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Afrika

Menschenrechtlerin: "Ein Waffenembargo würde helfen"

Der Konflikt im Südsudan gilt als einer der brutalsten Bürgerkriege unserer Zeit. Nur mit internationaler Hilfe können die Kriegsverbrechen dort geahndet werden, sagt die Menschenrechtsaktivistin Skye Wheeler.

DW: Der Konflikt im Südsudan scheint derzeit neu aufzuflammen. Human Rights Watch hat seit Beginn der Kämpfe Kriegsverbrechen im Land dokumentiert. Was werfen Sie den Konfliktparteien vor?

Skye Wheeler: Sowohl Regierungstruppen als auch Rebellen haben eine Vielzahl an Verbrechen verübt. Zu Beginn der Kämpfe im Dezember 2013 haben wir hier in der Hauptstadt Juba gezielte Angriffe, Ermordungen, Massenverhaftungen und Folter von Angehörigen der Nuer-Ethnie dokumentiert. Innerhalb weniger Tage griff der Konflikt auf andere Landesteile über. Und wieder und wieder haben wir dokumentiert, dass beide Seiten Zivilisten aufgrund ihrer Ethnie gezielt angegriffen und auf brutale und schreckliche Weise ermordet haben.

Können Sie erklären, warum dieser Konflikt mit so viel Brutalität geführt wird?

Skye Wheeler (Foto: Human Rights Watch)

Skye Wheeler ist für Human Rights Watch in der Hauptstadt Juba

Weil niemand die Folgen seines Handelns fürchten muss. Seit 70 Jahren ist der Südsudan immer wieder von Konflikten heimgesucht worden. Das ist eine Geschichte voller Verbrechen an Zivilisten und niemals ist jemand wegen dieser brutalen Übergriffe zur Verantwortung gezogen worden.

Was muss geschehen, damit sich das ändert?

Es gibt bereits eine Untersuchungskommission der Afrikanischen Union, die vom ehemaligen Nigerianischen Präsidenten Olusegun Obasanjo geleitet wird. Sie sollte ein Verfahren vorschlagen, wie Verantwortliche vor Gericht gebracht werden. Das Justizsystem des Südsudan ist dafür zu schwach und es fehlt im Land auch der poltische Wille dazu. Deshalb braucht es hier internationalen Einsatz.

Hat die Welt denn bisher die Schwere und den Umfang von Kriegsverbrechen im Südsudan unterschätzt?

Ja. Wir haben immer wieder schwerste Vergehen gegen Zivilisten aufgedeckt. Aber das Ausmaß ist größer, als wir es bislang überblicken können.

Sie haben relativ gute Beweise aus den größeren Städten. Was ist mit Dörfern, die oft sehr schwer zu erreichen sind? Wie haben Sie Beweise für den Bericht von Human Rights Watch gesammelt?

Krieg im Südsudan (Foto: Human Rights Watch)

Vermutlich auf der Flucht erschossen: Mann aus Bor, nördlich von Juba

Wir haben mit mehr als 400 Opfern und Überlebenden und anderen Zeugen gesprochen. Auch die Vereinten Nationen haben mit einem Menschenrechts-Team viele Verbrechen dokumentiert. Aber es ist wahr: Es gab auch viele Angriffe in sehr ländlichen Gebieten. Auch Dörfer wurden überfallen und gebrandschatzt. Aber darüber wissen wir weitaus weniger.

Der Konflikt dauert weiter an, die Friedensgespräche stocken. Und es kommen weiterhin Waffen ins Land. Wie kann das gestoppt werden?

Nächste Woche wird der UN-Sicherheitsrat eine Delegation in den Südsudan entsenden. Wir hoffen, dass sie dann ein Waffenembargo verhängen werden und auch Sanktionen gegen Einzelne beschließen, die für die schlimmsten Verbrechen verantwortlich sind.

Woher kommen denn die Waffen für die Konfliktparteien?

Krieg im Südsudan (Foto: Human Rights Watch)

Satellitenaufnahmen zeigen eine Rauchwolke über Bentiu, Tag nach dem Einmarsch der Regierungssoldaten

Es herrscht wahrlich kein Waffenmangel im Südsudan. Die Regierung hat gerade erst wieder eine große Menge Waffen aus China gekauft. Ein Waffenembargo könnte zumindest verhindern, dass noch mehr Gewehre ins Land kommen. Das würde dazu beitragen, dass nicht noch mehr Zivilisten zu Schaden kommen in diesem äußerst brutalen Konflikt.

Skye Wheeler dokumentiert für die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" Kriegsverbrechen im Südsudan. Sie lebt in der Hauptstadt Juba.

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