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Aktuell Deutschland

Messerattacke bei München: Täter hatte psychische Probleme

Ein Mann hat am Morgen auf dem Bahnhof in Grafing bei München vier Menschen mit einem Messer angegriffen. Ein Opfer erlag seinen Verletzungen. Ein islamistisches Motiv ist laut bayerischem Innenminister unwahrscheinlich.

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München: Ein Toter nach Messerattacke

Kurz vor fünf Uhr hatte der Mann vier Menschen am Grafinger Bahnhof, etwa 30 Kilometer östlich von München, mit einem Messer um sich gestochen. Ein 56-jähriger Mann starb später im Krankenhaus an den Folgen, drei weitere Männer liegen mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Einer von ihnen schwebt laut Polizei in Lebensgefahr.

Den Attentäter konnte die Polizei noch in der Bahnstation überwältigen und festnehmen, bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft München II. Zunächst gab es Befürchtungen, es handle sich um eine islamistisch motivierte Attacke. "Der Täter hat Äußerungen am Tatort getätigt, die auf eine politische Motivation schließen lassen", so der Sprecher und berief sich dabei auf Augenzeugenberichten. Diese anfängliche Vermutung konnte nicht bestätigt werden. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann teilte in München mit, die Messerattacke am Bahnhof von Grafing habe nach ersten Ermittlungen keinen islamistischen Hintergrund.

Offenbar psychische Probleme

Die Vernehmung des Täters sei beendet. Er werde am Mittwoch dem Ermittlungsrichter vorgeführt, erklärte Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich bei einer Pressekonferenz am Nachmittag. Die Vernehmung sei schleppend verlaufen, sagte Kriminaldirektor Lothar Köhler vom bayrischen Innenministerium. Seine Aussagen seien ohne Zusammenhang und verwirrend. Es gebe keine zusammenhängenden plausiblen Erklärungen seitens des Täters, so Köhler.

Ein anfänglich vermuteter Drogenkonsum konnten die bayrischen Behörden nicht bestätigen. "Wir wissen nicht, ob er zur Tatzeit unter Drogeneinfluss stand", sagte Köhler. Der Mann habe selbst angegeben, Drogen konsumiert zu haben. Laut Köhler gibt es Hinweise, dass er vor zwei Tagen im Raum Gießen Drogen konsumiert habe und dass dies mit ein Grund für seine Verwirrtheit sein könnte. In jüngster Zeit habe der Mann Cannabis konsumiert. Es sei bisher kein Strafverfahren gegen ihn im Zusammenhang mit dem Besitz von Betäubungsmitteln bekannt.

Der Mann habe seine Tat bereits eingeräumt. Laut Oberstaatsanwalt Heidenreich müsse aber noch die Schuldfähigkeit des Täter untersucht werden. Ob ein politischer Hintergrund vorliege, werde noch geprüft. Herrmann berichtete zudem, dass der Mann zuletzt wegen psychischer Auffälligkeiten und wegen Drogenkonsums in Erscheinung getreten sei.

Täter wurde am Tatort festgenommen

Dem Sprecher der Staatsanwaltschaft zufolge handelt es sich bei dem noch am Tatort festgenommenen mutmaßlichen Täter um einen 27 Jahre alten Deutschen. Dieser stamme nicht aus München oder der Umgebung. Wie ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamts sagte, stammt der Angreifer aus Hessen. Er sei in Deutschland geboren worden und habe keinen Migrationshintergrund.

Zum Tathergang werden immer mehr Details bekannt. Der mutmaßliche Angreifer soll nach den Worten eines Sprechers des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord zunächst in der S-Bahn das später verstorbene Opfer niedergestochen haben. Anschließend soll er auf dem Bahnhofsgelände die drei weiteren Männer attackiert haben. Er habe ein Messer mit einer zehn Zentimeter langen Klinge benutzt. Bei seiner Festnahme habe er keinen Widerstand geleistet, sagte ein Polizeisprecher. Auch habe der Mann keine Schuhe getragen, hieß es weiter.

Videomaterial zur Auswertung

Von der Messerattacke gibt es möglicherweise eine Videoaufzeichnung. Die Deutsche Bahn übergab den Sicherheitsbehörden Videomaterial aus dem S-Bahn-Zug und vom Bahnhof. Demnach war es dem Fahrzeugführer der S-Bahn und einem Sicherheitsmann gelungen, den Angreifer unmittelbar nach der Tat zu vertreiben. Der Sicherheitsmitarbeiter habe die Polizei dann zu dem Versteck geführt, wo sich der 27 Jahre alte Täter verborgen hielt.

Der Polizeieinsatz auf dem Bahnhofsgelände hatte teils erhebliche Auswirkungen auf den S-Bahnverkehr. Die Polizei sperrte den Tatort, Züge mussten umgeleitet werden. Die Ermittler wollen im Laufe des Tages weitere Details zum Tathergang und den Hintergründen veröffentlichen.

Wohnung des Verdächtigen in Hessen durchsucht

Mittlerweile hat die Polizei die Wohnung des Verdächtigen im hessischen Grünberg
durchsucht. Das bestätigte ein Polizeisprecher. Zu Berichten, wonach sich der 27-Jährige bereits am Sonntag merkwürdig verhalten haben und es deshalb zu einem Polizeieinsatz gekommen sein soll, konnte der Sprecher keine Angaben machen.

Der Verdächtige ist den Angaben zufolge in Gießen geboren und wohnte zuletzt in Grünberg im Kreis Gießen.

fab/as/pab (afp, APE, rtre, BR)

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