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Aktuell Welt

Merkel unter dem Ahornblatt

Bundeskanzlerin Merkel ist zu einem zweitägigen Besuch in Kanada eingetroffen. Die bilaterale Zusammenarbeit ist eng. Dennoch gibt es offene Positionen.

So erwartet Deutschland von Kanada in der Endphase der Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union Nachbesserungen. Kanada müsse sich vor allem bei Fragen des geistigen Eigentums, bei öffentlichen Aufträgen und im Dienstleistungsbereich bewegen, verlautete am Dienstag aus Berliner Regierungskreisen.

Die seit 2009 unter Federführung der EU-Kommission laufenden Verhandlungen sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Zentrale Frage sei, inwieweit Kanada seine Märkte öffne, hieß es. Auch Lizenzfragen etwa im starken kanadischen Bereich der Informationstechnik, müssten noch geklärt werden.

Rohstoffe und Schuldenkrise

Kanada erwartet hier entscheidende Impulse aus Berlin. Es sei angesichts der Schwierigkeiten in der Weltwirtschaft wichtig, dass dieses Abkommen unter Dach und Fach gebracht werde, sagte der kanadische Premierminister, Stephen Harper, vor Journalisten in Toronto.

Tagebau für Ölsände in der kanadischen Provinz Alberta (Foto: AP)

Umweltpolitisch umstritten aber heiß begehrt: Öl aus kanadischen Ölsänden

Deutschland ist seinerseits an kanadischen Rohstoffen interessiert. Merkel will deshalb einen Ausbau der Kooperation im Rohstoffbereich erreichen. Kanada verfügt über die drittgrößten Erdölreserven der Welt, vor allem in Form von Ölsänden. Deren Ausbeutung gilt als umweltbelastend. Themen der Gespräche werden deshalb auch die erneuerbaren Energien und der Klimawandel sein.

Die Kanzlerin will am Donnerstag mit Harper in Ottawa auch über die Eurokrise, die Lage in Syrien, im Iran und in Afghanistan reden. Kanada drängt Deutschland seit langem, eine Führungsrolle bei der Lösung der Schuldenkrise zu übernehmen. Entschieden wehrt sich das Land gegen die auch von Merkel befürwortete Steuer auf Finanztransaktionen.

Enges Vertrauensverhältnis

Kanadas Ministerpräsident Stephen Harper (Foto: Reuters)

Fährt einen eigenen Kurs: Kanadas Ministerpräsident Stephen Harper

Kein Thema dürfte dagegen die Weigerung Kanadas sein, sich ebenso wie die USA an der Aufstockung der Gelder für den Internationalen Währungsfonds zur Abwehr globaler Krisen zu beteiligen. Es sei in erster Linie Sache der nicht gerade armen Europäer, ihr Haus wieder in Ordnung zu bringen und zu zahlen, lautete Kanadas Position. Die Bundesregierung will da nicht nachtreten. Schließlich konnten die IWF-Gelder auch ohne die USA und Kanada auf 465 Milliarden Dollar angehoben werden.

Gleich nach ihrer Ankunft kam Merkel mit Harper zu einem informellen Abendessen unter vier Augen zusammen. Auch das ein Beweis für das "enge Vertrauensverhältnis" zwischen den beiden Regierungschefs.

gmf/qu/hp (dpa, dapd, rtr)