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Aktuell Deutschland

Merkel stützt Schavan - noch

Hat die Bundesbildungsministeren Schavan bei ihrer Dissertation abgeschrieben? Ein Gutachter wirft der Ministerin Presseberichten zufolge Täuschungsabsicht vor. Die Kanzlerin stellt sich hinter ihre Parteifreundin.

Nach den neuen Plagiatsvorwürfen wird Bildungsministerin Schavan im Kampf um ihren Ruf von Kanzlerin Angela Merkel und mehreren Kabinettskollegen unterstützt. "Die Ministerin hat mein vollstes Vertrauen", sagte Merkel in Berlin. Allerdings machte sie deutlich, dass nur die Universität Düsseldorf die Doktorarbeit Schavans beurteilen könne. Der Druck auf die Universität stieg, die CDU-Ministerin anzuhören. Schavan selbst wies den Täuschungsvorwurf in Interviews zurück und besteht auf einer Anhörung. Von der Hochschule war am Montag zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

"Hochschule ist unabhängig"

Zuvor war ein internes Gutachten bekanntgeworden, in dem der Vorsitzende des zuständigen Promotionsausschusses laut Medienberichten eine Täuschungsabsicht bei der 32 Jahre alten Doktorarbeit feststellt. Der Ausschuss soll einem weiteren Uni-Gremium, dem Fakultätsrat, nun eine Empfehlung abgeben. Merkel betonte: "Die Hochschule ist unabhängig in ihrer Urteilsfindung. Insofern habe ich davor natürlich den notwendigen Respekt."

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Schavan ernergisch gegen Plagiatsvorwurf

Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) stärkten Schavan ebenfalls den Rücken. Rösler wandte sich gegen eine Vorverurteilung. "Ich gehe von einem fairen Verfahren aus", sagte der Wirtschaftsminister. Thomas de Maizière sagte den "Ruhr Nachrichten" in der Dienstag-Ausgabe: "Ich finde es unerhört, dass dieses Gutachten an die Öffentlichkeit gekommen ist, ohne ihr zuvor Gelegenheit zu geben, dazu selbst Stellung zu nehmen."

Die SPD hält den Rücktritt Schavans für unausweichlich, falls sich der Plagiatsverdacht bestätigen sollte. "Sie kann als Wissenschaftsministerin ihre Arbeit nicht mehr glaubwürdig tun, sollten sich die Vorwürfe erhärten", sagte Generalsekretärin Andrea Nahles. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann erklärte, Annette Schavan sie müsse sich an ihren Maßstäben im Fall Karl-Theodor zu Guttenberg messen lassen. Damals hatte die CDU-Politikerin, die als enge Vertraute der Kanzlerin gilt, wegen der Plagiatsvorwürfe gegen den damaligen Verteidigungsminister gesagt, sie schäme sich als Wissenschaftlerin "nicht nur heimlich".

Berlin/ ARCHIV: Der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) geht in Berlin im Verteidigungsministerium im Treppenhaus um im Erdgeschoss seinen Ruecktritt zu erklären (Foto: dapd)

Musste zurücktreten: der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast meinte: "Die Glaubwürdigkeit, die sie für eine gute Amtsführung braucht, hat sie schon verloren." Grünen-Chef Cem Özdemir sagte hingegen, es gelte die Unschuldsvermutung.

Schavan selbst setzte sich gegen die Vorwürfe zur Wehr. "Ich habe zu keinem Zeitpunkt bei der Arbeit an meiner Dissertation versucht zu täuschen", sagte sie der "Rheinischen Post". Und weiter: "Sobald mir der Promotionsausschuss Gelegenheit dazu gibt, werde ich zu den Vorwürfen Stellung nehmen." Die Ministerin kritisierte zugleich das Bekanntwerden von Einzelheiten des Gutachtens: "Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, dass ein vertrauliches Gutachten eines Hochschullehrers der Presse vorliegt, bevor die Betroffene von der Existenz des Gutachtens weiß."

"Person und Gewissen"

Die Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität überprüft seit mehreren Monaten Schavans Doktorarbeit aus dem Jahr 1980 auf Plagiatsvorwürfe. Wie "Spiegel" und "Süddeutsche Zeitung" berichteten, hat der Gutachter Stefan Rohrbacher auf 60 von 351 Seiten Mängel gefunden und eine leitende Täuschungsabsicht festgestellt. In der Arbeit mit dem Titel "Person und Gewissen" geht es darum, wie das Gewissen und eigenverantwortliche Handeln gestärkt werden kann.

ml/kle (dpa, afp, rtr)

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