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Aussenpolitik

Merkel möchte faire Lösung im Streit zwischen Katar und den Golfstaaten

Die diplomatische Krise am Golf dauert an. Nur Gespräche zwischen den Kontrahenten könnten sie beenden, mahnte Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Besuch von Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani in Berlin.

Die anhaltende Blockade Katars durch seine Nachbarländer stand im Mittelpunkt des Gesprächs, das Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Emir von Katar Tamim bin Hamad Al Thani im Berliner Kanzleramt führte. "Wir sehen mit Sorge, dass auch 100 Tage nach Beginn des Konfliktes noch keine Lösungen sichtbar sind", sagte Merkel nach der Unterredung. Am 5. Juni hatten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen, weil sie dem Golfstaat die Unterstützung von islamistischen Terrororganisationen vorwerfen, darunter die Muslimbrüder und vom Iran geförderte Gruppierungen.

Außerdem kündigten sie die Einstellung sämtlicher Verkehrsverbindungen an und schlossen Katar aus der Militärkoalition aus, die im Jemen gegen die schiitischen Huthi-Rebellen kämpft. Seither vermitteln Kuweit und die USA zwischen den Golfstaaten. Die Regierung in Doha hat die Vorwürfe der Nachbarländer stets zurückgewiesen. Sie vermutet eine gezielte Kampagne gegen Katar, die die Vereinigten Arabischen Emirate durch Falschmeldungen ausgelöst hätten. Diese seien von Hackern auf der Website der staatlichen katarischen Nachrichtenagentur platziert worden.

Nicht vermitteln, aber unterstützen

Der Emir habe ihr gegenüber betont, "dass auch Katar von seiner Seite aus alles tun will, um den internationalen islamistischen Terrorismus zu bekämpfen", sagte Merkel. Sie schlug vor, dass die Kontrahenten sich baldmöglichst an einen Tisch setzen sollten. Deutschland sei "nicht Partei in diesem Konflikt", wolle aber zu einer Lösung beitragen, bei der "alle ihr Gesicht wahren können". Das gehe am besten in diskreten Gesprächen, die "nicht sofort in der Zeitung stehen", sagte die Bundeskanzlerin. Katar sei bereit, sich mit den anderen Ländern an einen Tisch zu setzen, betonte der 37-jährige Al Thani, der auf seiner Reise zur Generalversammlung der Vereinten Nationen einen Stopp in Berlin einlegte. 

Katar Öl- und Erdgasförderung bei Ras Laffan (Getty Images/AFP/K. Jaafar)

Reichtum durch Gasvorkommen: Katar ist der größte Flüssiggas-Produzent der Welt

Die Bundesregierung sei nicht nur mit Katar, sondern auch mit Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten "im permanenten Gespräch", wies Merkel die Vermutung zurück, Deutschland könnte einseitig Partei für das kleine aber mächtige Emirat ergreifen, das dank seiner reichen Gasvorkommen das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt hat. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland  und Katar sind eng - Katar hält Anteile an der Deutschen Bank und an Volkswagen. Sein Vertrauen in die deutsche Wirtschaft sei trotz der Probleme bei diesen Unternehmen groß, betonte Al Thani.

Kritik an Rüstungsexporten nach Katar

Im vergangenen Jahr exportierten deutsche Firmen Waren im Wert von 2,5 Milliarden Euro nach Katar, auch Rüstungsgüter. Das kritisiert die Linkspartei. Statt "den Emir zu hofieren", müsse Deutschland seine Beziehungen zu Katar auf den Prüfstand stellen und die Rüstungsverkäufe stoppen, sagte die Außenpolitikerin Sevim Dagdelen. Ein Land, das zu den "Förderern der Muslimbrüder" gehöre und "islamistische Terrorgruppen im Nahen Osten" unterstütze, dürfe von der Bundesregierung nicht länger mit Kriegswaffen versorgt werden.

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