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Deutschland

Merkel lobt Krisenmanagement an der Oder

Die Scheitelwelle des Oder-Hochwassers hat die deutsche Grenzstadt Frankfurt passiert. Bislang haben die Deiche den Wassermassen standgehalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel machte sich vor Ort ein Bild von der Lage.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schaut am Samstag (29.05.2010) gemeinsam mit Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) in Frankfurt (Oder) auf das Hochwasser des deutsch-polnischen Grenzflusses Oder. (Foto: dpa)

Hoher Besuch an der Oder

Zusammen mit dem brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck ließ sich Angela Merkel am Samstagmittag (29.05.2010) im Katastrophenschutzzentrum in Frankfurt (Oder) die Situation in den vom Hochwasser bedrohten Gebieten erklären. Die Lage bleibe stabil, aber angespannt, hieß es. Die Bundeskanzlerin lobte Behörden und Einsatzkräfte. Sie habe festgestellt, dass die organisatorischen Strukturen sehr eingespielt seien und auch die Kooperation mit dem polnischen Nachbarn gut geklappt habe, sagte Merkel. Sie fahre nun mit einem "etwas ruhigeren Gefühl" nach Hause, wisse aber auch, dass die Gefahr noch nicht vorbei sei.

Erste Bewährungsprobe bestanden

Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck sagte, Merkel habe ein Hilfsangebot unterbreitet, das man derzeit aber noch nicht in Anspruch nehmen müsse. Deiche und Spundwände hätten ihre erste Bewährungsprobe bestanden. Die "Achillesferse" sei aber der Oderbruch. Dort seien 15.000 Menschen gefährdet, da das Gebiet tiefer als der Fluss liege. Beim Jahrhunderthochwasser 1997 waren weite Teile des Oderbruchs überschwemmt worden. Seitdem waren die Deiche am deutschen Oderufer mit rund 220 Millionen Euro grunderneuert und aufgestockt worden.

Feuerwehr und freiwillge Helfer sichern einen Oder-Deich (Foto: dpa)

Rund um die Uhr im Einsatz

Nach Angaben des Lagezentrums wurden am Samstagmorgen eine Reihe kleinerer Schäden an den Dämmen gemeldet. Die Risse in den Deichen würden mit Sandsäcken gestopft und die betroffenen Dämme mit zusammengebundenen Baumstämmen stabilisiert. Mehr als hundert Deichläufer seien in Zwölf-Stunden-Schichten rund um die Uhr unterwegs und kontrollierten die Deiche Meter für Meter. "Jetzt kommt immer mehr die Zeitfrage ins Spiel", sagte ein Sprecher.

Die Pegel sollen mindestens drei Tage lang auf hohem Niveau bleiben, so dass die Dämme langsam durchweichen und das Risiko von Deichbrüchen steigt. Besonders bedroht sind Abschnitte, die noch nicht saniert wurden. In Ratzdorf und Eisenhüttenstadt südlich von Frankfurt (Oder) sinken die Pegel unterdessen wieder langsam. Der Höchststand im Grenzort Ratzdorf, wo Oder und Neiße zusammenfließen, blieb etwa einen halben Meter unter der Marke vom Sommer 1997.

Bangen und Hoffen auf polnischer Seite

Ein Bewohner im polnischen Slubice beobachtet die Oder. Im Hintergrund: die deutsche Nachbarstadt Frankfurt am Ostufer. (Foto: dpa)

Banger Blick auf den Fluss

Auch in Frankfurts polnischer Nachbarstadt Slubice auf der östlichen Seite der Oder blieb die Hochwasser-Lage trotz des erreichten Scheitelpunktes der Flut stabil. Die Dämme hielten dem Druck der Wassermassen stand, es gebe keine größeren Unterspülungen, meldete der Krisenstab in Slubice. Der Fluss blieb unter dem erwarteten Höchststand von sechs Metern. Gut vorbereitet auf die Flutwelle ist laut regionalen polnischen Behörden auch Kostrzyn (Küstrin). Die Deiche an der Stelle, wo die Warthe in die Oder fließt, würden ständig verstärkt, sagte ein Sprecher.

Auf der Warthe näherte sich unterdessen der Hochwasserscheitel der größten Stadt Westpolens, Poznan (Posen). Der Pegel zeigte am Morgen 6,34 Meter und stieg weiter. Im Tagesverlauf kann das Wasser die 6,50-Meter-Marke überschreiten. Soldaten und freiwillige Helfer seien im Einsatz, um die Unterspülungen der Dämme schnell zu beseitigen, hieß es. Seit 1997 waren die Dämme in Posen erneuert worden und können nun einem Hochwasser bis zu sieben Metern standhalten.

Geöffnete Polder sollen Lage entspannen

Während im südlichen Brandenburg die Pegelstände bereits leicht sinken, wird wegen der in Richtung Ostsee abfließenden Hochwasserwelle am nördlichen Oderabschnitt mit steigenden Pegeln gerechnet. Der höchste Pegelhub wird in Stützkow im Nationalpark Unteres Odertal erwartet. In dem Nationalpark war am Freitag der erste Polder geflutet worden, ein weiterer steht zur Öffnung bereit. Ziel ist es, vor allem die polnischen Anliegergemeinden sowie das polnische Szczecin (Stettin) vor der Hochwasserwelle zu schützen.

Autor: Manfred Böhm (dpa, rtr, apn, afp)

Redaktion: Sabine Faber

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