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Deutschland

Merkel will Waffenbesitz besser kontrollieren

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nach dem Amoklauf von Winnenden zu mehr Wachsamkeit aufgerufen. Vier Tage nach der Tat mit insgesamt 16 Toten gibt es über das Motiv des Täters noch keine gesicherten Erkenntnisse.

Angela Merkel gibt im Bundeskanzleramt in Berlin ein Statement zu dem Amoklauf in Winnenden ab (Foto: AP)

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Pressekonferenz zum Amoklauf am 11. März

Ganz verhindern könne man Taten wie die in der baden-württembergischen Kleinstadt nie, sagte Merkel am Sonntag (15.03.2009) im Deutschlandfunk. Es sei sehr schwer, sofort mit einem Maßnahmenkatalog auf ein solches Ereignis zu antworten. "Wir müssen aufmerksam sein, das ist die Lehre, auf alle jungen Menschen - das gilt für Eltern, das gilt für Erzieher. Wir müssen alles tun, um zu schauen, dass Kinder nicht an Waffen kommen", mahnte die Kanzlerin.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble gibt am 12. März vor Mikrofonen eine Erklärung zum Amoklauf in Winnenden ab (Foto: AP)

Wolfgang Schäuble warnt vor schnellen Gesetzesinitiativen

Bei der Aufbewahrung von Waffen und Munition müsse die Einhaltung der Regeln kontrolliert werden, verlangte Merkel. Denkbar seien auch unangemeldete Kontrollen von Waffenbesitzern, sagte sie weiter. Auch den Zugang zu Gewaltvideos im Internet müsse man prüfen.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnte vor schnellen Gesetzesinitiativen. "Ich bin ausdrücklich nicht der Meinung, dass man zwei Stunden nach einem solchen Ereignis sicher wissen kann, welche Gesetze es braucht, um so etwas zu verhindern", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Suche nach Halt in der Gemeinschaft

In der Altstadt von Winnenden sind Trauerflore an einem Baum befestigt (Foto: AP)

Eine Stadt trägt Trauer

In einem weiteren Gedenkgottesdienst haben derweil rund 500 Menschen in Winnenden der Opfer des Amoklaufs gedacht. Der katholische Geistliche Ulrich Kloos sprach in der St.-Karl-Borromäus-Kirche von einer unmenschlichen Tat, nach der es unschätzbar wichtig sei, "dass wir Menschen uns gegenseitig tragen". Es sei wichtig, alle "Klagen und Fragen" auszusprechen. Im Glauben und in der Gemeinschaft bestehe die Möglichkeit, Halt zu finden.

Unter den Opfern war auch eine Ministrantin der Gemeinde. Die 16-Jährige wurde am Samstag als erstes der insgesamt 15 Opfer in Winnenden beigesetzt. Sie sei eine tiefgläubige, stets hilfsbereite und zuvorkommende junge Frau gewesen, hieß es.

Die Frage nach dem Warum ist auch am vierten Tag nach dem Amoklauf noch völlig ungeklärt. Auf der Suche nach einem Motiv befragten die Ermittler auch am Wochenende Schüler, Lehrer und sonstige Augenzeugen. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg durchsucht weiter den Computer des Amokläufers, der von Freunden und Bekannten durchweg als freundlich, nicht aggressiv, aber zurückgezogen beschrieben wird. Die Polizei will ihre neuen Ermittlungsergebnisse voraussichtlich am Montag bekanntgeben.

Heldenhafte Lehrer

Seelsorger gegenüber der Schule in Winnenden (Foto: AP)

Lehrer und Schüler brauchen Hilfe von Seelsorgern

Die Lehrer der Albertville-Realschule haben bei dem Amoklauf nach offiziellen Angaben wie Helden gehandelt. Der Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl sagte am Sonntag: "Die Lehrerinnen und Lehrer haben in doppelter Hinsicht heldenhaft reagiert. Sie haben - obwohl manche schon verletzt waren - die Schüler rechtzeitig in Sicherheit gebracht und haben bei den Schülern für Ruhe gesorgt." Herausragend sei auch die Leistung der Pädagogen nach dem Tattag, als sie trotz der eigenen tiefen seelischen Betroffenheit weiter die Schüler betreuten.

"Die Lehrer sind auch weiter wichtig, weil sie Brücken bauen für die Psychologen, die die Kinder und Jugendlichen betreuen", sagte Schmalzl. Der Regierungspräsident sprach zugleich von einer "beeindruckenden Welle der Unterstützung". Aus vielen Regionen Baden-Württembergs und aus anderen Bundesländern habe es vielfältige Hilfsangebote gegeben. Der Oberbürgermeister der gut 27.000 Einwohner zählenden Stadt, Bernhard Fritz, sagte: "Dass wir so viel Zuneigung, Zuwendung und Hilfe bekommen, zeigt uns: Wir sind nicht allein."

Internet-Kondolenzbuch

Rote Rosen und Teelichter in einer Kirche (Foto: AP)

Im Online-Kondolenzbuch, das das Land Baden-Württemberg eingerichtet hat, waren bis Sonntagnachmittag bereits über 600 Einträge veröffentlicht, die aus Maileinsendungen ausgewählt wurden. Ein Polizeibeamter schrieb: "Fassungslosigkeit und Trauer werden begleitet von dem Gefühl der Hilflosigkeit, nicht genügend zur Verhinderung solch eines Grauens tun zu können." Und auch Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) zeigt sich in seinem Eintrag hilflos: "Wir sind fassungslos und suchen verzweifelt nach Erklärungen." Und: "Das sind Vorfälle, die man noch lange verarbeiten muss."

Nach dem Amoklauf wird es für die Schüler der Realschule ein freiwilliges Unterrichtsangebot geben. Schulpflicht bestehe in der kommenden Woche nicht, sagte der leitende Schuldirektor beim Regierungspräsidium Stuttgart, Wolfgang Schiele. Der Unterricht werde in Gemeinde- und Sporthallen abgehalten. Dort werde die Möglichkeit zum Gespräch und zur gemeinsamen Trauerarbeit bestehen. (je)

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