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Im Kino: "Suffragette"

Jochen Kürten23. Oktober 2015

Der Film über die Frauenrechtsbewegung in Großbritannien startet in Deutschland. An der Seite von Carey Mulligan spielt Meryl Streep die Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst - eine Rolle, die zu ihr passt.

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UK screening 'Into The Woods' - Meryl Streep
Bild: picture-alliance/dpa/F. Arrizabalaga

Ein großer international besetzter Kinofilm zum Thema Frauenemanzipation ohne Meryl Streep - das wäre fast schon eine Sünde. Und so verwundert es nicht, dass die Hollywood-Schauspielerin auch in "Suffragette" mitspielt. Nach seiner Premiere beim London Film Festival feierte "Suffragette" am vergangenen Sonntag Deutschland-Premiere in Berlin und startet am Donnerstag in den deutschen Kinos.

Regisseurin Sarah Gavron erzählt vom Aufstand der Frauen in Großbritannien zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Streep spielt die charismatische Emmeline Pankhurst, eine der Vorreiterinnen der Frauenbewegung, die sich im konservativ geprägten und von Männern beherrschten England den ihr zustehenden Platz in der Gesellschaft erkämpfen will. Im Mittelpunkt des Dramas steht allerdings die junge Maud Watts (Carey Mulligan), die zwischen Privatleben und gesellschaftlichem Engagement Orientierung sucht.

BFI London Film Festival "Suffragette" Premiere Meryl Streep (Foto: Gareth Cattermole/Getty Images for BFI)
In London gab Meryl Streep eifrig Autogramme nach der Weltpremiere - nächste Woche kommt sie nach BerlinBild: Getty Images/BFI/G. Cattermole

Vorbild Emmeline Pankhurst

Versuchten sich die engagierten Frauen ihre Rechte zunächst mit Aufklärung und dem Appell an die Vernunft zu erkämpfen, folgten bald auch radikalere Formen des Protests. Pankhurst stand als eine der führenden Frauen an der Spitze der Bewegung, ihr folgten jüngere wie die im Film von Mulligan dargestellte Maud, die sich in "Suffragette" die ältere zum Vorbild nimmt.

Junge Frauen orientieren sich an älteren Kolleginnen - das spiegelt in etwa auch das Verhältnis von vielen Nachwuchsschauspielerinnen und der Grande Dame des US-Kinos, Meryl Streep, wider. Streep gilt in Hollywood vielen jüngeren Darstellerinnen als Vorbild. Sie hat in ihrer Karriere so viele eindrucksvolle Frauen auf der Leinwand dargestellt, dass man kaum weiß, wo man anfangen soll bei der Aufzählung ihrer Filmerfolge.

Filmstill Suffragetten (Foto: Concorde Filmverleih GmbH)
In "Suffragette" ist es die junge Maud (Carey Mulligan), die sich an Emmeline Pankhurst (Meryl Streep) orientiertBild: Concorde Filmverleih GmbH

Karrierebeginn gleich mit mehreren Highlights

Meryl Streep spielte im Vietnam-Drama "Die durch die Hölle gehen" (1978) eine junge Frau, deren Mann in den Krieg zieht, machte ein Jahr darauf in Woody Allens Klassiker "Manhattan" mit und kämpfte im Scheidungsdrama "Kramer gegen Kramer" gegen ihren Filmehemann Dustin Hoffman. In Europa verzauberte sie im Melodrama "Die Geliebte des französischen Leutnants" die Fans, war im Holocaust-Drama "Sophies Entscheidung" zu sehen und spielte im Atomkraft-Reißer "Silkwood" eine mutige Aktivistin.

Und diese eindrucksvolle Filmliste markiert nur den Beginn ihrer Karriere. Die 1980er-Jahre brachten Hits wie "Jenseits von Afrika", "Sodbrennen" an der Seite von Jack Nicholson und die Komödie "Die Teufelin". Einige Kritiker warfen ihr zwischenzeitlich vor, sie spiele zu souverän und unterkühlt. Auch damit konnte sie umgehen - indem sie ihr Rollenrepertoire erweiterte, in Komödien mitwirkte, auch in anderen Genres ihre Spuren hinterließ.

Meryl Streep Die Geliebte Des Französischen Leutnants (Foto: picture-alliance/United Archives/IFTN)
Verführte auch Jeremy Irons: Meryl Streep in "Die Geliebte des französischen Leutnants"Bild: picture-alliance/United Archives/IFTN

Erfolg auch in anderen Genres

Im hinreißenden Melodrama "Die Brücken am Fluss" war sie eine kongeniale Partnerin Clint Eastwoods, sie spielte in Filmen von Regiegrößen wie Steven Spielberg oder Robert Altman mit und feierte 2006 in "Der Teufel trägt Prada" wieder einen großen Komödienerfolg. Auch in den letzten zehn Jahren ist sie ständig präsent auf den Leinwänden, hatte gefeierte Auftritte in dem ABBA-Musical "Mamma Mia!" und in der Komödie "Julie & Julia". Derzeit ist sie als ausgeflippte alternde Rock-Diva in der Familienkomödie "Ricki - Wie Familie so ist" in den Kinos zu sehen.

Ihren dritten Oscar, nach "Kramer gegen Kramer" und "Sophies Entscheidung", bekam sie vor drei Jahren verdientermaßen für die fulminante Verkörperung der früheren Premierministerin Margaret Thatcher in "Die eiserne Lady". Überhaupt die Oscars: Mit sage und schreibe 19 Nominierungen hält sie den unumstrittenen Rekord, und auch bei den Golden Globes ist sie einsame Spitze: 8 Globes bei 29 Nominierungen.

Meryl Streep als Maggie Thatcher in Die eiserne Lady (Foto: Concorde Verleih)
Ist sie die echte? Meryl Streep als Maggie ThatcherBild: Concorde Filmverleih

Keine andere Filmschauspielerin in der Geschichte Hollywoods wurde so oft ausgezeichnet - eine eindrucksvolle Anerkennung für ihre Wandlungskunst, aber auch für ihre Auftritte in der Öffentlichkeit. Das fiel auch der Berlinale auf: 2012 bekam sie einen Ehren-Bären verliehen.

Kein Star des Boulevards - und doch ein Star des Weltkinos

Meryl Street war nie ein Star, der sich auf den Roten Teppichen der Welt in den Vordergrund drängte, der sich in Late-Night-Shows verausgabte oder in den Hochglanzgazetten des Boulevards sonnte. Sie machte vor allem mit ihrer Schauspielkunst auf sich aufmerksam. Mit ihrer Arbeit also. Insofern ist sie die Idealbesetzung in dem neuen Film "Suffragette", in dem es vornehmlich um eins geht: um die Frauen und deren Kampf um Anerkennung in der Welt.

In der kommenden Woche schlüpft Meryl Streep dann in eine auch ihr bisher ganz unbekannte Rolle. Meryl Streep ist Präsidentin der Jury der 66. Berlinale (11.2.-21.2.2016). Das Publikum habe ihr vor zwei Jahren, als sie den Goldenen Ehren-Bären des Festivals bekommen hat, Ovationen entgegengebracht, erzählte Berlinale-Chef Dieter Kosslick jetzt in einem Interview der Deutschen Presse Agentur. Daraufhin habe sie gesagt, sie wolle gern einmal länger in der Stadt bleiben. So sei ihre Jury-Arbeit 2016 zustande gekommen, so Dieter Kosslick.