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Politik & Gesellschaft

Merkels verhaltenes Lächeln zur Sommer-PK

Nach harten Verhandlungen zur Euro-Rettung fährt die Bundeskanzlerin in Urlaub. Zuvor trat sie aber in Berlin noch einmal vor die Presse; die Leute sollen schließlich im Gedächtnis behalten, was sie geleistet hat.

Angela Merkel auf dem Podium der Bundespressekonferenz (Foto: dapd)

Kommt da eine Siegerin? Entspannt und zufrieden wirkt Bundeskanzlerin Angela Merkel, als sie Punkt zwölf Uhr mittags die Treppen zum Saal der Bundespressekonferenz emporsteigt. Nicht wie der einsame Westernheld in "High Noon", sondern freundlich plaudernd mit Angela Wefers, Vorstandsmitglied der Bundespressekonferenz. Das ist der Verein der Hauptstadt-Korrespondenten, bei dem sie jedes Jahr vor Urlaubsbeginn zu Gast ist und Fragen beantwortet.

Diese Sommer-Pressekonferenzen waren oft sehr launig, es wurde viel gelacht. In diesem Jahr aber ist es anders. Merkels Eingangsstatement ist präzise, ernsthaft, knapp. Am Anfang die Botschaft: "Deutschland geht es so gut wie lange nicht." Die Zahl der Beschäftigten sei auf Rekordniveau, die Jugendarbeitslosigkeit seit 2005 halbiert, die Löhne zuletzt deutlich über die Inflationsrate hinaus gestiegen. "Deutschland hat die Krise hinter sich gelassen und steht stärker da als zuvor", bilanziert die Kanzlerin.

Nach dem Euro-Rettungs-Gipfel: "Einen Schritt weiter"

Journalisten und Fotografen beobachten Angela Merkel (Foto: dapd)

Vor vollem Saal: Angela Merkel bei der Bundespressekonferenz

Genau das müsse jetzt auch für Europa erreicht werden, so kommt Angela Merkel zu dem Thema, das an diesem Tag am meisten bewegt und dem anschließend mehr als die Hälfte aller Journalistenfragen gilt. Mit dem Brüsseler EU-Sondergipfel sei man bei der Euro-Rettung "einen Schritt weitergekommen". Das klingt nach Understatement angesichts des umfangreichen Maßnahmenpakets, das dort geschnürt wurde. Aber so ist es gar nicht gemeint. Ein "beherrschbarer Prozess aufeinanderfolgender kontrollierter Schritte", so geht Krisenbewältigung für die gelernte Physikerin. "Nur so kann verantwortungsvolles politisches Handeln aussehen", diktiert sie denen ins Stammbuch, die nach einem scharfen Schuldenschnitt für Griechenland gerufen haben.

Den Euroskeptikern, von denen sich auch in den Reihen der Christdemokraten einige finden, gibt die Parteivorsitzende mit auf den Weg: "Der Euro ist gut für uns, er ist Teil unseres wirtschaftlichen Erfolges. Ein Europa ohne Euro ist nicht mehr denkbar." Und deshalb sei es jede Anstrengung wert, die europäische Gemeinschaftswährung zu stabilisieren.

"Die Merkelsche Art der Leidenschaft"

Angela Merkel stehend am Podium der Bundespressekonferenz (Foto: dpa)

Es war der letzter Auftritt der Kanzlerin vor dem Sommerurlaub

In Merkels CDU gibt es aber vor allem immer noch viele Europa-Enthusiasten, allen voran Altkanzler Helmut Kohl. Er soll sich, so wird kolportiert, in letzter Zeit besorgt über Merkels Europapolitik geäußert haben. Auf eine Journalistenfrage, die darauf anspielt, sagt die amtierende Kanzlerin: "Wenn ich für alles so viel Leidenschaft hätte wie für Europa, bräuchte mein Tag 48 Stunden."

Und dann führt sie, gar nicht pathetisch, aus: Sie habe eine klare Vorstellung davon, was Europa leisten muss, damit seine Menschen weiter in Wohlstand leben. Europa dürfe sich nicht ausruhen, sonst falle es in der Welt zurück. Die Euro-Länder hätten sich wirtschaftlich auseinander entwickelt, nun müsse man für eine Angleichung sorgen, und zwar nicht zur Mitte hin, sondern dahin, wo die Stärkeren schon sind. "Das ist meine Leidenschaft, die Merkelsche Art der Leidenschaft, und die ist sehr intensiv."

Diese Sommer-Pressekonferenz ist anders

Die Bundeskanzlerin gestikuliert viel, meist mit der rechten Hand, manchmal mit der linken, und wenn sie ganz sicher sein will, dass auch jeder versteht, was sie erklärt, mit beiden Händen. Sehr konzentriert wirkt sie dabei, und kein bisschen angestrengt von den langwierigen Verhandlungen, die gerade hinter ihr liegen. Regierungssprecher Steffen Seibert rechts neben ihr sieht viel müder aus. Wenn Gastgeberin Angela Wefers zwischendurch anmerkt, dass sie immer noch über zwanzig Wortmeldungen auf der Liste hat, huscht ein verhaltenes Lächeln über Angela Merkels Gesicht. Das weicht aber sofort wieder einem aufmerksamen Zuhören, wenn der nächste Journalist eine Frage stellt.

Witzige Geplänkel zwischen Kanzlerin und Berichterstattern, die sonst oft den Reiz dieser Sommer-Pressekonferenzen ausmachten: Fehlanzeige. Dafür ist die Lage wohl doch zu ernst an diesem verregneten Sommertag 2011.

Autor: Peter Stützle
Redaktion: Bettina Marx

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