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Amerika

MEO mischt Chiles Wahlkampf auf

Marco Enríquez-Ominami - MEO - ist zwar selbst als Kandidat gescheitert, wird bei Chiles Stichwahl im Januar aber das Zünglein an der Waage: Es hängt von seinen Anhängern ab, ob Frei oder Pinera Präsident wird.

(Foto: AP)

"Er ist so hübsch": Präsidentschaftskandidat Marco Enriquez-Ominami

Der Zapadores-Markt befindet sich in Santiago de Chiles Stadtteil Recoleta. Billige Kleidung, Schuhe und Spielzeug werden hier verkauft. An diesem Nachmittag ist der Markt noch voller als sonst. Ein attraktiver Mann mit weißem Hemd und hellgrauem Jackett schiebt sich langsam durch die Menge. Er begrüßt Verkäuferinnen mit Wangenküsschen, streicht ab und zu lässig sein dunkles Haar zurück. Passanten rufen "Vamos Marco" und klatschen. "Er ist so hübsch", kreischt eine Frau aufgeregt.

Vor der Wahl wurde Marco Enríquez-Ominami, erst 36-jähriger chilenischer Präsidentschaftsbewerber, bei seinen Auftritten gefeiert wie ein Popstar.

Ermüdungserscheinungen im Regierungsbündnis

(Foto: Victoria Eglau/DW)

Bisweilen wird MEO gefeiert wie ein Popstar

Die meisten Chilenen nennen den bisherigen Parlamentsabgeordneten nach seinen Initialen einfach nur MEO. Als MEO vor einem halben Jahr seine Kandidatur erklärte, kam Bewegung in den Wahlkampf. Dass er in manchen Umfragen gleichauf mit dem Bewerber des Mitte-Links-Bündnisses Concertación, Christdemokrat Eduardo Frei, lag, grenzte an eine Sensation. Der Sozialist Enríquez-Ominami stammt selbst aus der Regierungs-Koalition.

Nachdem diese aber ohne interne Vorwahlen Frei nominiert hatte, ging MEO als unabhängiger Kandidat ins Rennen. Zu seinem Erfolg trug zweifellos die Ermüdungserscheinungen der Concertación beigetragen, die seit dem Ende der Pinochet-Diktatur vor zwanzig Jahren an der Macht ist. Ihr Kandidat Eduardo Frei war schon einmal Chiles Präsident und gilt als langweilig und abgenutzt. "MEO ist kühn und intelligent. Frei dagegen verkörpert nicht gerade Erneuerung, er ist kein attraktiver Kandidat", so Carlos Huneeus, Direktor des Meinungsforschungsinstituts CERC in Santiago de Chile.

"Weiter mit der Veränderung!"

"Marco por tí" – Marco für dich – heisst der Ohrwurm, der Enríquez-Ominamis Wahlkampf-Karawane in den vergangenen Wochen begleitete. In den Städten und bei Chiles junger Generation fand der selbstbewusste Medienliebling besonders großen Anklang. Nicht nur sein jugendliches Alter und einnehmendes Wesen, auch seine Biografie machten MEO interessant: Er ist der Sohn von Miguel Enríquez, einem bekannten Guerillero, der 1974, während der Militärdiktatur, umgebracht wurde. Sein Adoptivvater ist der prominente sozialistische Senator Carlos Ominami. Marco wuchs im Exil in Frankreich auf und kam erst als Jugendlicher zurück nach Chile, wo er später unter anderem als Regisseur arbeitete. Verheiratet ist MEO mit der Fernsehmoderatorin Karen Doggenweiler. Seinen Wahlkampf führte er mit dem Slogan "Die Veränderung geht weiter". Er sah sich in einer Linie mit Michelle Bachelet, der vor allem wegen ihrer Sozialpolitik höchst populären scheidenden Präsidentin.

Unsteter Jungspund?

(Foto: pa/dpa)

Begehrter Wohnsitz: Präsidentenpalast "La Moneda" in Santiago

Doch längst nicht alle überzeugte Shootingstar Marco Enríquez-Ominami. Bei den Wahlen kam er als drittbester Kandidat auf gut 20 Prozent. Deutlich vor Frei (knapp 30 Prozent) und Enríquez-Ominami liegt mit 44 Prozent der rechtskonservative Kandidat Sebastián Piñera, einer der reichsten Unternehmer Chiles. Seine Chancen stehen gut, der erste rechte Präsident seit dem Ende der Pinochet-Herrschaft zu werden. Eine Stichwahl zwischen Frei und Pinera wird die Entscheidung bringen. Doch auch wenn MEO offiziell aus dem Rennen ist, spielt er doch eine entscheidende Rolle: Nur mit der Stimme von MEOs Anhänger könnte Frei Präsident werden. Noch hat sich Enríquez-Ominami nicht geäußert, ob er Frei unterstützen will.

Unabhängig davon wird MEO wohl in den nächsten Jahren wieder versuchen, Präsident zu werden: "MEO ist ja noch jung, erst 36", analysiert der Journalist Libio Perez. "Er hat noch 20 bis 25 Jahre Zeit, um zu versuchen, Präsident zu werden."

Autorin: Victoria Eglau

Redaktion: Sven Töniges