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Europa

Merkels schwierige Reise nach Griechenland

Die Bundeskanzlerin reist zum ersten Mal nach Ausbruch der Finanzkrise nach Athen. Es soll ein Zeichen der Solidarität sein. Aber ein Besuch auf Augenhöhe wird es nicht.

Jetzt ist es endlich soweit. Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht am Dienstag (09.10.2012) Griechenland, das Euroland, das am stärksten von der internationalen Finanzkrise getroffen ist. Von einem ganz normalen Termin spricht Regierungssprecher Steffen Seibert, als er die Reise ankündigt, ganz so wie eine nach Rom oder Madrid. Es ginge dabei um eine Demonstration von Solidarität und enger Freundschaft. 2007 war Merkel zum letzten Mal in Athen - ein Jahr bevor die Bank Lehmann Brothers Pleite ging und die Finanzmärkte Griechenland an den Rand des Staatsbankrotts brachten. Schlechte Vorraussetzungen für einen Routinebesuch. Vor allem, wenn man das Verhältnis der beiden Staaten zueinander betrachtet.

Protestierende Griechen (Foto: Reuters)

Erhitzte Proteste der Griechen gegen das Spardiktat der Troika

Man begegnet sich schließlich nicht gerade auf Augenhöhe. Angela Merkel reist an als jemand, der nach dem Rechten sieht, in einem Land, das in Unordnung geraten ist. Aus Merkels Sicht ist Deutschland - natürlich unter ihrer Führung - das Land in der Eurozone, das geradezu beispielhaft auf die Krise reagiert hat. Ein Land voller sozialem Zusammenhalt, so umschreibt Merkel im August den Umstand, dass die Deutschen so ruhig auf Sozialkürzungen und stagnierende Löhne reagiert haben. Sie sind eben so ganz anders als die Griechen, mit den erhitzten Massendemonstrationen, Gewaltausbrüchen, verbissenen Streikaktionen und den bestürzenden TV-Bildern von Feuer und Zerstörung.

Fördern und fordern

Die Kanzlerin betont, dass sie alles richtig macht. Und ermahnt Athen, es ihr nachzutun. Immer wieder pochte sie in den vergangenen Monaten und Wochen darauf, dass Athen die von der EU geforderten Reformschritte zur Sanierung des Haushalts umsetzt. Dabei blute ihr das Herz, wenn sie die Rentenkürzungen für Beamte und Angestellte sehe, bekannte die Unionspolitikerin auf einer Diskussionsveranstaltung. Ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble drohte im Vorfeld des Staatsbesuchs damit, den Geldhahn zuzudrehen, wenn die Griechen nicht voran kämen - ebenso wie eine ganze Reihe von Abgeordneten ihrer Partei CDU, die sie auffordern, Druck zu machen. "Sie muss dort Tacheles reden und der griechischen Regierung die Optionen klar machen", so der stellvertretende Unionsfraktionschef Michael Fuchs gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Merkel und Griechenlands Premier Samaras (Foto: dapd)

Merkel und Griechenlands Premier Samaras

Angela Merkel hat in der Vergangenheit wiederholt und eindrücklich dafür geworben, den Griechen Finanzhilfen bereit zu stellen. Da ist ihr aus griechischer Sicht wenig vorzuwerfen. Ausführlich in ihrer Regierungserklärung tat sie das am 25. Februar, als das zweite Hilfspaket für Griechenland im Bundestag verabschiedet wurde. Sie wandte sich dabei deutlich gegen die Skeptiker, die sich einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone wünschten. "Europa gewinnt, wenn der Euro gewinnt", sagte sie damals; und dass die gemeinsame Währung gewinne, wenn sie von Solidität, Wachstum und Solidarität getragen werde. Aber Merkel wirkt bei ihrem Eintreten für einen Verbleib der Griechen in der Eurozone vor allem pragmatisch. "Die Risiken einer Insolvenz Griechenlands sind unabwägbar", sagte sie, "Abenteuer verbietet mir mein Amtseid."

Aversionen und Populismus

Das kommt möglicherweise nicht gut an bei den Hilfsempfängern. Es kursieren Collagen von Merkel mit Hitlerbärtchen oder mit Hakenkreuzbinde am Arm auf griechischen Plakaten und Titelseiten. Im letzten Wahlkampf machten populistische Parteien gezielt Stimmung gegen die deutsche Politikerin. Jetzt scheinen die Griechen entsprechend aufgebracht zu sein. Die Polizei in Athen will angeblich 7000 Polizisten einsetzen, damit die Lage während des Staatsbesuchs nicht aus dem Ruder läuft. Ein solches Kontingent hat die griechische Hauptstadt zuletzt 1999 gesehen. Da war US-Präsident Bill Clinton angereist, und die Griechen empörten sich über die Nato-Luftangriffe auf Serbien. Mögen die Griechen Merkel nicht?

Eine Münze der ehemaligen griechischen Währung Drachme (Foto: dpa)

CSU-Politiker wünschen die Drachme zurück

Oder mögen die Deutschen die Griechen nicht? Die größte und meinungsmächtigste Boulevardzeitung in Deutschland vermittelt stetig den Eindruck, dass dort ein faules und unfähiges Volk mit korrupten Politikern das hart erarbeitete Geld der Bundesbürger verprasst - und dann auch noch keine Dankbarkeit zeigt. Als Beleg druckte die "Bild"-Zeitung die griechischen Nazi-Merkel-Bilder ab. Ein Karussell der Erregung, durch das das deutsch-griechische Verhältnis in Bewegung bleibt. Besonders angetrieben wird es von Mitgliedern der Regierungspartei CSU. Zuletzt hatte Generalsekretär Alexander Dobrindt vorhergesagt, dass die Griechen bald wieder mit der Drachme zahlen würden. "Wir sollten alle unsere Worte wägen", antwortete Merkel darauf vorsichtig.

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