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Deutschland

Merkels Weg: Mit Zähigkeit und klug dosiertem Machtwillen

15 Jahre und viele Machtkämpfe später hat sie es geschafft: Als erste Frau in der Geschichte Deutschlands ist Angela Merkel nun zur Kanzlerkandidatin der Union gekürt worden. Wolter von Tiesenhausen kommentiert.

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Angela Merkel hat sich ein weiteres Mal durchgesetzt. Die so lange unterschätzte Frau aus dem Osten hat mit Zähigkeit und klug dosiertem Machtwillen die beiden Unionsparteien hinter sich vereint. Jetzt kann sie als gemeinsame Kanzlerkandidatin versuchen, das wichtigste politische Amt in Deutschland zu erringen.

Die Basis für diesen Erfolg legte sie mit einer vermeintlichen Niederlage. Als sie zum Jahresbeginn 2002 dem Drängen Edmund Stoibers nachgab und dieser daraufhin zum Kanzlerkandidaten gekürt wurde, bestand sie als Gegenleistung auf dem Vorsitz der gemeinsamen Bundestagsfraktion. Dies hat ihre Position so gefestigt, dass jetzt kein Weg mehr an ihr vorbei führte.

Die Aussichten, in etwas mehr als drei Monaten nicht nur die Kandidatur, sondern auch das Amt des deutschen Regierungschefs zu erringen, sind nicht schlecht. Die Umfragen signalisieren einen Vorsprung der Christdemokraten von 15 Punkten vor Gerhard Schröders SPD. Und auch im Koalitionsvergleich liegt die schwarz-gelbe Kombinantion von CDU und Liberalen klar vor Rot-Grün.

Vor allem aber sind 60 Prozent der Befragten der Meinung, es sei jetzt Zeit für einen Wechsel. Das erinnert an die letzte Bundestagswahl im Jahr 1998. Auch damals waren über 60 Prozent für einen Wechsel, der dann auch prompt zu Gunsten von SPD und Grünen vollzogen wurde.

2002 konnten Gerhard Schröder und die rot-grüne Koalition ihren Erfolg wiederholen: Die große Flut nach tagelangen Regenfällen richtete in Ostdeutschland eine Katastrophe an, bot Gerhard Schröder aber damit die Chance, entschlossenes Handeln zu demonstrieren. Außerdem entsprach das "Nein" zum Krieg gegen den Irak der Überzeugung der überwiegenden Mehrheit der Deutschen. Zudem gelang es der Union nicht, ihre Wähler in Ost- und Norddeutschland zu mobilisieren. Zwar punktete der damalige Kanzlerkandidat Edmund Stoiber in seinen bayerischen Stammlanden und im benachbarten Baden-Württemberg, doch nördlich der Mainlinie blieb die Resonanz gering.

Das - so hofft die Union - wird sich mit Angela Merkel ändern. Eine evangelische Politikerin aus dem Osten wird eher Zugang zu den Menschen im Norden finden als ein bayerischer Katholik. Die Stimmen der christdemokratischen Traditionswähler im Süden dürften Angela Merkel auch sicher sein. Denn die Sozialdemokraten stellen für dieses Klientel keine Alternative dar. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als in den dargebotenen norddeutschen, protestantischen und zudem noch weiblichen Apfel zu beißen.

Die Tatsache, dass sich zum ersten Mal eine Frau um das Kanzleramt bewirbt, wird nicht nur den Stil des Wahlkampfes beinflussen. Sie belegt: eine weitere, vermeintlich männliche Domäne ist gefallen. Der Vormarsch entschlossener und leistungsfähiger Frauen in Schlüsselpositionen der deutschen Gesellschaft setzt sich fort. Höchste Zeit für kluge Männer, das nicht nur zu respektieren, sondern als Bereicherung zu unterstützen.