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Wirtschaft

Merckle gerettet - und zerschlagen

Die Unternehmen der finanziell schwer angeschlagenen Merckle-Gruppe sind zwei Tage nach dem Selbstmord von Adolf Merckle gerettet. Das Firmengeflecht wird aber zerschlagen und der Einfluss der Familie stark begrenzt.

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Der Pharmahersteller Ratiopharm muss auf Druck der Gläubigerbanken verkauft werden, wie die zu Merckle gehörende VEM Vermögensverwaltung am Mittwoch (7.1.2009) in Ulm mitteilte. Schon Ende letzten Jahres wurden erste Verkaufsforderungen nach Ratiopharm laut. Nur unter dieser Bedingung wollten die rund 30 Banken den rettenden Überbrückungskredit gewähren. In diesem Jahr sei mit dem Verkauf aber definitiv noch nicht zu rechnen, hieß es aus Unternehmenskreisen.

Unternehmer Adolf Merckle ratiopharm

Der Unternehmer Adolf Merckle (2007)

Merckle hatte sich am Montag das Leben genommen, nachdem er die Einigung mit den Banken noch selbst unterschrieben hatte. Seiner Familie zufolge hatte es Merckle nicht verkraftet, die Kontrolle über sein Imperium zu verlieren. Er hatte sich zudem lange gegen den Verkauf von ratiopharm gesträubt, da er angesichts der Finanzkrise fürchtete, ratiopharm könnte weit unter dem eigentlichen Unternehmenswert verkauft werden.

Besseres Marktumfeld

Damit genau das nicht passiere, sei ein Verkauf in diesem Jahr ausgeschlossen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur (dpa) aus Unternehmenskreisen. Man werde ein besseres Marktumfeld abwarten - das sei aber erst im nächsten Jahr zu erwarten. Als Käufer käme dann zum Beispiel ein Pharmaproduzent aus dem Ausland in Betracht, der sich im deutschen Markt verstärken will. ratiopharm kündigte an, die Geschäftsführung werde «alles in ihren Möglichkeiten stehende tun, um in diesem Verkaufsprozess die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu wahren», hieß es.

Mit dem Geld aus dem Verkauf des Pharmakonzerns soll die finanzielle Situation der Merckle-Gruppe mit ihren 100.000 Mitarbeitern verbessert werden. Vor allem HeidelbergCement war zuletzt in Bedrängnis geraten. Hintergrund ist eine Kapitalerhöhung, die teilweise mit Krediten finanziert wurde. Als Sicherheit hatte Merckle Aktien hinterlegt, die durch die Finanzkrise aber deutlich an Wert verloren. Als die Banken dann zusätzliche Sicherheiten verlangten, kam Merckle in Zahlungsschwierigkeiten. Früheren Meldungen zufolge fehlten kurzfristig rund 400 Millionen Euro. Fehlspekulationen mit VW-Aktien hatten die Situation zusätzlich verschärft.

Warten auf den Sanierungsplan

In den nächsten Monaten werde nun ein langfristiger Sanierungsplan für die Unternehmen der Gruppe erstellt, sagte ein VEM-Sprecher. Dazu gehören neben ratiopharm und HeidelbergCement auch der Pharmagroßhändler Phoenix sowie rund 100 weitere Unternehmen.

Weitere Bedingung der Banken ist, dass der Einfluss der Familie beschnitten wird. Merckles Sohn Ludwig werde sich nun aus der Gruppe zurückziehen, teilte die VEM mit. Nach dem Selbstmord des Firmenpatriarchen war sein Sohn Ludwig gemeinsam mit ratiopharm-Finanzchefin Susanne Frieß Geschäftsführer der VEM.

"In die Knie gezwungen"

Das Unternehmen mit weltweit 5400 Mitarbeiter, 2850 davon in Deutschland, wurde 1973 von Merckle gegründet. In seiner Heimatstadt Blaubeuren bei Ulm herrschte nach dem Tod des 74-Jährigen Trauer. Bürgermeister Jörg Seibold sagte, er sei bestürzt, dass die Finanzkrise Merckle "in die Knie gezwungen hat und er sich offenkundig ohne Unterstützung der beteiligten Akteure zurückgelassen sah". Merckles Tod schockte auch Universitäten und Museen im Land. Als Mäzen hatte Merckle jahrzehntelang Forschungsprojekte gefördert. In vielen Museen hängen Bilder, die der Milliardär erworben und dann als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hatte - seinen Namen ließ er dabei nie erwähnen.

Der Zeitpunkt für eine Trauerfeier war am Mittwoch noch unklar. Zuerst müsse die Staatsanwaltschaft die sterblichen Überreste freigeben, teilte die Familie mit. Die Ulmer Ermittlungsbehörde hatte einen DNA-Test angeordnet, um letzte Zweifel an der Identität des Leichnams auszuräumen. Mit dem Ergebnis wird im Laufe dieser Woche gerechnet. (sam)

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