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Aktuell Deutschland

Merkel ehrt in Dachau Nazi-Opfer

Bundeskanzlerin Merkel hat das ehemalige Nazi-Konzentrationslager in Dachau bei München besucht. Dabei traf sie auch mit Überlebenden des Holocausts zusammen.

"Für mich ist es ein sehr besonderer Moment", sagte Angela Merkel bei der Begegnung mit den Nazi-Opfern. "Die Erinnerung an diese Schicksale erfüllt mich mit tiefer Trauer und Scham." Zu Ehren der Opfer des Nationalsozialismus legte Merkel in der KZ-Gedenkstätte einen Kranz nieder. Die Kanzlerin war vom Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer zu dem Besuch eingeladen worden. Der 93-Jährige ist Vorsitzender der "Lagergemeinschaft Dachau". Merkel ist die erste deutsche Regierungschefin, die das ehemalige KZ in Bayern während ihrer Amtszeit besuchte.

Den Deutschen bleibe die Verantwortung, sich gegen jede Form von
Rechtsextremismus und Antisemitismus zu erheben, betonte Merkel. Die Erinnerungen müssten von Generation zu Generation weitergegeben werden. Junge Leute müssten wissen, wie sie extremen Tendenzen entgegenwirken könnten.

Das Konzentrationslager in Dachau wurde von den Nazis im März 1933 in einer stillgelegten Munitionsfabrik errichtet, knapp zwei Monate nach der Machtergreifung. Dachau diente als Modell für alle späteren Konzentrationslager der Nationalsozialisten. Zu den Gefangenen zählten neben politischen Gegnern des Hitler-Regimes bald auch Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und Menschen, die die Nazis als "Asoziale" und "Kriminelle" verfolgten. In den zwölf Jahren der NS-Herrschaft wurden in Dachau und den zahlreichen Außenlagern mehr als 200.000 Menschen aus ganz Europa gefangen gehalten. SS-Schergen ermordeten mehr als 43.000 Häftlinge.

Schon im Vorfeld hatte der Besuch der Bundeskanzlerin in der Gedenkstätte für Diskussionen gesorgt. Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Renate Künast, nannte es in der "Leipziger Volkszeitung" eine "geschmacklose und unmögliche Kombination", dass Merkel direkt danach in Dachau eine Wahlkampfrede in einem CSU-Bierzelt halten wolle.

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Kanzlerin Merkel besucht Gedenkstätte Dachau

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hingegen verteidigte die Regierungschefin: "Mit Frau Merkel besucht immerhin erstmals ein deutscher Kanzler die KZ-Gedenkstätte in Dachau", sagte der Zentralratsvorsitzende Dieter Graumann zu "Spiegel Online". Er sei dagegen, "dass wir uns jetzt in eine Meckerecke stellen". Hätte die Kanzlerin nur den Wahlkampfauftritt in Dachau wahrgenommen, "hätte man sie wiederum dafür kritisieren können, dass sie nicht die KZ-Gedenkstätte besucht hat, bemerkt Graumann.

Die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, sagte, es sei "lobenswert, dass die Kanzlerin die Gelegenheit ihres Besuchs in der Region wahrnimmt, um die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers zu besuchen". Und es sei "bemerkenswert", dass Merkel ihre Planungen mitten in der heißen Wahlkampfphase kurzfristig ändere.

wl/qu (dpa, afp, epd)

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