MERS-Virus in Saudi-Arabien auf dem Vormarsch | Aktuell Nahost | DW | 03.06.2014
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Aktuell Nahost

MERS-Virus in Saudi-Arabien auf dem Vormarsch

Seit zwei Jahren werden immer wieder Infektionen mit dem MERS-Virus vor allem auf der Arabischen Halbinsel bekannt. Allein die Zahl der Todesfälle in Saudi-Arabien stieg jetzt nach neuen Angaben aus Riad auf 282.

MERS Virus unter dem Elektronenmikroskop(Foto: Reuters)

MERS-Virus unter dem Elektronenmikroskop

Damit ist die Zahl der am gefährlichen Coronavirus MERS gestorbenen Menschen in Saudi-Arabien weit höher als bislang angenommen. Wie das Gesundheitsministerium in Riad mitteilte, liegt die Zahl der Toten inzwischen bei 282 und nicht wie bisher angegeben bei 190. Seit dem Auftauchen des Erregers im September 2012 wurden den Angaben zufolge insgesamt 688 Infektionsfälle registriert.

Das saudische Gesundheitsministerium verkündete die neuen Zahlen einen Tag, nachdem Vize-Ressortchef Siad Memisch ohne Angabe von Gründen entlassen worden war. Bereits im April musste ein Gesundheitsminister vermutlich wegen der MERS-Krise seinen Posten räumen.

Der Name MERS steht für "Middle East respiratory syndrome", Nahost-Atemwegssyndrom, die Krankheit kann grippeähnliche Symptome auslösen, aber auch zu einer schweren Lungenentzündung führen. Häufig führt der neue Erreger zudem zu Nierenversagen. Einen Impfstoff gibt es nicht. Erstmals identifiziert wurde das MERS-Virus im September 2012 bei Patienten mit einer schweren Atemwegsinfektion.

Der MERS-Erreger hat Ähnlichkeit mit dem SARS-Virus (Severe acute respiratory syndrome), das Ende 2002 in China auftauchte und sich in den folgenden Monaten in zahlreichen Ländern verbreitete. Rund 800 der weltweit rund 8300 Infizierten starben an den Folgen der Viruserkrankung. Da das SARS-Virus sich von Mensch zu Mensch verbreitete, wurde eine Pandemie befürchtet, mit enormem Aufwand wurde der Erreger eingedämmt.

Mundschutz gegen MERS (Foto: picture alliance/AP)

Mundschutz gegen MERS

Die Anzeichen für eine Epidemie sind bei MERS noch nicht gegeben. Gesundheitsexperten sind aber über die hohe Sterblichkeitsrate bei MERS-Infizierten besorgt. Sie befürchten eine weltweite Verbreitung, sollte das Virus zu einer leicht übertragbaren Form mutieren.

MERS-Fälle noch lokal begrenzt

Die MERS-Erkrankungen kommen bislang vor allem auf der Arabischen Halbinsel vor. Seinen Ausgang nahm das neue Virus in Saudi-Arabien. Es gab aber schon einzelne Fälle in anderen Nahostländern, Ägypten, Deutschland und den USA, die im Zusammenhang mit Reisen in die Region standen.

Forscher gehen davon aus, dass Kamele, Dromedare und vielleicht auch Fledermäuse als Virus-Träger eine Rolle bei der Übertragung spielen. Viele Infektionen haben mit einem direkten Kontakt zu Tieren zu tun. Doch wie genau das MERS-Virus von Tier auf Mensch übergeht, ist noch nicht geklärt.

Wissenschaftler der Gesellschaft für Virologie in Ulm (GfV) entdeckten den Erreger zuletzt auch bei Dromedaren aus dem Sudan und Äthiopien. Daher könnte das natürliche Reservoir für dieses Virus wesentlich größer sein als bisher angenommen, berichtete die GfV. Während in Saudi Arabien 260.000 Dromedare leben, gebe es in Äthiopien fast eine Million und im Sudan sogar 4,8 Millionen Dromedare.

qu/se (dpa, rtre, APE, afp)