Lebensabend in einem Seitenflügel des Menelik-Palastes von Addis Abeba verbracht haben, bis er schließlich mit 83 Jahren unter ungeklärten Umständen starb.

Verehrung als Messias

Haile Selassie mit seiner Frau in Großbritannien (Foto: dpa)

1941 kehre Haile Selassie aus britischem Exil zurück nach Äthiopien

Der Kult um den Monarchen hält bis heute an. Denn bereits in den 1930er Jahren galt Haile Selassie den so genannten Rastafaris als symbolisch-religiöse Leitfigur. Die Arbeiterbewegung wurde auf Jamaika gegründet, entwickelte sich schnell zu einer religiösen Vereinigung und hat bis heute viele Anhänger in Belize und Jamaika. Ihre Mitglieder verehren Selassie als zurückgekehrten Messias und Oberhaupt aller Christen, der die Nachkommen der Sklaven in Amerika und anderen Teilen der Welt ins gelobte Land Afrika führt.

Autorin: Stephanie Gebert

Redaktion: Dirk Bathe

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