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Sprachbar

Merkwürdige Sprachgewohnheiten

Zur Gewohnheit sind sie in der deutschen Sprache geworden: Äußerungen, die jeder versteht, die aber eigentlich nicht ganz korrekt sind. Manche verführen zum Schmunzeln, wenn man genauer über sie nachdenkt.

Unvergessen der Busfahrer, der im typischen Berliner Schnodderton der alten Dame antwortete: "Ja, gnädige Frau und der ganze Bus fährt ooch mit." Was war passiert? Die Frau hatte gefragt: "Sagen Sie mal junger Mann, fahren Sie zum Funkturm?"

Von jungen und alten Männern

Man muss diese Szene nicht besonders witzig finden, aber schmunzeln kann man schon darüber. Weshalb eigentlich? Nun, da ist zum einen die merkwürdige Gewohnheit, auch keineswegs junge Männer mit "junger Mann" anzusprechen.

Das ist wohl als eine Art Kompliment gemeint, wirkt aber dennoch oft nur lächerlich. Zum anderen ist es die Frage, ob der Fahrer zum Funkturm fährt. Hätte die Frage gelautet "Fährt dieser Bus zum Funkturm?", hätte der junge Mann, der keiner war, nicht die Chance gehabt, seinen Kalauer mit dem Bus, "der auch mitfährt" anzubringen.

Unkorrekt, aber witzig

Vor allem in der Alltagssprache finden sich jede Menge Äußerungen, die grammatikalisch-stilistisch zwar nicht korrekt, aber gewissermaßen durch die Hintertür witzig und durchaus komisch wirken können. Nur: Sie fallen uns kaum auf. Müssen sie auch nicht. Schließlich verstehen wir ja alle, was gemeint ist.

Zum Beispiel ist die Frage "Regnet es draußen?" nicht nur prima zu verstehen, sondern auch verhältnismäßig einfach zu beantworten. Weshalb aber sagen wir "draußen"? Wo soll es denn sonst regnen? "Die hat mich nass gespritzt", brüllt der Kleine auf dem Spielplatz und läuft schreiend zu seiner Mami. Klar hat sie nass gespritzt. Trocken geht nicht.

Grenzen verschwimmen

Die Alltagssprache lässt – um beim Wasser zu bleiben – die Grenzen zwischen Richtig und Falsch verschwimmen. Sie fügt hinzu, wo nichts hin müsste und lässt weg, wo durchaus was fehlt; aber das tut eigentlich nichts zur Sache. Hauptsache man kapiert, was gemeint ist.

"Ich geh' mal eben noch schnell unter die Dusche". Ein Alltagssatz, eine Alltagssituation; nichts Besonderes also. Aber weshalb sagen wir unter die Dusche? Neben oder über verbietet sich geradezu; allenfalls in die Dusche – wobei wir dann annehmen könnten, die Person mit Duschabsicht verfügt über eine separate Duschkabine und ist nicht auf die Dusche in der Badewanne angewiesen.

Bedeutungsverschiebungen

Beim Stichwort Badewanne darf der schon etwas betagte Witz mit dem Studenten und seiner Vermieterin nicht fehlen: "Haben Sie ein Bad genommen?", fragt sie misstrauisch, und der Student antwortet schlagfertig: "Warum? Fehlt eins?".

Der Witz, wenn es denn einer ist, liegt in der Bedeutungsverschiebung von "nehmen". Natürlich ist die Aussage grammatikalisch nicht falsch: "ein Bad nehmen". Sie wirkt im alltäglichen Sprachgebrauch aber gestelzt und liefert die Vorlage für eine witzig-freche Antwort.

Gehende Verkehrsmittel

Auch das Verb "gehen" wird umgangssprachlich häufig in falschen Zusammenhängen gebraucht: "Wie lange kannst du bleiben? Wann geht dein Bus?". Auch Züge gehen und selbst Flugzeuge. "Die erste Maschine geht um 7 Uhr 20 ab Berlin-Tegel" – "Um 18 Uhr 30 geht einer. Da brauchst du nicht umzusteigen". Busse, Bahnen und Flugzeuge gehen, aber sie können nicht gehen.

Eine der Grundbedeutungen von "gehen", nämlich das Zurücklegen einer Strecke von A nach B, macht es möglich, dass wir diese Redewendungen keineswegs als falsch empfinden. Sie sind es auch nicht. Solche sprachlichen Vereinfachungen sind ökonomisch. Sie werden auf Anhieb verstanden, sind Standard der Umgangssprache.

Der brennende Baum

Und an Weihnachten wird auch nicht die Feuerwehr gerufen, wenn wir wieder den Baum anzünden und uns freuen, wenn er brennt. Denn jeder weiß, dass dann nur die Kerzen gemeint sind, die brennen.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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