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Deutschland

Merkel spricht mit Papst

In einem Telefongespräch haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Papst Benedikt XVI. die jüngsten Verstimmungen in der Affäre um den Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson ausgeräumt.

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Verstimmung ausgeräumt! Bundeskanzlerin Angela Merkel und Papst Benedikt XVI. führten klärendes Gespräch

"Es war ein gutes und konstruktives Gespräch, getragen von dem gemeinsamen tiefen Anliegen der immerwährenden Mahnung der Schoah für die Menschheit", teilten Vatikan-Sprecher Pater Federico Lombardi und der Sprecher der Bundesregierung, Ulrich Wilhelm, am Sonntag (08.02.2009) in einer gemeinsamen Presseerklärung mit. Der Papst und die Kanzlerin hätten in "großem gegenseitigen Respekt" ihre Haltungen ausgetauscht. Das Gespräch kam auf Wunsch Merkels zustande.


Unterdessen erklärte Williamson, seine Meinung zum Holocaust vorerst nicht zu widerrufen. Zu Verstimmungen war es gekommen, nachdem Merkel eine klare Haltung des Vatikan im Fall Williamson angemahnt hatte. Unionspolitiker und einige Bischöfe sprachen von einer nicht akzeptablen Einmischung in Kirchenangelegenheiten. Am Mittwoch verlangte der Papst von Williamson einen Widerruf. Merkel sprach daraufhin von einem "wichtigen und guten Signal". Williamson begründete im "Spiegel"-Interview seine Verweigerung des vom Papst geforderten Widerrufs damit, er wolle zunächst die historischen Beweise für millionenfachen Mord an den Juden durchprüfen. "Und wenn ich diese Beweise finde, dann werde ich mich korrigieren. Aber das wird Zeit brauchen", sagte Williamson in seiner ersten öffentlichen Äußerung zu dem Streit. In einem Fernsehinterview hatte der Brite erklärt, historische Fakten sprächen gegen die Existenz von Gaskammern. Es seien nicht sechs Millionen Juden von den Nazis ermordet worden, sondern 200.000 bis 300.000 - aber keiner von ihnen in Gaskammern.Er war vor kurzem mit drei anderen exkommunizierten Bischöfen der erzkonservativen Piusbruderschaft durch Papst Benedikt wieder in die Kirche aufgenommen worden. Nach Darstellung des Vatikan hat der Pontifex von der Holocaust-Leugnung Williamsons nichts gewusst.

Großbritannien Bischof Richard Williamson

Der britische Bischof Richard Williamson will seine Holocaustleugnung vorserst nicht widerrufen


Sprunghafter Anstieg der Kirchenaustritte


Unterdessen mehren sich Anzeichen für eine Austrittswelle empörter deutscher Katholiken. Standesämter und Amtsgerichte in deutschen Städten vermelden sprunghaft gestiegene Kirchenaustritte. "Die Austrittswelle hat bereits eingesetzt", stellte auch Pater Eberhard von Gemmingen, Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, gegenüber der "Passauer Neuen Presse" fest. Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Papst und den deutschen Katholiken ist seiner Ansicht nach "ein wenig lädiert". Der geplante Papstbesuch in Deutschland im kommenden Jahr könne diese Situation möglicherweise verbessern.


Einer "emnid"-Umfrage im Auftrag von "Bild am Sonntag" zufolge hat der Papst nach Ansicht von 67 Prozent der deutschen Katholiken mit der Teil-Rehabilitierung von Williamson seiner Kirche geschadet. 28 Prozent glauben, dies sei nicht der Fall. Bei allen Deutschen ist das Bild ähnlich (67 zu 22 Prozent).

Kölner Dom: Gläubige beten für den Papst

Bald ein Bild mit Seltenheitswert? Die Kirchenaustritte häufen sich

Piusbruderschaft beugt sich dem wachsenden Druck

Der Holocaust-Leugner Richard Williamson ist nach Informationen der argentinischen Nachrichtenagentur DyN inzwischen von seinem Posten als Leiter eines Priesterseminars in der Nähe der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires entbunden worden. Dies habe der Leiter der erzkonservativen Pius-Bruderschaft für Lateinamerika, Christian Bouchacourt, angeordnet, berichtete DyN unter Berufung auf die Bruderschaft.

Die Piusbruderschaft schloss unterdessen auch einen Priester in Italien wegen seiner Äußerungen zum Holocaust aus. Floriano Abrahamowicz hatte nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur "Ansa" gesagt, dass die Gaskammern in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten zur Desinfektion genutzt worden seien. Ob Menschen darin auch umgebracht wurden, könne er nicht sagen. Wie "Ansa" weiter berichtete, solle der Ausschluss des Priesters, der auch Williamson verteidigt hatte, nach Angaben der Piusbruderschaft Schaden von der Organisation abwenden.

Das Verhältnis der katholischen Kirche zu Williamson und seiner Piusbruderschaft wird mehr und mehr zur Belastung für den Papst. Stimmen aus Politik und Kirchenverbänden, die eine klare Abgrenzung fordern, häufen sich.

Symbolbild Piusbruderschaft

Kein Platz mehr in der katholischen Kirche! Die Forderungen nach einem Ausschuss der Piusbruderschaft häufen sich

So sprach sich auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, eindeutig für den Ausschluss Williamsons aus der katholischen Kirche aus. In einem Gespräch der "Bild am Sonntag" sagte er: "Herr Williamson ist unmöglich und unverantwortlich. Ich sehe jetzt keinen Platz mehr für ihn in der katholischen Kirche." Der Freiburger Erzbischof kündigte darüber hinaus an, schon am Montag werde er der Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, zwei Terminvorschläge für ein Treffen machen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland fordert von Benedikt XVI., sich klar von der Piusbruderschaft zu distanzieren.(fg)