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Kultur

Merce Cunningham: Ein Leben für den Tanz

Er war einer der innovativsten Choreografen der Moderne: Merce Cunningham ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Er bewies, dass Tanzen sehr wohl auch etwas mit Albert Einstein zu tun haben kann.

Portrait Cunningham (Foto: AP)

Merce Cunningham, Trensdsetter für das moderne Tanztheater

Er sei am Sonntag friedlich in seinem Haus eingeschlafen, teilte die "Merce-Cunningham-Stiftung" am Montag (27.07.2009) mit. Am 16. April hatte er noch seinen 90. Geburtstag gefeiert. Er tanzte zwar nicht mehr ausgelassen wie zehn Jahre davor, an seinem 80., doch seine künstlerische Kreativität schien ungebrochen.

Von Kindesbeinen an

Seine Leidenschaft für den Tanz erkannte er bereits sehr früh. "Er war gerade mal vier Jahre alt, da tänzelte er am Sonntag den Mittelgang in der Kirche entlang", erinnerte sich seine Mutter einmal. Das war in seiner Heimatstadt Centralia im Bundesstaat Washington. Dort erhielt er auch den ersten Tanzunterricht. Elf Jahre alt war er, als er in der Tanzschule von Maud Barret Stepptanz lernte. Kaum hatte er seinen Schulabschluss in der Tasche, zog es ihn nach Seattle. Hier nahm er zunächst Schauspielunterricht am Cornish Collage of the Arts, doch schon sehr bald wechselte er in die Tanzklasse von Bonnie Bird, einem ehemaligen Mitglied der "Martha Graham Dance Company". Und schon ging's ab nach New York, wo er, neben seinem Studium an der "Scholl of American Ballet", in der Company von Martha Graham bis 1945 Solotänzer war.

Merce Cunningham tanzt mit seiner Company(Foto: AP)

Merce Cunningham in Mitten seiner Company im Tanzstück "Quartet" im Jahr 1986

Genialer Erneuerer

Am Anfang seiner Karriere als Tänzer lobten ihn die Kritiker überschwänglich. Sie bewunderten seine gewaltigen Sprünge und schwärmten von seinem langen Rücken. Später wurden seine Werke anstrengender für Publikum und Kritiker - etwa, wenn ihn Einsteins Relativitätstheorie inspirierte: "Ich habe Einstein durch puren Zufall gelesen, wo er sagt, dass es meine festen Punkte im Raum gibt, und ich dachte: Das passt perfekt zu meiner Meinung von Raum und Bühne", sagt Cunningham einmal.

In seinen Stücken gibt es folglich keine durchgehende Handlung, keine Perspektive und keine Einheit von Musik und Tanz. Es gibt nur organische Bewegung.

Kongeniale Partner

John Cage liest vor Studenten (Foto: AP)

Inspiration und Partner: Komponist John Cage

In Seattle hatte er seinen späteren Arbeit- und Lebenspartner, den Musiker und Komponisten John Cage kennengelernt. Dieser kam als Korrepetitor ans "Cornish Collage of the Arts". Seine Kompositionsmethode beeindruckte Cunningham sehr. Cage setzte Zufallsprozesse. Das bedeutete für den Tanz, dass jede Bewegung erlaubt war. Vielen Künstler wie Jasper Johns oder Robert Rauschenberg gefielen diese freien Gestaltungsmöglichkeiten. Andy Warhol entwarf zum Beispiel ein Bühnenbild, das aus mit Helium gefüllten Silberkissen bestand.

1953 gründetete Cunningham seine "Merce-Cunningham-Company", mit der er seinen Weltruhm begründete. Cunningham wurde zum Trendsetter.

Vorausschauende Nachlassregelung

Vier Wochen vor seinem Tod legte Merce Cunningham fest, was mit seinen Werken geschehen soll, wenn er seine Dance Company nicht mehr leiten kann: Ein Trust soll die Kompagnie zwei Jahre lang leiten und eine Welt-Tournee mit einem letzten Auftritt in New York organisieren. Darauf darf sich die Welt nun freuen - nur ohne Merce Cunningham.

(cp/sam/dpa)