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Hamburg

Messerstecher war Behörden als Islamist bekannt

Der mutmaßliche Messerstecher von Hamburg ist den Behörden als Islamist bekannt gewesen. Das hat Innensenator Grote mitgeteilt. Der Mann hatte in einem Supermarkt wahllos Kunden angegriffen. Ein Mann starb.

Bei dem mutmaßlichen Angreifer habe es Anzeichen für eine Radikalisierung gegeben, erklärte Innensenator Andy Grote bei einer Pressekonferenz in Hamburg. Der Mann sei als Islamist in die entsprechenden Dateien aufgenommen worden, nicht aber als Dschihadist. Man sei nicht zu der "Einschätzung einer unmittelbaren Gefährlichkeit" gelangt. 

Bei dem Mann gebe es einerseits Hinweise auf religiöse Beweggründe und islamistische Motive, andererseits auch auf eine "psychische Labilität". Die Polizei gehe beim Tatmotiv von einer "Gemengelage" aus und wisse noch nicht, was letztlich den Ausschlag für den Messerangriff gegeben habe.

"Hohes Maß an Unberechenbarkeit"

"Solchen Anschlägen in dieser Begehungsform wohnt immer ein hohes Maß an Unberechenbarkeit inne, weil es eine in gewisser Weise willkürliche Tat ist - mit primitivsten Mitteln, an einem fast beliebigen Ort ausgeführt", sagte Grote.

Deutschland Hamburg - Pressekonferenz nach Messerattacke in Supermarkt mit Innensenator Andy Grothe und Polizeipräsident Ralf Martin Meyer (picture-alliance/dpa/M. Scholz)

Sie suchen nach einer Erklärung für die Messerattacke: Innensenator Grote (links) und Polizeipräsident Meyer

Der mutmaßliche Angreifer von Hamburg war nach Angaben des Senators ein abgelehnter palästinensischer Asylbewerber und hätte demnächst ausreisen sollen. Er habe gegen seinen negativen Asylbescheid keine Rechtsmittel eingelegt und auch bei der Organisation von Passersatzpapieren mitgewirkt. 

"Es war damit zu rechnen, dass diese Papiere demnächst eintreffen würden", sagte Grote. Der 26-Jährige sei auch willens gewesen auszureisen. Geboren ist der Mann laut Sicherheitsbehörden in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Behörden gehen von Einzeltäter aus

Derzeit gebe es keine Hinweise auf Hintermänner oder eine Einbindung des Täters in ein Netzwerk, betonte Grote. Hierzu seien aber weitere Ermittlungen nötig. "Wir gehen im Moment von einem Einzeltäter, einem zumindest psychisch labilen Einzeltäter aus." Es müsse nun aber geprüft werden, ob die Sicherheitsbehörden allen Hinweisen immer in angemessener Weise nachgegangen seien.

Der Täter hatte am Freitag im Stadtteil Barmbek in einem Supermarkt unvermittelt auf Menschen eingestochen. Ein 50-Jähriger starb. Laut Grote gab es sieben weitere Opfer, die zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden. Alle Verletzten seien inzwischen aber außer Lebensgefahr.

Die Polizei durchsuchte später eine Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Langenhorn. Ob dabei etwas Entscheidendes gefunden wurde, ist noch nicht bekannt.

gri/se (dpa, rtr, afp)