1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Welt

Merkel als UN-Generalsekretärin?

Angela Merkel als mögliche UN-Generalsekretärin? Fest steht zumindest: Ban Ki-Moon räumt bald seinen Posten. Und die Bundeskanzlerin ist in Europa zusehends isoliert. Manche Beobachter sagen daher: Sie hat echte Chancen.

Ein Kommentar in der "New York Times" (NYT), geschrieben von einem ehemaligen Pressereferenten des UN-Generalsekretärs, bezeichnet Merkel als perfekte Nachfolgerin von Ban Ki-Moon, dessen Amtszeit Ende des Jahres ausläuft. Der Artikel - garniert mit einer Grafik, in der zwei Hände in Merkel-Rauten-Pose eine Weltkugel halten - zählt alle Gründe auf, weshalb es geradezu "zwingend logisch" sei, Merkel als Kandidatin zu favorisieren.

Da wären: Merkel ist eine Frau. Sie stammt aus dem ehemaligen Ost-Block, versteht Russland und könnte daher als Vermittlerin zwischen Russland und den USA wirken. Bei der Flüchtlingsdebatte habe sie zudem auch ihre menschliche Seite gezeigt. All das, zusammen mit ihren unumstrittenen Führungsqualitäten, die sie zum Beispiel in der Eurozonen-Krise bewiesen hat, mache sie zu einer äußerst attraktiven Kandidatin.

"Es ist sehr schwierig, sich in dieser neuen, mehrpoligen Welt zurechtzufinden, in der Konflikte nationale Grenzen überschreiten. Aber wenn jemand diese Herausforderung meistern kann, dann ist es die deutsche Kanzlerin", endet der NYT-Kommentar.

Lobeshymnen für Merkel

Der Artikel der "New York Times" klang wie ein leidenschaftlicher Ruf nach Merkels Kandidatur. Doch es ist nicht das erste Mal, dass ihr Name in diesem Zusammenhang in internationalen Medien auftaucht. Erst letzten Monat bezeichnete die "Financial Times" Merkels Kandidatur als "Joker". Und im September veröffentlichte die deutsche "Bild"-Zeitung einen Artikel mit dem Titel "Wird Merkel neue UN-Generalsekretärin?"

Während die Kanzlerin selbst zu den Gerüchten schweigt, sind sich internationale UN-Experten einig: Merkel wäre eine großartige Kandidatin.

"Von ihren Qualifikationen her wäre sie eine exzellente Generalsekretärin", sagt Jan Wouters, Direktor des Zentrums für Global Governance Studies an der Katholischen Universität Leuven. "Sie würde einige Punkte erfüllen, die die UN meiner Meinung nach dringend gebrauchen kann."

Der Meinung ist auch Dan Sarooshi, Professor für öffentliches Recht an der Universität Oxford. "Merkel würde der Rolle echte Bedeutsamkeit verleihen. Das, zusammen mit ihrem Rückgrat und ihrem Einsatz für Frieden und Sicherheit, macht sie zu einer Spitzenkandidatin."

"Angela Merkel wäre sicherlich eine überragende Kandidatin", meint auch Thomas J. Biersteker, Professor für internationale Sicherheit am Graduate Institute in Genua. Denn sie habe bewiesen, dass sie führen könne und sie verfüge über umfangreiches politisches Geschick.

Nur die Macht der Worte

Es gibt aber auch andere Stimmen. So glaubt Thorsten Benner, Direktor des Berliner Global Public Policy Instituts, dass es vor allem eine "nette Debatte für Journalisten und Beobachter" sei, aber "keine ernsthafte Debatte". Benner hält Angela Merkel zwar ebenfalls für ausreichend qualifiziert. Aber er sagt: "Nüchtern betrachtet ist dieser Posten für Angela Merkel nicht besonders attraktiv."

Schließlich habe ein Generalsekretär nur die Macht seiner Worte, so Benner. Merkel sei jedoch nicht als große Rednerin bekannt und dürfte wohl auch kein besonderes Interesse daran haben, große öffentliche Statements abzugeben.

Tatsächlich hat ein UN-Generalsekretär weit weniger formale politische Macht als eine Bundeskanzlerin. Doch das muss nicht zwangsweise ein Ausschlusskriterium sein.

Weitere Hindernisse

"Es ist ein Posten, der sich sehr, sehr stark von dem als Bundeskanzlerin unterscheidet, aber vielleicht ist es gerade das, wonach sie sucht", sagt Wouters. "Ich kenne Merkel nicht und ich weiß nicht, was es heißt, so lange an höchster Stelle der deutschen Politik zu wirken, aber ich könnte mir vorstellen, dass man sich zu gegebener Zeit nach einer anderen Art von Herausforderung sehnt."

Jenseits der Frage, ob Merkel überhaupt Interesse hätte, gibt es weitere praktische Hürden.

Da ist der höchst politisierte und schleppende Prozess der Nominierung an sich. Und die große Frage, "ob die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates bereit wären für jemanden mit ihren Fähigkeiten und ihrer Unabhängigkeit, die sie mit ins Amt bringen würde", so Biersteker.

Darüber hinaus, so Benner, sei es sehr schwierig, als UN-Generalsekretär echte Resultate in den aktuellen großen Krisen zu erzielen, die von geopolitischen Konfrontationen getrieben werden.

Für Wouters ist es genau das, was Merkel so passend für die UN erscheinen lässt: "Die UN droht, irrelevant zu werden", so Wouters. Die Welt sei derzeit in einem so schlechten Zustand, dass das mühsam nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffene Weltgefüge beschädigt werden könnte. Sein Plädoyer daher: "Es gibt so viele wichtige Dinge, die auf einem globalen Level getan werden müssen, dass wir Menschen wie Angela Merkel brauchen."

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links