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Wirtschaft

Messe Usetec: Gebrauchte Qualität

Fräsmaschinen, Müllautos, Gabelstapler: Bei der Usetec in Köln, der weltweit größten Messe für Gebrauchttechnik, haben Käufer und Verkäufer vor allem zwei Dinge im Blick: Geringe Preise und hohe Qualität.

Käufer und Kunden von Gebrauchtmaschinen auf der Messe Usetec

Messe Usetec

Eingang C, Halle 6 der Kölner Messe. Die weltgrößte Messe für gebrauchte Technik findet in nur einer Messehalle statt? In der Ankündigung stand, dass auch das Außengelände genutzt würde, aber dennoch: Die Halle 6 hat geschätzt die Fläche von drei Fußballfeldern und das Außengelände ist, um im Bild zu bleiben, etwa so groß wie ein Handballfeld.

Zu sehen ist ein kleiner Querschnitt von Produktions- und Bearbeitungsmaschinen, hauptsächlich für die Metallbearbeitung – 65 Prozent der  Aussteller kommt aus diesem Bereich. Jeder zehnte Aussteller kommt aus der Holzbranche, 15 Prozent verarbeiten Kunststoffe. Insgesamt 386 Aussteller haben einen Stand gemietet, 70 Prozent von ihnen sind deutsche Anbieter.

Die Kunden kommen nach Angaben der Messeveranstalter aus aller Welt, vor allem aus Ost- und Südeuropa, Asien und Afrika. Der Augenschein bestätigt das: Die Besucherausweise, die jeder sichtbar trägt, verraten die Herkunftsländer der Besucher: Bis auf Nord- und Südamerika sind Länder aller Kontinente vertreten.

Erntemaschinen und Entsorgungsfahrzeuge

Bald wird klar, warum die Ausstellung so relativ klein ist: Maschinen, die die Kunden sowieso schon kennen, weil sie keine Neuentwicklungen und schon lange auf dem Markt  sind, braucht man nicht mehr vorzuzeigen. Einige sind dennoch zu sehen: Auf dem Außengelände steht eine Erntemaschine von der Größe zweier Rolls-Royce – allerdings deutlich billiger und für den Landwirt auch erheblich praktischer. Auf Hochglanz poliert, aber mit Gebrauchsspuren: So ist der Kunstledersitz mit schwarzem Isolierband geflickt.

Käufer und Kunden von Gebrauchtmaschinen auf der Messe Usetec

Am beeinduckendsten sind natürlich immer die großen Maschinen - für den Bau, für das Feld, für die Stadt.

Daneben stehen Müllfahrzeuge, wie sie zu Tausenden durch deutsche Städte fahren. Fiorangela Schlösser arbeitet für "Schmidt Kommunalfahrzeuge" und erzählt mir, woher ihre Firma die Müllautos bezieht: "Wir kaufen unterschiedlich: von Kommunen und auch von privaten Entsorgern." Das Müllauto ewa, neben dem wir gerade stehen, habe neu "150.000 bis 160.000 Euro gekostet. Das kostet jetzt bei uns gebraucht 32.000 Euro. Das ist komplett in Stand gesetzt, neu lackiert und neu bereift."

Service groß geschrieben

Wenig später treffe ich einen Messebesucher aus Georgien. Er war soeben bei Frau Schlösser und lässt mich über seinen Übersetzer wissen, dass er bereits gekauft habe. Wie er seine Neuerwerbung nach Hause bekommen wird, darüber hat er sich noch keine Gedanken gemacht. Immerhin sollen die Müllautos demnächst durch Kutaissi fahren, einer Stadt am Kaukasus: "Entweder holen wir es ab, oder der Verkäufer schickt es mit dem LKW."

Auf Wunsch des Kunden, bestätigt Frau Schlösser, übernehme ihre Firma auch die Auslieferung. Und sie bieten noch einen Service an: Fahrzeuge in der Entsorgungslogistik, wie sie sich selbst nennt, sind oft nicht leicht zu bedienen. Doch die Kunden werden mit ihrem neuen High-Tech-Auto nicht allein gelassen: "Da kann der Kunde seinen Fahrer zu uns schicken. Dieser Mann bekommt von uns eine Schulung, damit er das Fahrzeug auch bedienen kann."

Aus alt mach neu

Am Eingang der Halle 6 ist ein Stand der Weltfirma Siemens, auch hier sind wieder keine Maschinen ausgestellt. Warum das so ist, erklärt mir Hanspeter Richter von Siemens Industry. Er stelle "Retrofit" vor, sagt er, und das sei eine Dienstleistung: "Wir bieten an, Werkzeugmaschinen, die in die Jahre gekommen sind, für die es keine Ersatzteile mehr gibt, zu modernisieren." Und zwar ganz gleichgültig, ob die veraltete Maschine von Siemens ist oder von der Konkurrenz.

Käufer und Kunden von Gebrauchtmaschinen auf der Messe Usetec

Eine gebrauchte Maschine und ihr möglicher neuer Besitzer - Qualität findet immer einen Käufer.

Wie der mittelständische Betrieb "Schmidt Kommunalfahrzeuge" bietet auch der Siemenskonzern "Anwenderkurse an", sagt Hanspeter Richter und zählt auf, woher seine Kunden kommen: "Asien. Natürlich auch Russland, Weißrussland, Ukraine. Aber genauso im südlichen Bereich: Algerien, Ägypten."  Auch die Firma Schmidt findet dort ihre Käufer, bestätigt Fiorangela Schlösser, die für dieses Jahr einen Trend ausgemacht hat, und der gehe "sehr stark in Richtung Kasachstan und in Richtung Moldawien."

Handel mit Informationen

Darüber hinaus ist die Messe nicht nur ein Handelsplatz, sondern auch eine Informationsbörse: Am Ende der Halle ist ein Stand der Germany Trade und Invest, einem Unternehmen im Bundesbesitz. Dort wartet Brigitte Friese auf Interessenten und hat dabei genug Zeit, mir zu erklären, was sie hier macht. Die Trade und Invest, sagt sie, habe zwei Aufgaben: Das Berliner Büro der Gesellschaft sei für die Anwerbung von Investoren zuständig, die Bonner Filiale sammle Informationen für deutsche Exporteure.

Mit Informationen wird auch an einem anderen Messestand gehandelt – allerdings streng gewinnorientiert: das britische Magazin Machinery Classified. James Creber, der Sales Executive von MC, über seine Arbeit: "Wir sind ein Magazin, das Maschinen anbietet, Metallbearbeitung, Metallschneiden -  im Auftrag anderer Händler." Die Machinery-Classified-Angebote gibt es auch im Internet, natürlich, und demnächst auch auf dem Smartphone, verkündet James Creber stolz: "Wir bieten eine brandneue App an. Das ist ein neuer Weg, Maschinen zu kaufen und zu verkaufen."

James Creber kauft und verkauft nicht, doch die Usetec ist auch für ihn ein wichtiger Termin: "Ich bin hauptsächlich deshalb hier, um Händler kennenzulernen. Ich mache neue Kontakte, betreibe Networking. Dabei finde ich neue Kunden."

Am Ausgang treffe ich noch einmal den Käufer aus dem georgischen Kutaissi, der bei Schmidt fündig geworden war. Er beantwortet meine Fragen nicht wirklich gern, aber sein Dolmetscher lässt nicht locker. Er entlockt seinem Chef die Antwort auf meine Frage, warum er gerade auf der Kölner Usetec Müllautos kaufen wolle. Es gehe ihm um Qualität, sagt der Chef schließlich: "Gebrauchte deutsche Maschinen sind immer noch besser, sind gut."